Anja Raskob

Auswertung der Ergebnisse der Untersuchung zum Messie-Sein

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Untersuchung zum Messie-Sein,

nach langer Zeit möchte ich mich nun endlich bei Ihnen melden und Ihnen noch einmal ganz ausdrücklich meinen herzlichen Dank dafür aussprechen, dass Sie mir durch die viele Mühe, die Sie sich mit dem Ausfüllen des wirklich sehr umfangreichen Erhebungsinstrumentes gemacht haben, ermöglicht haben, einige neue Erkenntnisse über mögliche Ursachen und Begleiterscheinungen des Messie-Seins zu gewinnen.

Ich habe nicht vergessen, dass ich Ihnen damals als kleines Dankeschön für Ihre Teilnahme ein Persönlichkeitsprofil versprochen habe. Im Laufe der Datenauswertung wurde mir allerdings klar, dass dies in vielen Fällen bedeutet hätte, Menschen sehr schmerzhaft zu Bewusstsein zu bringen, dass sie sich in einigen sehr wichtigen Lebens- und Erfahrungsbereichen sehr deutlich von Nicht - Messies unterscheiden und dass gerade dies auch ursächlich bei der Entstehung ihrer heutigen Probleme sein könnte. Menschen, zu denen ich keinen persönlichen Kontakt habe, einfach postalisch eine Diagnose ihres Zustandes mitzuteilen, halte ich für unmoralisch. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass konkrete Hilfsangebote für Messies nach wie vor sehr rar sind.

Dies hat mich zu der Entscheidung bewogen, Ihnen in allgemeiner Form einige wichtige Ergebnisse meiner Untersuchung mitzuteilen. Darüber hinaus versuche ich derzeit einen Verlag zu finden, um die Ergebnisse meiner Untersuchung publizieren zu können, damit sie zukünftig auch einem breiteren Publikum zugänglich sind. An dieser Stelle möchte ich auch darauf hinweisen, dass in Kürze beim Pabst-Verlag ein Buch von Gisela Steins erscheinen wird, in dem sie - wie ich finde - in sehr ansprechender Weise die bisherigen Befunde ihrer Untersuchungen an und mit Messies darstellt.

 

Ergebnisse der Untersuchung zum Messie-Sein

Nun zu meinen Ergebnissen, von denen ich hier allerdings nur einen ersten groben Überblick vermitteln kann:

Ich möchte Sie bitten zu berücksichtigen, dass ich an dieser Stelle nur Aussagen über die Gesamtgruppe der Messies treffen kann. Auffällig war bei der Untersuchung, dass sich innerhalb dieser Gruppe aller untersuchten Messies im Einzelfall erhebliche Unterschiede im Datenprofil ergeben haben, weit größere als in der Vergleichsgruppe von Nicht - Messies. Das bedeutet, dass sich die eine Messie - Persönlichkeit sehr stark von einer anderen unterscheiden kann und dass das heutige Messie-Sein aus einer Kombination sehr unterschiedlicher, einschneidender Erfahrungen entstanden sein kann. Also muss nicht alles, was ich nachfolgend berichte, auch im Einzelfall für Sie zutreffend sein!

Hypothesen

Aus bisherigen Untersuchungen zur Desorganisation (Steins 2000, Steins 2001) und zwanghaftem Horten (z. B. Frost et al., 1998 ) ergab sich die Vermutung, dass desorganisierte Personen in erster Linie Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen haben und in zweiter Linie darauf reagiert haben, indem sie eine überwertige sentimentale Bindung zu materiellen Dingen aufgebaut haben. Dies ist häufig begleitet von vermehrtem Sammeln und Horten, bzw. Nichtmehrwegwerfenskönnen und kann teilweise einhergehen mit chaotischen Haushalten.

Das muss allerdings nicht immer sein. Oft hat eine Besichtigung der Wohnräume ergeben, dass manche Messies sehr rigide Ordnungsvorstellungen haben, in dieser Hinsicht sehr viel perfektionistischere Ansprüche an sich stellen als andere und sehr unzufrieden mit sich und ihrer Haushaltsführung sind. Die durchgeführte Befragung untersuchte nun die Rolle von unsicherem zwischenmenschlichem Bindungsverhalten und sozialer Vermeidung unter Berücksichtigung einschneidender Lebenserfahrungen und dissoziativer Verhaltensweisen (z. B. Abspaltung von Gefühlen, Erinnerungen etc.) bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Desorganisationsproblemen.

Der zu diesem Zweck entwickelte umfangreiche Fragebogen berücksichtigte mögliche Einflussfaktoren auf das aktuelle Ausmaß der Desorganisation aus drei Bereichen, nämlich

a)      dem in der Rückschauerinnerlichen sozial-emotionalen Wohlbefinden in Kindheit und Jugend unter Berücksichtigung einschneidender Lebensereignisse,

b)      dem gegenwärtigen sozial-emotionalen Wohlbefinden unter Berücksichtigung partnerschaftlicher und freundschaftlicher Bindungsstile und

c)      der sentimentalen Bindung an Besitztümer.

 

Es wurden die Daten desorganisierter Personen (N = 156) mit denen einer Kontrollgruppe (N = 67) verglichen. In Anlehnung an die Bindungstheorie (Bowlby, u. a. 1988) und Befunde von Steins (2001) wurden folgende Hypothesen entwickelt:

 a)      Menschen mit Desorganisationsproblemen, sogenannte Messies, weisen häufig einen unsicheren Bindungsstil auf, der sich in einer tiefgreifenden sozialen Rückzugshaltung bzw. Entemotionalisierung zwischenmenschlicher Beziehungen manifestiert, und

b)      auf unsichere primäre Bindungsbeziehungen (z. B. zu den Eltern) sowie

c)      einschneidende Lebenserfahrungen zurückgeführt werden und sich

d)      zusätzlich in verstärktem dissoziativem Erleben manifestieren kann. Dies führt

e)      zu einer kompensatorischen, d. h. ersatzweisen Überbewertung der Ordnungsthematik und der Bedeutsamkeit von Besitztümern. Im Falle

f)        nach außen hin sichtbar werdender Desorganisation kann sich die überwertige sentimentale Bindung an und personifizierende Funktionalisierung von Besitztümern in einer für Außenstehende sichtbaren Vermüllung der Privatsphäre Betroffener niederschlagen.

Befunde

Diese Hypothesen konnten weitestgehend bestätigt werden. Desorganisierte sind häufig ängstlich-vermeidend gebunden und vermeiden soziale Kontakte, dies z. T. bereits seit der Kindheit, in der sich rückblickend Belege für unsichere primäre Bindungserfahrungen finden lassen. Beides steht in Zusammenhang mit einer starken Emotionalisierung von Besitztümern. Zusammen stellen die Einflussgrößen bedeutsame Vorhersagefaktoren der Desorganisation dar.

Diese Befunde deuten daraufhin, dass Messies nur geholfen werden kann, wenn all diese Faktoren in einer etwaigen Therapie Berücksichtigung finden, d. h. eine geeignete Mischung aus kognitiver Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie und strukturierten Hausaufgaben angeboten werden kann. Eine Familienaufstellung nach Hellinger könnte zudem Katalysator beziehungsorientierter Therapie sein und Betroffenen helfen, den Einfluss der familiären Strukturen in ihrer Ursprungsfamilie auf ihr heutiges Leben und ihre Sichtweise ihrer selbst und der Welt zu begreifen und sich da, wo es nötig ist, aus einer ungünstigen Umklammerung der Vergangenheit zu befreien.

 

Diskussion der Ergebnisse

Zusammenfassend bedeutet dies, dass sich aus den Daten folgendes Modell möglicher Einflussfaktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Desorganisationsproblematik ableiten lässt:

 

 

 

 Abbildung 1 Pfadanalytisches Modell für Messie-Sein

 

Der gegenwärtige Leidensdruck von Messies und das Ausmaß, in dem jemand ein Messie ist, stehen in enger Verbindung zu dem Ausmaß, in dem eine besonders emotionale Verbindung zu materiellen Besitztümern aufgebaut wurde sowie einer zunehmend starken sozialen Rückzugshaltung sowie Vermeidung zwischenmenschlicher Interaktionen.

Die Zuschreibung menschlicher Attribute, das extreme innere Verpflichtungsgefühl den Besitztümern gegenüber und die Personifizierung der Besitztümer stehen in einem engen Zusammenhang mit dieser Isolation, werden durch diese maßgeblich mitbeeinflusst.

Von den zurückliegenden Kindheitserfahrungen haben einen schwachen, aber direkten Einfluss auf das Messie-Sein die Beziehung der Eltern zueinander, also die Spannung zwischen den Eltern und die Erfahrung, dass diese die Betroffenen als Kind nicht Kind sein ließen, sondern häufig zu Vertrauten ihrer intimen Sorgen und Ängste machten. Außerdem bedeutsam ist die Erfahrung, im Elternhaus keinen angemessenen emotionalen Rückhalt erfahren zu haben, sondern dort viel mehr emotional vernachlässigt worden zu sein.

 

 

 Hierin könnte ein Hinweis auf das bereits frühe Fehlen einer sicheren Basis liegen, d. h. die Betroffenen konnten weniger als andere sicher sein, dass dann, wenn sie Unterstützung und Zuneigung gebraucht hätten, ihre Eltern oder vergleichbar bedeutsame Beziehungsfiguren für sie da gewesen wären. Daraus entwickelt sich im Laufe der weiteren Entwicklung häufig ein Modell der Welt, in der diese als gefährlich, unberechenbar und feindselig wahrgenommen wird. Dies führt dazu, dass die ursprüngliche Neugier des Kindes, sein ursprünglicher Expansions- und Forschungsdrang stark eingeengt werden und dadurch nachfolgend wichtige Lernerfahrungen nicht gemacht werden.

Dies hat damit zu tun, dass die Menschen am Anfang alles versuchen, sich an die Bedingungen ihrer frühkindlichen Umwelt, also an die Struktur ihrer Eltern anzupassen. Ziel dieser Anpassung ist der unbedingte Überlebenswille eines jeden Kindes, auch wenn dies bedeutet, dass zu diesem Zweck Verhaltensweisen entwickelt werden müssen, die zwar in der Ursprungsfamilie ihren Sinn hatten, sich aber in späteren sozialen Kontexten als hinderlich oder gar stark beeinträchtigend erweisen.

Bereits in der Kindheit hat bei vielen Betroffenen, das hat die Untersuchung gezeigt, ein hohes Maß an sozialer Isolation stattgefunden, an Rückzug aus unüberschaubaren Situationen und sozialen Interaktionen. Der Einfluss auf das heutige Leiden ist zwar eher indirekt, erscheint aber vermittelt über die gegenwärtigen, z. T. stark ausgeprägten, sozialen Kompetenzdefizite und Ängste bzw. Unsicherheiten anderen Menschen gegenüber, aus denen heraus häufig der Kontakt zu diesen vermieden wird, aus Angst zurückgewiesen zu werden oder aber weil z. B. die Entscheidung getroffen wurde, dass die Beziehung zu anderen Menschen im eigenen Leben keine so hohe Bedeutung habe.

Dies ist aber auch als Reaktion darauf zu verstehen, dass mit einer solchen Haltung schmerzhafte Verletzungen vermieden werden sollen, die den Betroffenen möglicherweise früher dadurch zugefügt wurden, dass ihre Eltern nicht greifbar waren oder sie misshandelten oder in anderer Weise nicht in der Lage waren, die emotionalen Bedürfnisse eines Kindes in kindgerechter Weise zu erfüllen.

Einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Vereinsamung hat offensichtlich auch das Ausmaß der Dissoziation. Hier ist davon auszugehen, dass Messies, die stark dissoziieren, traumatische Erlebnisse hatten, die ihrem Bewusstsein nicht mehr oder nur zeitweilig zugänglich sind, dass sie sich ihrer selbst kaum sicher sein können und ein besonders fragiles/zerbrechliches Selbstkonzept haben, aber auch widersprüchliche Modelle der Welt und der Anderen aufweisen. Dissoziation wird mit einem desorganisierten Bindungsstil in Zusammenhang gebracht. Es konnte gezeigt werden, dass viel mehr Messies als Kontrollpersonen einen solchen Bindungsstil aufweisen. Ein solcher Bindungsstil gilt als Folge schwerer Traumatisierungen oder einer kindlichen Umwelt, die nicht fassbar und über die Maßen erschreckend für das Kind war.

Dies ist zum Beispiel der Fall, weil die Eltern sich sehr widersprüchlich verhielten und ihre Kinder durch ihr Verhalten mal in Angst und Schrecken versetzten, mal jedoch besonders liebevoll waren. Betroffene Kinder reagieren, indem sie sich einerseits den Eltern, die ursprünglich Schutz bieten, einen emotionalen Rückhalt darstellen sollen, die Basis sind, von der aus die Welt erobert werden kann, nähern wollen, andererseits aber auch große Furcht vor diesen haben.

Dadurch entsteht der Eindruck, die Welt sei unkontrollierbar. Dies zeigt sich im Verhalten des Kindes dadurch, dass es „desorganisiert“ erscheint. Erst sucht es Nähe, dann weicht es ängstlich zurück oder verfällt in eine tranceähnliche Starre, beginnt Spielzeug wichtiger zu finden als die verwirrenden Erwachsenen etc.

Eine verwirrende, widersprüchliche und in besonderem Maße furchteinflößende Bindungserfahrung in den primären Beziehungen erhöht die Angst, in sozialen Situationen zu versagen, sich zu „verraten“, sich unangemessen zu benehmen und dafür bestraft zu werden. Aus diesem Grund versuchen Betroffene auf anderen Wegen Kontrolle über ihre Welt zu erhalten aus Angst, von anderen möglicherweise retraumatisiert, d. h. erneut schmerzlich verletzt oder zurückgewiesen zu werden. Dies bedeutet, dass zwischen Dissoziation, also Abspaltung bestimmter Erlebnisinhalte und sozialem Rückzug ein enger Zusammenhang besteht.

Auf das Messie-Sein als solches hat die Dissoziation keinen unmittelbaren Einfluss, aber sie führt zu einer Verstärkung der Tendenz, sich aus sozialen Interaktionen zurückzuziehen. Wurden Messies in ihrer Kindheit von überforderten Eltern mit großer Härte bestraft, bloßgestellt und ausgelacht, hat das offensichtlich einen nachhaltigen Einfluss auf ihre Objektbeziehungen, denn mit zunehmend autoritärem und willkürlichem Erziehungsgebaren der Eltern, bei dem das Kind nicht als vollwertiger Mensch  respektiert wird, geht auch eine zunehmende Vermenschlichung und identitätsstützende Funktionalisierung von Besitztümern einher, möglicherweise werden sie als „gute Andere und Freunde“ zum Schutz gegen die böse Außenwelt verwendet.

Hierin liegt ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Hang zu Horten oft etwas mit einer zugrundeliegenden, tief sitzenden Unsicherheit zu tun hat, dass die Betroffenen also versuchen, ein Gefühl der Ohnmacht dadurch zu beseitigen, dass sie viele Funktionen, die andernfalls enge zwischenmenschliche Beziehungen hätten, ihren Besitztümern zuweisen. So berichten Betroffene, inmitten ihrer Besitztümer am meisten innere Sicherheit zu verspüren, diese wie Freunde zu behandeln, ihren Verlust wie den Tod eines nahestehenden Menschen zu empfinden.

Zusammengenommen bedeutet dies, dass die Besitztümer bzw. die aus Horten folgende Unordnung in den Besitztümern sowie auch das zeitliche Chaos in einem sehr engen Zusammenhang damit stehen, dass Messies, selbst wenn sie Partner oder Freunde haben, meist keine besonders enge emotionale Bindung zu diesen besitzen, wenig Vertrauen in die Zuverlässigkeit ihrer Mitwelt haben, wenngleich sie oft bereit sind, anderen zu helfen.

Das bedeutet aber auch, dass die überbetont häufige Auseinandersetzung mit dem Thema Ordnung und die zeitliche sowie räumliche Desorganisation der Betroffenen vor allem auch damit zu tun hat, dass ihnen der Rückhalt in zwischenmenschlichen Kontakten fehlt, dass sie sich grundsätzlich unsicherer fühlen in dieser Welt und wenig Glauben an die eigene Kompetenz, mit dieser Welt umzugehen, in dieser Welt wirksam sein zu können, besitzen.

Dabei geht es nicht nur um Defizite in Fragen der Haushaltsführung, vielmehr ist recht deutlich geworden, dass diese Defizite Ausdruck einer dahinterliegenden grundsätzlichen, existentiellen Angst sind. Das bedeutet unter anderem auch, dass das Horten von Besitztümern oft dem Zweck dient, eine innere Unruhe zu lindern, ein Spannungsgefühl abzubauen, die Angst zu reduzieren, sich zu schützen vor einer Welt, von der geglaubt wird, dass sie grundsätzlich feindselig sei.

Ein Kind, das aus desorganisierten Strukturen stammt, kann diese Desorganisation im späteren Leben in unterschiedlicher Weise zum Ausdruck bringen; wenn nicht bedeutsame positive Erfahrungen dazu führen, dass das Kind/dieser Mensch wieder an sich glaubt und sich sicher und geborgen fühlt, um dadurch Mut und Kraft zu haben, die Welt zu erforschen. Eine Möglichkeit ist das Messie-Sein, eine andere Möglichkeit ist das Entwickeln von Depressionen als Ausdruck der gelernten Hilf- und Hoffnungslosigkeit. Ein dem Messie-Sein ähnlicher Versuch, den Eindruck der Kontrollierbarkeit der Welt zurückzugewinnen, ist das Entwickeln einer Essstörung. Manche Menschen entwickeln auch Zwangshandlungen und Zwangsgedanken, mit denen sie hoffen, ihre Angst quasi magisch zu lindern. Bei einigen Menschen liegen Hinweise auf mehrere dieser Fehlanpassungen vor, die ihnen später das Leben im Alltag sehr schwer machen können.

Insgesamt lässt sich aus den Untersuchungsergebnissen vor allem ableiten, dass Messie-Sein keineswegs einfach ein Problem mit der Ordnung ist, sondern dass das sichtbare Ordnungsproblem viel mehr Ausdruck für etwas anderes ist, ohne dass dieses andere den betreffenden Menschen in jedem Falle voll bewusst sein müsste. Manchmal wäre das auch viel zu schmerzhaft.

Bowlby geht davon aus, dass jedem Menschen das Bedürfnis nach Rückhalt angeboren ist, dass wir alle uns ein Leben lang in Situationen der Verunsicherung und des Stresses Rückhalt bei geliebten Menschen suchen oder zumindest erhoffen und dass wir unsere Aufgaben in dieser Welt immer dann zu unserer Zufriedenheit erledigen können, wenn wir diesen Rückhalt, wenn es darauf ankommt, auch sicher haben.

 

Bedeutung der Befunde für Hilfsangebote/Therapie

 Dies bedeutet, dass vielen Betroffenen mit Tipps zur Haushaltsführung kaum wirklich geholfen sein dürfte.

Wenn das so wäre, ergäben sich durch die zahlreichen Tipps, die viele Messies im Internet zu Fragen der Reinlichkeit und Ordnung, zur Erledigung anstehender Aufgaben austauschen, auch ebenso zahlreiche Spontanheilungen vom Phänomen der Desorganisation. Dies ist meist nicht der Fall.

So erscheint es auf Grundlage der umfangreichen Untersuchung sehr, sehr wichtig, den Betroffenen dabei zu helfen, zuverlässige, enge emotionale Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.

Da keiner grundlos beschließt, sich aus diesen Kontakten zurückzuziehen, bedeutet dies sicherlich oft, dass dabei die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch genommen werden sollte, der sich auf die Herstellung einer solchen heilsamen Beziehung als Grundvoraussetzung einer guten Psychotherapie versteht. 

In dem Ausmaß, in dem es Betroffenen gelingt, sich wieder sicherer, geliebter, geschützter, getragener und unterstützter zu fühlen in dieser Welt und in dem sie wieder beginnen, an sich selbst und ihre Kompetenzen zu glauben, hier vielleicht auch wichtige neue Lernerfahrungen zu machen bereit sind, sollte das Phänomen der Unordnung sich auch leichter lösen lassen.

Dafür muss es aber erst in seiner Bedeutsamkeit entschlüsselt und durch andere Lebensinhalte überflüssig gemacht werden. Versuche, einfach eine Räumung durchzuführen, dürften an der engen emotionalen Bindung Betroffener zu ihren Besitztümern scheitern und gegebenenfalls, wenn unautorisierte Personen dies tun, massive Ängste auf Seiten der Betroffenen auslösen.

Es gäbe noch viel zu sagen. Dennoch habe ich nun hoffentlich einen ersten Eindruck dessen vermittelt, was sich mit Hilfe des Fragebogens untersuchen ließ. Wie gesagt, das muss nicht auf alle Messies zutreffen, insofern kann es durchaus sein, dass die individuelle Geschichte ganz anders aussieht als das, was sich aus den Daten der Gesamtgruppe ermitteln ließ.

Ich wünsche Ihnen allen auf Ihrem weiteren Weg alles Gute und hoffe, dass der Rest des Sommers viel Licht und Sonne in Ihr Leben bringen möge.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Anja Raskob

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