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Das Messie-Syndrom: Möglichkeiten und Grenzen professioneller

Begleitung durch die Soziale Arbeit

Eingereicht als Diplom- und Prüfungsarbeit für die staatliche Abschlussprüfung

Katholische Stiftungsfachhochschule München, Abteilung München

München, 31. März 2002

Verfasserin: Brunhilde Arlt

Betreuer: Prof. Dr. Heinrich-Andreas Gabriel

Summary

Die vorliegende Arbeit will einen Überblick über das Messie-Syndrom geben und die mögliche

Begleitung durch die Sozial Arbeit aufzeigen.

In der Einleitung wird das Ergebnis einer Kurzumfrage, unter Studierenden und Dozenten der

Katholischen Stiftungsfachhochschule München und einer vergleichbaren Anzahl Personen

aus der Münchner Bevölkerung zum Bekanntheitsgrad des Messie-Syndroms erläutert. Außerdem

werden die in der Arbeit zu behandelnden Fragestellungen genannt.

Ein kurzer geschichtlicher Exkurs zur Entstehung des Begriffs „Messie", die Beschreibung

der Symptome, wie auch die Beschreibung ähnlicher Erscheinungsformen mit Wohnungsunordnung

und dem Versuch gegenseitige Unterschiede herauszufinden werden im Kapitel 2

behandelt. Des weiteren wird auf mögliche Komorbiditäten hingewiesen, die ursächlich für

die Entstehung des Messie-Syndroms sein können.

Quellen, die das Grundlagenwissen ermöglichten und eine Auswertung der zum oben genannten

Thema vorhandenen Literatur, ebenso wie Literatur zum Vermüllungs-Syndrom, Diogenes-

Syndrom und zum Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, werden in Kapitel 3 aufgeführt.

Anhand von selbstrecherchierten Fällen gezeigt in Kapitel 4 gezeigt werden, dass es sehr

unterschiedliche Schweregrade der Erscheinungsformen der Desorganisation gibt. Im Anhang

sind Fotos zu den drei Wohnungen abgedruckt..

Einige aktuelle Theorien der Sozialen Arbeit werden in Kapitel 5 genannt und das Life-

Modell von Germain/Gitterman als Handlungskonzept vorgestellt. In Kapitel 6 werden die

drei Fälle diagnostiziert und auf mögliche Begleitung durch die Soziale Arbeit wird hingewiesen..

Kapitel 7 stellt Projekte vor, die Menschen mit Messieproblematik betreuen und nennt Möglichkeiten

und Grenzen einer Begleitung der Menschen mit Messie-Syndrom durch die Soziale

Arbeit.

In Kapitel 8 wird auf die Fragestellungen eingegangen.

3

Inhalt

1.1 Bekanntheitsgrad des Messie-Syndroms (eigene Erkenntnisse)

1.2 Fragestellung

2.1 Das Messie-Syndrom

2.1.1 Geschichte

2.1.2 Beschreibung der Symptome

2.2 Das Vermüllungs-Syndrom

2.3 Das Diogenes-Syndrom

2.4 Die Wohnungsverwahrlosung

2.5 Abschließende Betrachtung

2.5.1 Abgrenzung

2.5.2 Komorbidität

2.5.3 Folgerung

3.1 Erkenntnisse aus unterschiedlichen Quellen

3.2 Literaturrecherche

3.3 Literaturauswertung

4.1 Fall U

4.1.1 Angaben zur Person.

4.1.2 Wohnsituation

4.1.3 Persönlicher Eindruck

4.2 Fall F

4.2.1 Angaben zur Person

4.2.2 Wohnsituation

4.2.3 Persönlicher Eindruck

4.3 Fall W

4.3.1 Angaben zur Person

4.3.2 Wohnsituation.

4.3.3 Persönlicher Eindruck

4.4 Zusammenfassung

5.1 Allgemeines über Theorien der Sozialen Arbeit

5.2 Kurzdarstellung einzelner aktueller Theorieansätze, als Weiterentwicklung bereits vorhandener Theorien

5.3 Das „Life Modell" als ökologisches Handlungskonzept (Germain/Gitterman)

5.3.1 Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Umwelt

5.3.2 Stress als Belastung oder Herausforderung

5.3.3 Beziehungsfähigkeit, Kompetenz, Selbstwertgefühl und Selbststeuerung

5.3.4 Phasen des Hilfeprozesses .

Begleitung durch die Soziale Arbeit

6.1 Fall U

6.2 Fall F

6.3 Fall W

6.4 Zusammenfassende Betrachtung ...

Arbeit im Zusammenhang mit dem Wohnungschaos

7.1 Vorhandene Einrichtungen

7.1.1 H-Team – München

7.1.2 HERA – Stuttgart

7.2 Möglichkeiten der Sozialen Arbeit

7.2.1 Öffentlichkeitsarbeit

7.2.2 Ansiedlung der Dienste in Sozialbürgerhäusern

7.2.3 Selbsthilfegruppen

7.3 Grenzen der Sozialen Arbeit

7.4 Zusammenfassung

Vorwort

Seit einigen Jahren beobachte ich bei einem befreundeten Ehepaar dass es immer wieder zu erheblichen Spannungen in der Beziehung kommt, weil der Mann viele Dinge nach Hause bringt, die er zu schade zum Wegwerfen findet. „Das kann bestimmt noch mal jemand brauchen", ist eine oft gemachte Bemerkung. Dadurch wird die Wohnung, der Keller, der Speicher und ein Schuppen im Garten angefüllt mit Gegenständen und allmählich geht der Überblick verloren. Dieses Phänomen hat mich beschäftigt und durch Zufall stieß ich in einer Buchhandlung auf eine Veröffentlichung von Sandra Felton über „Messies". Im Anhang dieses Buches fand ich weitere Literaturangaben und Hinweise auf die Selbsthilfegruppen der Anonymen Messies Deutschland. Neugierig, ob ich hier Erklärungen für das Verhalten meines Freundes finden würde, ließ ich mir vom Verein „Anonyme Messies Deutschland" Informationen schicken und hatte die Idee, dass dies evtl. ein Arbeitsfeld für die Soziale Arbeit sein könnte. Das herauszufinden war die Motivation für mich eine Diplomarbeit über dieses Thema zu verfassen.

In Gesprächen mit Freunden, Studienkollegen und Verwandten erkannte ich schnell, dass das Sammeln und Aufheben und das „nicht Wegwerfen können" häufig vorkommt und dadurch das Wohnumfeld kontinuierlich in ein Chaos verwandelt wird. Bei mir selbst entdeckte ich ebenfalls diese Sammeltendenzen, hauptsächlich Bücher und Zeitungs-, Zeitschriftenartikel betreffend. Die Beschäftigung mit dem Thema führte dazu, dass ich in regelmäßigen Abständen Aussonderungsaktionen meiner Bücher- und Kleiderbestände vornahm und auch sonstigen „Krempel" aus Keller oder Speicher entsorgte. Waren ein paar Kartons mit Kleidung bei der Inneren Mission abgegeben, Bücher für den Bücherflohmarkt gespendet oder eine Autoladung auf den Sperrmüll gefahren, stellte sich Freude und Erleichterung ein.

Ich möchte mich bei den Menschen aus meinem Umfeld bedanken, die mich immer wieder auf Informationen (Zeitungsartikel, Veröffentlichungen, Fernsehsendungen) hinwiesen und mich in Gesprächen auf so manchen wertvollen Gedanken brachten. Besonderer Dank gilt den Betroffenen, die mir Einblick in ihr Leben und in ihre Wohnung gewährten und die Erlaubnis gaben ihre Geschichte und die Fotos (anonym) in dieser Arbeit zu verwerten. Besonders bei den Mitgliedern der Anonymen Messies in Berlin und Hannover möchte ich mich bedanken, weil sie sehr offen über ihre Problematik berichtet haben, mir in Interviews zur Verfügung standen und bereit waren, Zeit zu investieren, um mich mit Informationsschriften zu versorgen oder mir für längere telefonische Auskünfte zur Verfügung zu stehen. Meine Freundin Sabine hat mir seelischen Beistand geleistet, mich immer wieder aufgemuntert und Korrektur gelesen. Nicht vergessen möchte ich meine Familie, die mir bei Schwierigkeiten mit dem Computer beistand, Korrektur las und mich weitgehend von Haushaltspflichten entband. In dieser Arbeit wird aus Vereinfachungsgründen die männliche Form verwendet, die jedoch die weibliche Form impliziert, es sei denn, es handelt sich um Aussagen die ausschließlich Frauen betreffen.

Die Namen der selbstrecherchierten Fälle wurden geändert, und ebenso persönliche Angaben, die auf die Identität der Personen schließen lassen.

Die Bezeichnung Sozialarbeit impliziert immer auch Sozialpädagogik.

1 Einleitung

1.1 Bekanntheitsgrad des Messie-Syndroms (eigene Erkenntnisse)

In Gesprächen mit Studienkollegen, Freunden oder Bekannten stellte sich heraus, dass das Messie-Syndrom nur wenigen Menschen bekannt ist. Daraus entstand die Idee herauszufinden, wie viele Studenten und Dozenten der Sozialarbeit hierüber Kenntnisse haben und wie fachlich nicht versierte Menschen aus der Bevölkerung über Messies informiert sind. Es wurden 150 Studierende und zehn Dozenten der Katholischen Stiftungsfachhochschule München befragt und zum Vergleich 150 Passanten in der Münchner Fußgängerzone (zwischen Marienplatz und Karlsplatz).

Tabellarisches Ergebnis der Kurzumfrage Befragte Personen Gesamtzahl bekannt % nicht bekannt %

Studierende der KSFH 150 69 46 81 54

Dozenten der KSFH 10 6 60 4 40

Bevölkerung 150 38 25,4 112 74,6

0

20

40

60

bekannt in %

Grafische Darstellung des Bekanntheitsgrads

Studierende der KSFH

Dozenten der KSFH

Bevölkerung

Wie aus der oben abgebildeten Tabelle ersichtlich ist, war dem überwiegenden Teil der Dozenten und knapp der Hälfte der Studierenden die Problematik bekannt. In der Bevölkerung lag der Bekanntheitsgrad nur bei einem Viertel der Befragten, obwohl in den letzten zwei Jahren vermehrt durch Zeitungen und Fernsehdokumentationen darüber berichtet wurde. Bei weiterführenden Gesprächen stellte sich heraus, dass ca. 30% der befragten Personen im unmittelbaren Umfeld Menschen mit bedenklichem Wohnungschaos kannten. Selbst bei Ärzten,

Psychiatern (Dettmering 2000, S. 21) und Psychotherapeuten sind Informationen zu diesem Phänomen kaum vorhanden. Die Ergebnisse der Befragung geben zu Überlegungen Anlass, wie Menschen mit einer Messieproblematik besser erreicht werden können und welche fachliche Hilfe geleistet werden können. Die Dunkelziffer wird als hoch angenommen (Pastenaci in Dettmering 2000, S. 72; Snowdon 1987, S. 494). Die eigene Befragung bestätigt diese Vermutung.

1.2 Fragestellung

Fast jeder Mensch hat in seinem Leben einmal irgendetwas gesammelt: Briefmarken, Steine, Bilder, bestimmte Tiere oder ähnliches. Mancher hat es auf seinem Gebiet zum Spezialisten gebracht. Eine echte Sammlung erfordert eine systematische Ordnung, zu dieser Art Sammler gehören Messies jedoch nicht. Teilweise besteht die Meinung, dass Messies einfach nur „Schlamper" sind und zu faul Ordnung zu halten. So einfach lässt sich dieses Syndrom jedoch nicht erklären.

Im Rahmen dieser Arbeit soll eine Definition des Messie-Syndroms unter zu Hilfenahme nur spärlich vorhandener Literatur, Auskünften der Anonymen Messies Deutschland und eigener Fallrecherchen, vorgenommen werden. Weitere Fragestellungen sind, ob sich das Messie- Syndrom von ähnlichen Erscheinungsformen unterscheiden lässt und wie die Soziale Arbeit Menschen mit dem Messie-Syndrom professionell begleiten kann. Dabei sollen Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt werden.

2 Definition des Messie-Syndroms und Abgrenzung zu ähnlichen

Erscheinungsformen

2.1 Das Messie-Syndrom

2.1.1 Geschichte

Mess (engl.) bedeutet soviel wie Chaos, Unordnung, Durcheinander. Die verniedlichende Bezeichnung „Messie" wurde 1981 von der Amerikanerin Sandra Felton, einer Amerikanerin geprägt. Im selben Jahr gründete sie die erste Selbsthilfegruppe und ging an die Öffentlichkeit. Innerhalb kurzer Zeit meldeten sich in Leserbriefen 12.000 Menschen, die mit dem gleichen Problem zu kämpfen hatten. Eine Bewegung war geboren. Seitdem hat Felton acht Ratgeberbücher veröffentlicht und hält Vorträge, auch in Deutschland. Die Anonymen Messies (AM) die nach dem Muster der Anonymen Alkoholiker organisiert sind, bestehen in Deutschland seit Februar 1996. Inzwischen sind in Deutschland 50 Selbsthilfegruppen (Stand Dez. 2001) gegründet worden. Rund 6000 Menschen beziehen die Publikationen der AM. Die Geschäftsstelle wird vom Verlag, der die Bücher Sandra Feltons in Deutschland verlegt, aus Anteilen von Sandra Feltons Tantiemen in Deutschland und durch Spenden einzelner Messies finanziert. Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben.

2.1.2 Beschreibung der Symptome

Ein Messie ist eine Person, die mit der Organisation verschiedener Dinge erhebliche Probleme hat. Insbesondere in der häuslichen Umgebung zeichnet sich eine anwachsende Desorganisation ab, die von den betroffenen Personen in der Regel erst sehr spät wahrgenommen wird. Schwierigkeiten bestehen sowohl mit zeitlichen als auch mit räumlichen Strukturen. Häufig, jedoch nicht in jedem Fall, wird die Desorganisation noch durch eine Sammelwut verstärkt.

Dies wird von manchen der Betroffenen subjektiv als Zwang erlebt und ist immer mit einer Unfähigkeit zu ordnen oder wegzuwerfen verbunden. Die Betroffenen leiden unter den chaotischen Zuständen, schämen sich der sichtbaren räumlichen Desorganisation und beginnen sich sozial zu isolieren (Steins 2000, S. 266).

„Messies sind Menschen, deren Ordnung im Haushalt nicht dem entspricht, was in der Gesellschaft, in der sie leben, als annehmbar gilt und deren haushälterische Gewohnheiten ernste Beziehungs- und Funktionsprobleme hervorrufen" (Felton 1997,S. 12). Im Beruf können sie durchaus sehr gut Leistungen erzielen.

Beispiel: Ein Universitätsprofessor (Mitglied einer Selbsthilfegruppe), als Fachmann anerkannt,

konnte offensichtlich die Wohnumgebung nicht mehr ertragen. Er nahm sich das Leben. Die Feuerwehr

musste ihn durch das Fenster bergen, da es nicht möglich war die Wohnung durch die Tür

zu betreten. Die ganze Wohnung war vollgestellt. (Interview, Febr. 2001, J. AM, Berlin)

In allen Gesellschaftsschichten, bei Männern und Frauen unterschiedlichen Alters, sind Messies

zu finden. Das Ausmaß der Unordnung ist ganz unterschiedlich. Messies sind meist vielseitig,

kreativ und sozial engagiert. Was einmal als unkonventioneller Lebensstil begann, verselbständigt

sich und endet in kaum noch zu beherrschendem Chaos (Publikation AM, o. J.).

Benutzte Gegenstände werden nicht einem bestimmten Platz zugeordnet, sondern bleiben

liegen, wo sie benutzt wurden, oder werden im Vorbeigehen irgendwo abgelegt. Später sind

sie dann nicht mehr auffindbar und werden neu angeschafft, falls die finanzielle Lage dies

erlaubt.

Beispiel: M.S. ist Gymnasiallehrerin. Seit ihr Partner sie verlassen hat sammelt sie. Zeitweise unterliegt

sie einem richtigen Kaufzwang, kauft mehr Bücher an einem Tag als sie in einem Jahr lesen

kann. Sucht sie eine Tasse oder Schere, so kauft sie diese Dinge neu, da sie die in der Wohnung

befindlichen, unter den Stapeln welche die Wohnung bedecken, nicht mehr findet. Es ist nur

noch wenig Raum frei in der 100qm Wohnung. Das Bett ist nicht belegt und zum Waschbecken

kommt sie auch noch. Vor der Benutzung der Toilette muss sie erst einen Kleidungsstapel umschichten.

M.S. lebt in panischer Angst vor Entdeckung. Sie lässt niemanden in die Wohnung,

keine Kollegen, keine Nachbarn, nicht den Heizungsableser. (Stern Nr. 2, 5.01.2000)

Dinge werden liegengelassen, weil sie später besonders gut geordnet werden sollen. Papiere

(Rechnungen, Bankauszüge, Anträge, zu beantwortende Briefe, Zeitungsausschnitte, Zeitungen

usw.) werden gestapelt, um sich in Ruhe und gründlich damit zu beschäftigen. Es kommt

immer Neues hinzu und bald werden die wichtigsten Dinge nicht mehr gefunden, Zeugnisse

der Kinder, Scheidungsunterlagen und Geburtsurkunden (Fall Isabell, ORF-Sendung). Willkürliche,

manchmal stundenlange Suchaktionen, führen selten zum gewünschten Erfolg.

Frustration, Resignation, Selbstzweifel, Hoffnungslosigkeit („Ich schaffe es doch nie.") und

Angst verrückt zu sein, beeinträchtigen den Alltag. Tragisch ist es, wenn Partner oder Kinder

mit einem Messie zusammen leben, Trennung ist fast unausweichlich.

 

Beispiel: Margot, gelernte Hauswirtschafterin, bringt den Haushalt ihrer Arbeitgeber in Ordnung.

Das eigene Haus ist überfüllt mit angesammelten Sachen. Nichts wird weggeworfen, allenfalls

umgeschichtet. Die Familie, Mann und vier Kinder, haben das Haus verlassen. Die Kinder sind

beim Jugendamt vorstellig geworden, um aus dieser Umgebung wegzukommen. Margot ist in der

Selbsthilfegruppe der AM. Sie hat schon verschiedene Therapien und auch einen sechsmonatigen

stationären Aufenthalt in einer Therapieeinrichtung hinter sich. Nichts hat geholfen. Sie wünscht

eine Änderung, will selber nichts tun (kann nicht), aber auch Helfer lehnt sie ab. Am liebsten wäre

es ihr, wenn alles, wie von Zauberhand verschwunden wäre. (ORF-Sendung)

Sandra Felton (1998, S. 14-15) führt als Ursache für die Desorganisation folgende Kriterien auf:

wieder etwas neues begonnen. So sammeln sich zahlreiche unfertige, halberledigte

Aufgaben an und bleiben liegen.

sich und andere sind überzogen. Aus Unsicherheit und aus Angst Fehler zu machen

verliert sich der Messie in unwichtigen Einzelheiten und benötigt dadurch zu viel

Zeit. Der Perfektionismus führt zur Unentschlossenheit. Da es ja vielleicht noch bessere

Möglichkeiten gibt, fängt er gar nicht erst an und bleibt in der Planungsvorbereitung

stecken. Es türmen sich unerledigte Aufgaben.

nicht zielgerichtet organisieren und schon gar nicht danach handeln (s. Ablenkbarkeit).

Dadurch entstehen Stapel an Papieren (Zeitungen, Zeitungsausschnitten, Prospekten,

Rechnungen usw.) und auch andere Dinge liegen herum.

und kann diese nicht entsorgen aus Angst, damit auch die Erinnerung

auszulöschen.

werden, für sich oder auch für andere.

Hobbies, Projekte, Talente und Interessen.

Reiseprospekte, ein altes kaputtes Boot das noch mal repariert werden soll, Holzvorräte,

Stoffe, die einmal verarbeitet werden sollen.

Beispiel: Bei Familie P. quoll der Sammeltrieb über den Gartenzaun, die Garage und das Haus waren

voll. Herr P., ein geschickter Handwerker, Dreher, konnte alles gebrauchen, baute aus mehreren

Fahrrädern ein funktionsfähiges Rad, oder half bei Nachbarn mit seinen gesammelten Gegenständen

aus. Es gab nichts was er nicht hatte. Frau P. hielt das Chaos nicht mehr aus, ging an die

Öffentlichkeit, bat Nachbarn, ihre erwachsenen Kinder und die Behörden um Hilfe. Es wurden,

unter anderem, drei Container Fahrräder entsorgt und 54 Autoreifen. Herr P. verlor seine Lebensaufgabe,

wurde krank und musste stationär in die Nervenklinik eingeliefert werden. Die Kinder,

obwohl im gleichen Dorf lebend, haben keinen Kontakt mehr zu den Eltern. (Fernsehsendung 3SAT)

 

Die meisten Messies sind mit ihrem Leben unzufrieden, möchten etwas ändern, nehmen immer wieder Anläufe, beginnen zu ordnen und geben dann doch resigniert auf. Einschneidende Lebensereignisse (Trennung, Verlust, Krankheit, Arbeitslosigkeit) sind häufig Auslöser für das beginnende Chaos (Jüntschke 2001, S. 163, Dettmering/Pastenaci, 2000, S. 54). Stellvertretend für den Verlust eines Menschen wird die Leere mit Materiellem zu füllen versucht. Bei allen Messies ist ein mangelndes Selbstwertgefühl zu beobachten.

 

„Messies sind den Veränderungen anscheinend hilflos ausgeliefert, ihnen fehlt die Sicherheit und

das Vertrauen, sich auf äußere, nicht von ihnen beeinflussbare Ereignisse einstellen zu können. Ihnen

fehlt das Urvertrauen zur Welt und zu sich selbst und den eigenen Fähigkeiten. Das Erleben

von Unlust und Unsicherheit, nicht warten können, schnell zu verzagen, scheinen tiefliegende

Ängste vor Verlust von Zuneigung zu Grunde zu liegen. Das Zweifeln am eigenen Können und

Wollen sowie die Scham über das vermeintliche und wirkliche Versagen bei ganz simplen Tätigkeiten

im Haushalt, kann zum Entstehen eines starken Leistungsdrucks führen." (Gespräch, Bonigk-

Schulz, Jan.2002, FEM)

Ganz selten gibt es die fröhlichen Chaoten unter den Messies, die nichts an ihrem Leben ändern wollen und fest daran glauben, dass die fünf Fernseher, die Fahrräder vom Sperrmüll oder sonstige Dinge irgendwann noch einmal eine Verwendung finden werden.

 

Beispiel: Herr Hillmer ist Rentner, 63 Jahre alt. Verschwendung ist ihm ein Greuel. Er lebt in seinem

Haus zwischen Bergen von Zeitungen, Wanduhren, Dosen, Bratpfannen, Flaschen, Fotos und

Katalogen. Sein Garten ist voller Stühle, Leitern, Schubkarren und Tischen. Jeden Gegenstand hält

er für etwas Besonderes, das erhaltenswert ist. Er ist ein fröhlicher Alltagsphilosoph, ein „Retter"

der Dinge, die am Rande der Gesellschaft zurückbleiben. Zu seiner im Nebenhaus wohnenden

Schwester besteht seit Jahren kein Kontakt mehr. Von den Nachbarn wird er für nicht ganz normal

gehalten. Herr Hillmer fährt mit dem Fahrrad auf Sammeltour, macht auch mal einen Ausflug nach

Hamburg und besucht dort Veranstaltungen der Gewerkschaft oder geht auf Versammlungen anderer

Art. Auf sein Äußeres legt er ein besonderes Augenmerk. Nie geht er unrasiert und ohne

Krawatte aus dem Haus. (ARD-Sendung)

 

Beispiel: Tarzan, lebt im zweiten Stock eines Einfamilienhauses. Alles ist vollgestellt mit überfüllten

Regalen, zwischen denen gerade noch soviel Platz ist, dass er hindurchkommt. Alle seine

Schätze sind nach einem eigens ausgetüftelten Ordnungssystem sortiert und im Computer dokumentiert.

Sucht er eine bestimmte Zange, gibt er das in den PC ein und findet diese dann im sechsten

Obstkarton von links im dritten Regalfach von unten. Es stört ihn nicht, dass er selber keinen

Platz mehr hat. Er schläft unter einem Holzverschlag auf der Veranda, auch im Winter. Auf

Flohmärkten beschafft er Nachschub und ist sich sicher, dass er alles da hat, was er jemals brauchen

könnte. Seine Freundin bewohnt die unteren Räume. Tarzan macht einen fröhlichen und zufriedenen

Eindruck. (ORF 2 Sendung)

Die überwiegende Zahl der Messies lebt allein. Wenige leben mit einem Ehepartner, Freund oder Freundin zusammen. Frauen sind weit häufiger betroffen als Männer, besonders Alleinerziehende mit ein oder mehreren Kindern.

2.2 Das Vermüllungs-Syndrom

Nimmt die Ansammlung der Gegenstände, die in Plastiktüten, Schachteln und Kisten aufbewahrt werden, und sich gestapelt oder verstreut auf dem Boden befinden, ein Ausmaß an, dass die Funktionsfähigkeit der Wohnung nicht mehr gewährleistet, dann kippt die Situation in die Vermüllung um. Die Durchgänge zwischen dem zum Teil bis 1,50m hoch gestapelten Sammelgut und Müll sind nur noch sehr schmal. Es besteht Gefahr für den Bewohner der Wohnung von umkippendem Müll verschüttet, verletzt werden oder darüber fallen. Eingekaufte Lebensmittel, die irgendwo abgestellt und dann dort vergessen werden, verderben. Schimmelkulturen und Ungeziefer breiten sich aus. Es besteht Gesundheitsgefährdung für die Bewohner der Wohnung durch mangelnde Hygiene. Außerhalb der Wohnung wahrnehmbare Gerüche und Ungeziefer können Anlass für Beschwerden der Nachbarn oder des Vermieters sein.

Außerdem ist unter Umständen eine hohe Brandgefahr gegeben, da massenhaft Zeitungen und Papiere gestapelt werden - auch über oder neben Herdplatten. In Einzelfällen kann durch das hohe Gewicht der Bücher und anderer Papiere die Statik der tragenden Decke beeinträchtigt werden, mit der Gefahr des Durchbrechens. Beim Vermüllungs-Syndrom werden nicht nur Dinge nicht ausgesondert bzw. entsorgt, sondern die Betroffenen sammeln den anfallenden Müll in großen Säcken und bringen in einzelnen Fällen auch noch von außen Müll in die Wohnung. Rein äußerlich sind die Menschen meist noch unauffällig. Sie entwickeln eine ausgeklügelte Taktik ihre Wohnsituation zu verheimlichen. Bei unvermeidlichen Besuchen, wie Familienfeiern (etwa Kommunion), wird ein Zimmer aufgeräumt und alles in die anderen Räume „gestopft". So bleibt der Zustand lange unentdeckt.

Beispiel: Die Eltern trennten sich als Vera vier Jahre alt war. Die Mutter begann nichts mehr wegzuwerfen.

Gebrauchte Papiertaschentücher, leere und halbgefüllte Lebensmitteldosen, Pizzakartons,

Kleidung; einfach alles wurde liegengelassen oder der besseren Stapelbarkeit wegen in großen

Müllsäcken verstaut. Bis zum 12. Lebensjahr lebte Vera im Müll. Sie versuchte die Mutter

immer wieder zu bewegen aufzuräumen. Es geschah nichts. Vera holte sich endlich Hilfe bei einer

Schwester der Mutter. Diese fiel aus allen Wolken, als ihr gewahr wurde, wie die Nichte jahrelang

gelebt hatte. Heimlich, während die Mutter arbeitete, räumten sie 47 Müllsäcke aus dem 16qm

großen Kinderzimmer. Ein neues Schloss wurde angebracht und Vera lebte erstmals in einem aufgeräumten

Raum. Die Mutter gebärdete sich als seien Schätze verloren gegangen. Vera zog bald

darauf zu ihrer kinderlosen Tante. Als erwachsene Frau kämpft Vera noch mit dem Trauma ihrer

Kindheit. Sie hat Alpträume, steht nachts auf und putzt die Wohnung, obwohl diese sauber ist. Eine

Therapie war bislang nicht erfolgreich. Vera schreibt ihre Erlebnisse auf und gibt sie als Buch

heraus, um so die schreckliche Kindheit zu verarbeiten. Der Kontakt zur Mutter, die in einem

Pflegeheim lebt, ist abgebrochen. Sie war in der Wohnung über den Müll gestürzt und hatte sich

schwere Kopfverletzungen zugezogen. Eine Verständigung mit ihr ist nicht mehr möglich. (König,

2000)

Dettmering zieht zur Erklärung des Vermüllungs-Syndroms die Psychoanalyse heran. Es scheint, als sei den Menschen die Fähigkeit abhanden gekommen, wertvoll und wertlos, brauchbar und unbrauchbar zu trennen (Dettmering, 2000, S. 24). Zwei Patientengruppen sind hierbei zu unterscheiden, Patienten jenseits der Fünfzig, die nicht über den Verlust des Partners hinwegkommen (trifft vereinzelt auch auf Jüngere zu), und Patienten zwischen Zwanzig und Dreißig, die sich zu früh vom Elternhaus getrennt haben. Letztere sind mit der Haushaltsführung und Ordnung ihres Lebens überfordert (ebd. 2000, S. 25). Bei beiden Patientengruppen kann die Anhäufung von Müll Ausdruck einer nicht verarbeiteten Trauer oder Trennung sein. Das innere Chaos findet gewissermaßen seine Entsprechung nach außen.

2.3 Das Diogenes-Syndrom

Das Diogenes-Syndrom wurde hauptsächlich von angelsächsischen Autoren (Clark, Maniker, Gray, 1975 in Klosterkötter 1985, S.429) beschrieben. Klosterkötter und Peter haben es aufgegriffen. Es handelt sich hierbei um Menschen, die durch Sammeln und Horten ihre Wohnung unbewohnbar machen. Müll wird nicht entsorgt. Die Pflege des eigenen Körpers (Waschen, Kleidung) wird schamlos vernachlässigt. Ein besonderes Misstrauen gegenüber den Mitmenschen wird zum Ausdruck gebracht, selbst Freunde haben kaum noch Zugang zu ihnen. Angebotene Hilfen werden strikt abgelehnt (ebd. S. 433). Wird die Lebensgeschichte zurückverfolgt ergibt sich das Bild sehr selbständiger Menschen, die unabhängig von den Verhaltenserwartungen der Umgebung einen eigenständigen Lebensstil verfolgten und durchgesetzt haben (ebd. S. 428). Der Tod eines Lebenspartners wurde bei einer Untersuchung (Stransky 1911, ebd. S. 428) als Auslösefaktor herausgefunden. Personen mit psychischen Grunderkrankungen wurden von der Studie ausgeschlossen. Eine Häufung des Syndroms ergab sich beim weiblichen Geschlecht. Die überwiegende Manifestation lag jenseits des 60. Lebensjahres, bereits primärpersönliche Selbstisolationstendenzen waren vorhanden. (ebd. S. 429) Es wird jedoch ein eigenwilliger Lebensstil aufgrund soziokultureller Verweigerungshaltung bezweifelt (ebd., S. 429). „Die soziokulturelle Totalverweigerung erweist sich als eine persönlichkeitsfundierte abnorme Erlebnisreaktive Entwicklung..." (ebd. S. 434).

In der Beschreibung des Lebens des Diogenes von Sinope (Steinmann 1999) ist nachzulesen, dass dieser sein äußeres Erscheinungsbild vernachlässigt hat. Als Schlafplatz dienten ihm Tempel und Säulenhallen und auch die Tonne im Metroon1. Er lebte nicht zurückgezogen, sondern in der Öffentlichkeit. Er vertrat die Philosophie der Kyniker2. Sie strebten nach Unabhängigkeit von allen materiellen Dingen und lebten in Armut. Diogenes provozierte durch Taten und Worte und stellte sich außerhalb der gesellschaftlichen Normen. Seine besondere Lebensform „... und seine schamlose Bloßlegung der menschlichen Bedürfnisnatur dienten der provokatorischen Demonstration eines philosophischen Freiheitsbildes" (Sloterdijk 1983 in Klosterkötter u. Peters 1985, S. 430). Nach dieser Beschreibung des Diogenes von Sinope kann die Bezeichnung „Diogenes-Syndrom" für Menschen mit obengenannter Lebensform, selbst wenn sie nicht gesellschaftlichen Normen entsprechen, als nicht zutreffend erkannt werden. Die für die Bezeichnung des Syndroms zu Grunde gelegten Symptome sind nicht

1 Hier handelt es sich nicht um ein Holzfass, sondern um eine geräumige Amphore.

2 Die Anhänger dieser Schule wurden wegen ihrer Bedürfnislosigkeit und ihrer gewollten Armut, dann wegen

ihrer Art, die Leute rücksichtslos anzufallen, um ihnen ihre Lehre zu predigen mit den Hunden verglichen.

identisch mit denen des Diogenes von Sinope. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass Diogenes bewusst seine philosophischen Ansichten in der Öffentlichkeit lebte. Menschen, die dem Diogenessyndrom zugerechnet werden, leben isoliert und zurückgezogen. Der Verfall des Wohnumfeldes und die persönliche Verwahrlosung resultieren aus einer Lähmung und Erstarrung.

Beispiel: „Sie nehme etwa den Besen in die Hand und stelle ihn dann unverrichteter Dinge wieder

hin, ohne sich darüber Rechenschaft abgeben zu können, warum. Wenn sie leide dann eben unter

dieser „unmöglichen Lähmung", deren Anblick doch niemanden zumutbar sei" (Klosterkötter 1985, S. 431).

2.4 Die Wohnungsverwahrlosung

Die Bezeichnung „Wohnungsverwahrlosung" kann lediglich als ein Überbegriff für die vorgenannten Erscheinungsformen verstanden werden. Es handelt sich nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild, sondern um ein Symptom, das bei verschiedenen Erkrankungen (physisch/ psychisch) vorkommt und das den Zustand des Lebensumfeldes, Wohnung, bezeichnet. Dieser Zustand entspricht nicht mehr gesellschaftlich anerkannten Maßstäben (Lindstedt 2000, S. 4). Diese Maßstäbe sind allerdings schwer festzuschreiben, denn was für den Einen noch „gemütlich" ist, kann für den Anderen schon unerträglich sein. Aus diesem Grund wird von den Institutionen (Gesundheitsamt, Sozialamt, Gericht) auch nur dann eingegriffen, wenn Gefahr droht (Wohnungsverlust, Gesundheitsgefährdung, Brandgefahr oder Gefährdung Dritter durch Ungeziefer oder Geruchsbelästigung).

2.5 Abschließende Betrachtung

2.5.1 Abgrenzung

Messies sind Menschen mit einem Desorganisationsproblem, das sich hauptsächlich im Wohnumfeld auswirkt. Im Unterschied zu ähnlichen Zuständen, nehmen Messies in der Regel noch bewusst wahr, dass ihre Wohnsituation und somit ihr Leben nicht in Ordnung ist. Ein mehr oder minder großer Leidensdruck und der Wunsch nach Änderung sind vorhanden. Aus eigenem Antrieb werden sie dieser Situation nicht mehr Herr. Der Versuch Ordnung herzustellen und eine Struktur in das täglich Geschehen zu bekommen scheitert daran, dass zu viel auf einmal in Angriff genommen wird, statt mit einem Teilbereich zu beginnen. Der Anspruch an die eigenen Fähigkeiten ist überhöht (Perfektionismus). Schnell kehrt der alte Zustand zurück und nimmt im Laufe der Jahre zu. Die Scham ist groß und zumeist ziehen sich Betroffene zurück, und halten nur noch außerhalb der Wohnung Kontakte aufrecht, d.h. ihre Wohnung ist niemandem zugänglich. Ihre Lebenssituation bleibt lange unbemerkt, da ihr persönliches Erscheinungsbild, bis auf wenige Ausnahmen, unauffällig ist. Wird der Leidensdruck zu groß und gibt es Erfahrungen, dass andere Menschen ebenfalls mit dem Problem einer unordentlichen Wohnung zu kämpfen haben (z. B. aus Zeitungen, Fernsehberichten, Büchern), suchen Messies Hilfe. Die Messie Selbsthilfegruppen in Deutschland werden immer zahlreicher. Seltener werden Sozialarbeiter, Ärzte oder Psychologen aufgesucht. Wenige Messies haben es bisher allein geschafft ihr Wohnumfeld so zu gestalten, dass es für sie befriedigend ist. Es besteht die Gefahr, dass die Wohnung des Messies in den Zustand der Vermüllung übergeht. Das Erscheinungsbild der Vermüllung ist ähnlich, jedoch wehren sich diese Menschen gegen jegliche Hilfe. Jede Veränderung kommt einer Katastrophe gleich. Eine Krankheitseinsicht ist selten vorhanden. Meist sind es Nachbarn, die Familie oder auch der Vermieter, die sich an öffentliche Stellen wenden. Diese schreiten in der Regel erst dann ein, wenn Gefahr für Leib und Leben des Betroffenen oder gar Dritter droht. Die Menschen sind den Ämtern oft schon seit längerer Zeit bekannt, bevor es zu Interventionen kommt. Am Ende steht eine Entmüllung der Wohnung und die zeitweise Einweisung der Betroffenen in die Psychiatrie. Nicht selten werden die Menschen, da keine psychiatrische Diagnose gestellt werden kann, in die Obdachlosigkeit entlassen, wenn ihnen zwischenzeitlich die Wohnung gekündigt wurde (Dettmering, 2000, S. 26). Eine partielle Geschäftsunfähigkeit kann in vielen Fällen bei einer vermüllten Wohnung angenommen werden (Dettmering, 2000, S. 26) und erfordert deshalb Betreuung.

2.5.2 Komorbidität

In Verbindung mit dem Messie-Syndrom können andere Krankheitsbilder stehen. Es ist nicht immer klar zu diagnostizieren, ob zuerst das Messie-Syndrom vorhanden war und etwa dadurch z. B. eine Depression entstanden ist, oder umgekehrt. Beides kann vorkommen. Ebenso verhält es sich bei Substanzabhängigkeit. So fing etwa die Mutter von Vera König (siehe Beispiel Kapitel 2.2) erst als die Tochter ausgezogen war an zu trinken. In der letzten Wohnung wurden ganze Ansammlungen von leeren Flaschen gefunden (Schrepp 2000, S. 11). Angststörungen,

Persönlichkeitsstörungen und andere psychische Störungen können vorliegen. Im Folgenden werden in Kurzform einige Krankheitsbilder dargestellt. Eine ausführliche Beschreibung würde über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen.

Psychische Erkrankungen:

und kognitiver Phänomene, bei denen der Konsum einer Substanz oder einer Substanzklasse

für die betroffene Person Vorrang hat gegenüber anderen Verhaltensweisen,

die von ihr früher höher bewertet wurden. Ein entscheidendes Charakteristikum

der Abhängigkeit ist der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch, psychotrope

Substanzen oder Medikamente (ärztlich verordnet oder nicht), Alkohol oder Tabak

zu konsumieren". (ICD –10, S. 92)

Unbehagen, Freudlosigkeit, auf. Das Selbstkonzept weist sich in der Überzeugung

der eigenen Unzulänglichkeit und Wertlosigkeit und in niederer Selbstachtung aus.

Eine Neigung zu Schuldgefühlen und Gewissensbissen ist vorhanden. Eine negative

und kritische, verurteilende Haltung gegenüber anderen aber auch eine kritische anklagende

und herabsetzende Haltung gegen sich selbst ist zu beobachten. Eine pessimistische

Tendenz und die Veranlagung zum Grübeln und sich Sorgen zu machen

sind kennzeichnend (DSM IV, S. 823). Die Depression kann chronisch über einen

längeren Zeitraum verlaufen oder in Episoden auftreten.

mit Details, Regeln, Ordnungen, Perfektionismus, der die Fertigstellung von Aufgaben

verhindert, Eigensinn, Bestehen auf Unterordnung anderer unter die eigenen

Gewohnheiten, Vernachlässigung von Vergnügungen und zwischenmenschlichen Beziehungen,

prägen diese Personen (ICD 10, 2000, S. 231).

sind oft das eigene Selbstbild, Ziele und innere Präferenzen unklar und gestört. Meist

besteht ein chronisches Gefühl innerer Leere. Die Neigung zu intensiven aber unbeständigen

Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen führen mit übermäßigen

Anstrengungen, nicht verlassen zu werden (ICD 10 V, 2000, S. 230). Weitere

Kriterien sind unangemessene, heftige Wutausbrüche, Impulsivität in mindestens

zwei selbstschädigenden Bereichen (Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch,

rücksichtsloses Fahren, „Fressanfälle"), Stimmungsschwankungen und Suiziddrohungen.

(DSM-IV, 1996. S. 739)

Freude. Distanziertheit gegenüber Mitmenschen, Mangel an Freunden und vertrauensvollen

Beziehungen, Einzelgängertum, mangelnde Sensibilität gegenüber gesellschaftlichen

Regeln und anscheinende Gleichgültigkeit gegenüber Lob und Kritik

sind auffällige Merkmale (ICD-10, 2000, S. 228).

Bei einer Anzahl von Messies liegt eine ADHS/D (Attention Deficit Hyperactivity Syndrome/

Disorder) oder ADS/D (Attention Deficit Syndrome/Disorder) vor. Im Deutschen Sprachgebrauch

wird auch der Begriff ADS mit oder ohne Hyperaktivität verwendet. Im ICD 10,

F90 wird dieses Krankheitsbild unter hyperkinetischen Störungen aufgeführt. Bei Erwachsenen

wird die Diagnose selten gestellt, da immer noch die Meinung weit verbreitet ist, dass

sich dieses Krankheitsbild nach der Pubertät auswächst. Auf Seite der Fachleute, Psychiater

und Neurologen für Erwachsene fehlen ausreichende Kenntnisse. Einige Kinderpsychiater

und Kinderpsychotherapeuten stellten während der Arbeit fest, dass auch Eltern, bzw. nahe

Verwandte von Kindern mit ADS betroffen sind. In einer Broschüre über ADHS bei Erwachsenen

werden Zusammenhänge zur Messiesymptomatik aufgezeigt (Wolff, o. J., S. 24). Auch

Neuhaus fand bei ihrer Arbeit mit Kindern und deren Eltern heraus, dass einige Patienten mit

Messiesymptomatik auftraten (Neuhaus, o. J., o. S.). Die Ähnlichkeiten des ADS mit den

Symptomen und dem subjektiven Erleben der Patienten mit Messie-Syndrom sind bemerkenswert

(Wolff, o. J., S. 24/25 u. S. 44-50). Diese Überlappung der Symptome wurde ebenfalls

von Solden dargestellt (Solden 1999, S. 31, S. 72 –76). Der Zwangsexsperte Randy O.

Frost hat bei Menschen mit Hoarding-Problemen (Horten, Sammeln) Symptome beobachtet,

die mit ADS in Verbindung gebracht werden können (Frost 2001, S. 32/33). In einer ihrer

Veröffentlichungen nennen Krause/Krause/Trott (Krause/Krause/Trott 1998, S. 545-547) als

herausragende Symptome, auch im Erwachsenenalter:

2.5.3 Folgerung

Für eine differenzierte Vorgehensweise bei Menschen mit Messie-Syndrom ist es unabdingbar, mögliche Neben- bzw. Grunderkrankungen in Betracht zu ziehen. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten, Therapeuten und Sozialarbeitern kann das Bestmögliche für die Klienten/Patienten bewirkt werden.

3 Literaturübersicht

Im Folgenden wird eine Übersicht über den Stand der Forschung zum Thema „Messie- Syndrom" und eine Einführung in die damit in engem Zusammenhang stehenden oder sich überschneidenden Forschungsgegenständen (Vermüllungs-Syndrom, Diogenes-Syndrom, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) gegeben.

3.1 Erkenntnisse aus unterschiedlichen Quellen

In Zeitschriften (Spiegel, Psychologie Heute, Mieterzeitung und Tageszeitungen) wurden in den letzten Jahren immer wieder Aufsätze veröffentlicht und es gab etliche Fernsehreportagen. Auf den ein oder anderen dort geschilderten Fall wird Bezug genommen, um die sehr unterschiedlichen Erscheinungsbilder und die dadurch entstehende Problematik aufzuzeigen. Die AM Deutschland wurden 1996 gegründet. Anstoß dazu war eine Tagung in Cuxhaven, die unter dem Motto „So bringen Sie Ordnung in ihr Leben" stand. Sandra Felton war die Referentin. Regelmäßig erscheint eine Mitgliederzeitung der AM in der auf neuere Literatur, Selbsthilfegruppen, Fortbildungsmöglichkeiten und Veranstaltungen hingewiesen wird. Ebenso berichten Messies über Fortschritte bei der Behebung ihres Wohnungschaos. Durch einen Besuch der AM-Zentrale in Berlin ergab sich die Gelegenheit eines eineinhalbstündigen Gespräches mit einem der Vorstandsvorsitzenden. Dieses Gespräch lieferte wertvolle Informationen, um die Handlungsweise, bzw. Untätigkeit eines Messies zu verstehen. Adressen und Telefonnummern von Autoren und Referenten, Ärzten, oder Psychologen konnten dort ebenfalls in Erfahrung gebracht werden. So gelang es Quellenangaben zu Recherchieren und Fachauskünfte zu erhalten.

3.2 Literaturrecherche

Die Suche nach wissenschaftlicher Literatur zum Thema Messies gestaltete sich schwierig. Letztlich gibt es nur eine wissenschaftliche Arbeit von Frau Dr. Steins, Uni Bielefeld, die in der Zeitschrift für Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie veröffentlicht wurde. Zu den in Kapitel 2 genannten Syndromen (Vermüllungs-Syndrom, Diogenes-Syndrom und Wohnungsverwahrlosung), die sich ebenso in einer chaotischen Wohnumgebung zeigen, gibt es wesentlich mehr Literatur. Diese Untersuchungen basieren jedoch selten auf umfangreichen Feldstudien, sondern beschränken sich auf wenige Kasuistiken (Klosterkötter und Peters (2) 1985; Guindon (5 ) 1996, Pasternaci (30 ) 2000, Clark/Maniker (40) 1975).

3.3 Literaturauswertung

G. Steins führte im Jahr 2000 zwei Studien durch, um die „Desorganisationsproblematik" zu erklären und um herauszufinden, was sich hinter dem Phänomen „Messie" verbirgt. Es wurden 500 Fragebogen an Messie-Selbsthilfegruppen verteilt. Der Rücklauf bezifferte sich auf 142 Fragebogen. An eine Vergleichsgruppe, überwiegend Studierende der Uni Bielefeld, wurden 40 Fragebogen verteilt.

Steins stellt das Messie-Syndrom als eine Desorganisationsproblematik hauptsächlich im häuslichen Bereich dar, die von den betroffenen Personen relativ spät registriert wird. Die Desorganisation kann sowohl die räumliche wie die zeitliche Struktur betreffen und geht häufig mit einer intensiven Sammelwut einher. Diese wird von manchen Betroffenen als Zwang erlebt und ist immer mit der Unfähigkeit das Gesammelte zu ordnen oder wegzuschmeißen kombiniert.

Steins nimmt Bezug auf den bisherigen Forschungsstand, bei dem sich Parallelen zu Personen finden, die unter Zwängen leiden, ebenso wie zu Personen mit dem Diogenes-Syndrom (Klosterkötter & Peters) oder mit Attention-Deficit-Syndrom (ADD; Hallowell & Ratey). Als Ergebnis der ersten Studie zeigte sich, dass keine Merkmale gefunden wurden, die eine eindeutige Klassifizierung der Personen mit Desorganisationsproblemen zulassen. Es sind alle Altersstufen vertreten, und die Personen stammen aus heterogenen Berufen und leben in allen möglichen Beziehungsformen. Es wird in Frage gestellt, ob Messies immer an äußerem Chaos zu erkennen sind. Häufiger als die Befragten der Kontrollgruppe neigen Messies zum Sammeln und Horten. Ihnen fällt besonders die Strukturierung von Aufgaben in Raum und Zeit schwer. Die Problematik besteht überwiegend im privaten Raum, was wohl daran liegt, dass am Arbeitsplatz Strukturen eher vorgegeben sind. Es gibt allerdings Unterschiede zwischen Selbständigen und Personen in leitenden Stellungen und Arbeitnehmern, die weisungsgebunden sind. Am Arbeitsplatz können auch drohende Sanktionen der Grund für weniger Desorganisation sein. Sanktionen im privaten Bereich sind nicht so bedrohlich, wenn auch unangenehm (beispielsweise durch ständig verärgerte Partner). Laut Studie können über den Verlauf des Messieseins keine Aussagen getroffen werden. Es stellt sich nur heraus, dass ein chronischer Verlauf die Regel ist und eine Verbesserung nicht von selbst eintritt. Über Auswirkungen von Kindheitserfahrungen gibt es keine Erkenntnisse, da auch nur minimale Informationen hierüber erhoben wurden. Auffällig ist eine Komorbidität mit Depression, Essstörungen, Angststörungen und Problemen mit Suchtmitteln. Es kann jedoch nicht geklärt werden, ob es sich hierbei um eine Primär- oder Sekundärproblematik handelt.

Die Zweite Studie steht als Versuch, bestimmte Aspekte der Komorbidität herauszuarbeiten. Es wurden hierzu noch andere Stichproben hinzugezogen als die Vergleichsgruppe der vorhergegangenen Studie. Es sollte speziell das Auftreten einer Depression und einer Essstörungsproblematik überprüft werden.

Die Ergebnisse der zweiten Studie zeigen ein erhöhtes Vorkommen von Depressionen bei den Messies und bei der Frage nach sozialer Erwünschtheit ein vergleichbares Antwortverhalten wie bei annorektischen und bulemischen Frauen. Obwohl bei dieser Stichprobe das Verhältnis von Männern und Frauen fast ausgeglichen ist, gibt es hinsichtlich der vorgenannten Ergebnisse keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.

In der generellen Diskussion wird festgestellt, dass das Messiesein gekennzeichnet ist durch Probleme der Organisation von Zeit und Raum, welche durch das Sammeln und Horten verstärkt werden können, aber nicht müssen. Insbesondere ist der private Bereich betroffen. Es scheint ein chronisches Leiden zu sein, das sich über einen längeren Zeitraum hinzieht. Als Entstehung wird ein Alter zwischen 4. und 30igsten Lebensjahr festgestellt. Das Risiko für weitere psychische Störungen, insbesondere Depressionen, Essstörungen, Angst und Zwänge ist vorhanden. Als Zwangserkrankung kann das Messiesein jedoch nicht charakterisiert werden, da der Zwangserkrankung typisch zuzuordnende Rituale (Waschzwang, Kontrollzwang, Zwangsgedanken) fehlen.

P. Dettmering und R. Pastenaci beschreiben das Vermüllungs-Syndrom. Dettmering gewann in langjähriger Praxis als Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes in Berlin einen umfassenden Einblick in die Problematik. Im Gegensatz zu bisherigen Veröffentlichungen über dieses Thema (überwiegend aus dem englischsprachigen Raum), die das Phänomen bei Menschen ab dem 60igsten Lebensjahr beschreiben, stellt Dettmering fest, dass es zwei Patientengruppen gibt: ältere Patienten über 50, die den Verlust des Partners nicht verkraften, und junge Patienten zwischen 20 und 30, die sich zu früh (z.B. aus Protest gegen das Elternhaus) verselbstständigt haben.

Dettmering hat während seiner Arbeit drei Wohnungstypen vorgefunden:

Ordnungsschema über die ganze Wohnung (auch über zwei Wohnungen oder ein

Haus, oder Grundstück) verteilt sind. Es gibt häufig nur noch schmale Gänge zwischen

aufgetürmten Zeitungen, Kartons, Pappbechern und Plastiktüten.

besaßen: Sie gleichen Müllhalden. Berge von Müll überdecken die

Wohnungseinrichtung. Nicht selten nächtigen die Wohnungsinhaber im Freien oder

im Treppenhaus. Dies ist dann Anlass einer psychiatrischen Intervention.

nicht mehr funktionieren. Exkremente und Urin werden in Behältern gesammelt und

stehen herum. Verdorbene Speisereste fristen ihr Dasein in Plastiktüten und nicht selten

gibt es Ungeziefer (Maden, Fliegen, Mäuse). Diese Wohnungen sind fast nicht

mehr zu betreten. Den Bewohnern scheint jegliche Fähigkeit, Ekelerregendes wahrzunehmen,

abhanden gekommen zu sein. Drei Patienten lebten neben verstorbenen

Familienangehörigen weiter, die nur mit einer Decke verhüllt waren. Im Rahmen einer behördlichen

 Intervention (Beschwerden von Nachbarn oder Hausbesitzern)

stoßen die Mitarbeiter des extramuralen psychiatrischen Dienstes auf solche Wohnungen. Die

Wohnungsinhaber sind meist unauffällig. Bei älteren Patienten ist eine kaum bemerkbare

hirnorganische Symptomatik, bei jüngeren Patienten ein diskret alternativer Einschlag zu erkennen.

Klinikpsychiater reagieren oft empört, wenn diese Menschen durch Zwangseinweisung

in die Klinik gebracht werden. Sie empfinden die Einweisung als „schreiendes Unrecht".

Bekommen sie jedoch Einblick in die Wohnungssituation neigen sie dazu mindestens eine

Schizophrenie zu bescheinigen. Psychiatrische Erkrankungen sind selten festzustellen. Deshalb

werden diese Menschen vorschnell wieder in die Selbstverantwortung entlassen. Mancher

von ihnen endet in der Obdachlosigkeit, weil der Vermieter die Wohnung kündigt.

Dettmering 

schlägt vor, für die Entrümpelung der Wohnung eine Betreuung einzurichten, ein Sozialarbeiter

sollte für die Interessensvertretung des Patienten bereitstehen. Er sollte versuchen

 

das Vertrauen des Patienten zu gewinnen, was leichter gelingt, wenn er mit der Räumung der

Wohnung nicht direkt zu tun hat. Beim Patienten liegt eine partielle Geschäftsunfähigkeit vor,

die leider selten erkannt wird.

„Selbsthilfegruppen werden verharmlosend „Messie-Gruppen genannt" (Dettmering, 2000, S.13). Sie erfassen jedoch nicht die schweren Fälle. Dettmering bezweifelt, dass die schweren Fälle mit Therapieangeboten erreicht werden können und dass auf Zwangsmaßnahmen verzichtet werden kann.

R. Pastenaci stellt anhand von 30 Fällen das Vermüllungs-Syndrom dar und diskutiert es aufgrund der bearbeiteten Literatur und einer eigenen. Eine Annäherung an das Phänomen „Vermüllung" findet durch vier Thesen und den diesen zugeordneten Fallbeispielen statt:

These 1: Das Vermüllungs-Syndrom stellt eine Reaktion auf ein Trauma dar. Das

Syndrom besteht in einer Veräußerlichung des inneren Zustandes nach der Traumatisierung.

Aus diesem Grunde ist die Vermüllung nicht lediglich eine Form der Verwahrlosung,

sondern stellt ein psychiatrisch relevantes Krankheitsbild dar (Syndrom).

These 2: Bei dem Vermüllungs-Syndrom kann zwischen verschiedenen Vermüllungstypen

unterschieden werden.

These 3: Das Vermüllungs-Syndrom kann bei älteren und jüngeren Menschen gleichermaßen

angetroffen werden.

These 4: Das Syndrombild kann die Diagnosestellung verändern bzw. erweitern. Es

ist sehr wichtig, den reaktiven Anteil an der Entstehung dieses Syndroms auch hinsichtlich

möglicher Therapiemaßnahmen näher herauszuarbeiten. Bezüglich der Neurotiker

ist zu vermuten, dass kaum jemand sich einer Behandlung stellt. Daher ist eine

hohe Dunkelziffer zu vermuten.

Die Thesen werden mittels der in der Literaturübersicht gewonnenen Erkenntnisse und der Auswertung der Untersuchung diskutiert. Die Aussage der These 1 findet Pastenaci bestätigt und stellt als charakteristisch für die Erkrankung drei Merkmale fest: Soziale Isolierung, Müll als Entlastung von seelischer Problematik und Panikreaktionen bei Entmüllung. Auch die Annahme verschiedener Vermüllungstypen in These 2 wird bestätigt und weist Parallelen zu Dettmerings Einteilung der drei Wohnungstypen auf. These 3 wird durch die Darstellung einer Tabelle (Häufigkeit der Vermüllungsproblematik in verschiedenen Alterstufen bei 16 Probanden der Untersuchung) verifiziert. Die in These 4 gemachte Aussage wird durch zwei Fallbeispiele bestätigt. Durch den chronischen Verlauf und eine ständige Zunahme der in der Wohnung gestapelten Gegenstände bis hin zur Unbewohnbarkeit kann es auch zu einer Änderung der Diagnosestellung kommen. Die Vermutung, dass in Bezug auf die Neurotiker eine hohe Dunkelziffer besteht, wird aufrecht erhalten.

Bei einigen Patienten wurden psychiatrische Diagnosen gestellt, welche die Vermüllung begünstigten oder auch als ursächlich angesehen werden. Es gab einen Fall einer Zwangsneurose und eine endogene Depression. Gemeinsamkeiten und Abgrenzungen zwischen Zwangssyndrom, Sammeltrieb, Sammelsucht und Verwahrlosungen werden herausgearbeitet. Für zukünftige Forschungsprojekte wäre es von Bedeutung, die Erfassung der Dunkelziffer zu erreichen. Dies kann dadurch geschehen, dass aufmerksame Hausärzte frühzeitig Kenntnis über eine sich anbahnende Vermüllung erhalten. Vor allem bei neurotischen Patienten, die zum Teil noch ein intaktes Leben führen, kann durch Hinzuziehung von therapeutisch arbeitenden Kollegen präventiv eingewirkt werden. Nicht nur biographische Ereignisse oder Traumata sind ursächlich für das Vermüllen, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen. Im 20. Jahrhundert hat wahrscheinlich das Vermüllungs- Syndrom zugenommen. Dass die Reaktion verschiedener Patienten auf individuelle Traumata nicht eine Depression ist, sondern eine Vermüllungsproblematik, hält Pastenaci für eine gesellschaftlich determinierte Tatsache.

Im Nachwort weist Pastenaci auf Bemühungen von Betroffenen hin, die sich mit dem Krankheitsbild auseinander setzen. Die Selbsthilfebewegung der „Messies" besteht seit den achtziger Jahren. Sandra Felton als Betroffene hat sie ins Leben gerufen und Bewältigungsstrategien entwickelt. In den USA sind (bis zum Jahr 2000) mehr als 28.000 Menschen in diesen Gruppen organisiert. Auch in Deutschland existieren inzwischen 30 dieser Gruppen. Pastenaci weist auf Erstgründungen 1996 hin die nach dem Muster der anonymen Alkoholiker organisiert sind. Der Erfolg dieser Bewegung liegt darin, dass die Menschen es wagen über ihre problematische Wohnungssituation zu sprechen, die oft jahrelange soziale Isolation überwinden und wieder lernen Hilfe anzunehmen. Durch Fortbildung, Aufklärung und Gespräche gelingt es in Einzelfällen auch professionelle Hilfen, z. B. Psychotherapien, Beratung und Begleitung durch Sozialarbeiter, zuzulassen.

J. Klosterkötter und U.H. Peters definierten 1985 den Begriff des „Diogenes-Syndroms" anhand der Literatur mit folgenden Kennzeichen:

Vernachlässigung des persönlichen Lebensraumes und Auftreten des Sammeltriebes

„Schamlose" Vernachlässigung des Körpers

Sozialer Rückzug und Abwehr von als Hilfe gemeinter Interventionen

Häufung beim weiblichen Geschlecht

Überwiegende Manifestation jenseits des 60. Lebensjahres

Vorhandensein primär persönlicher Selbstisolationstendenzen

Diese Merkmale bei Menschen, ohne endogene oder körperlich begründbare Psychosen, lassen eine extreme soziokulturelle Verweigerungshaltung annehmen. Zwar gab es beim historischen Diogenes von Sinope soziokulturelle Verweigerungshaltungen, die jedoch dem Zwecke der provokanten Demonstration eines philosophischen Freiheitsbegriffes dienten. Bei der vorgenannten, Patientengruppe wird bezweifelt, dass es sich um eine alternative Lebensform mit kulturkritischem Motiv handelt. In zwei eigenen Kasuistiken wiesen Klosterkötter und Peters nach, dass alle für die Annahme eines Diogenes-Syndroms erstellten Kriterien erfüllt sind. Es wird vorgeschlagen, dem „Diogenes-Syndrom" durch einen therapeutischen Gesamtplan entgegenzuwirken. Neben Pharmako- und Psychotherapie sollte auch ein Lernprozess zur Umstellung auf situationsadäquate Verhaltensmuster vorgesehen werden.

Hallowell Edward M. und Ratey John beschreiben als selbst Betroffene die Problematik der Menschen mit ADD anhand vieler Beispiele aus ihrer psychiatrischen Praxis. Über ADD bei Kindern gibt es viele wissenschaftliche Aussagen, trotzdem wird das Krankheitsbild oft genug nicht erkannt. Die Erkenntnis, dass ADD auch bei Erwachsenen vorkommt, ist relativ neu. Sie bleibt meist unerkannt, da sie durch augenfälligere Probleme wie Depressionen, Alkohol- oder Spielsucht überlagert ist. Bei anderen Menschen sind die Probleme so individuell, dass sie nicht als Krankheit erkannt werden, sondern einfach als ein „Anderssein" abgetan werden. So unterbleibt ein ärztliches oder therapeutisches Eingreifen. Es wird zwischen ADD mit Hyperaktivität und ohne Hyperaktivität differenziert. Das letztere, weil weniger auffällig und meist bei Mädchen auftretend, wird oft übersehen. Diese Menschen werden als unteraktive, Träumer wahrgenommen. Als Diagnosekriterien von ADD bei Erwachsenen werden vorgeschlagen:

A. Eine chronische Störung, bei der mindestens 12 der folgenden Symptome vorliegen:

1. Ein Gefühl der Leistungsschwäche, unter dem eigenen Potential zu bleiben

2. Schwierigkeiten mit der Organisation des alltäglichen Lebens

3. Chronisches „Auf-die-lange-Bank-schieben" aus Angst etwas falsch zu machen

4. Viele gleichzeitige Projekte, die nicht beendet werden

5. Die Neigung zu sagen, was einem gerade in den Sinn kommt, ob es zur Situation passt oder nicht

6. Jagd nach hochgradiger Stimulierung

7. Mangelnde Toleranz gegenüber Langeweile

8. Leichte Ablenkbarkeit, Probleme die Aufmerksamkeit zu fokussieren

9. Häufig kreativ, intuitiv, hochintelligent

10. Probleme sich an Verfahrensregeln oder an ein Procedere zu halten

11. Ungeduld, geringe Toleranz gegenüber Frustrationen

12. Impulsiv beim Reden und im Handeln (Geld ausgeben, Pläne umschmeißen)

13. Neigung, sich unnötige Sorgen zu machen

14. Unsicherheitsgefühl

15. Stimmungsschwankungen

16. Motorische bzw. innere Unruhe

17. Tendenz zu Suchtverhalten

18. Probleme mit dem Selbstwertgefühl

19. Unzutreffende Selbstbeurteilung

20. Familiär gehäuftes Auftreten von ADD, manisch depressiven Erkrankungen, Depressionen, Suchtverhalten, Probleme mit der Impulskontrolle oder Stimmungen

B. Auftreten des ADD in der Kindheit, die vielleicht nicht förmlich diagnostiziert wurde, aber die einstigen Anzeichen sollten bei der Anamnese identifizierbar sein.

C. Die Situation lässt sich nicht mit einer anderen organischen oder psychiatrischen Krankheit erklären.

Als wichtig wird erachtet, dass ein Kriterium nur dann als erfüllt betrachtet werden kann, wenn das Verhalten erheblich häufiger auftritt als bei der Mehrzahl der Menschen gleichen Intelligenzalters.

Es wird noch auf die Utah-Kriterien für die Diagnose von ADD bei Erwachsenen hingewiesen, die ähnliche Symptome beschreiben. Als wesentlicher Unterschied wird festgestellt, dass hier ADD ohne Hyperaktivität nicht als klinisches Bild anerkannt wird. Hallowell schlägt fünf Behandelungsschritte vor.

1. Diagnose: Dieser erste Schritt ruft beim Patienten Erleichterung hervor da es endlich einen Namen für sein Verhalten gibt.

2. Aufklärung: Je besser die Information ist, desto erfolgreicher ist die Therapie. Mit  gründlicher Einsicht in das Wesen der ADD ist gut zu erkennen, wo sie in das Leben eingreift und was dagegen zu tun ist.

3. Strukturieren: Begrenzung und Kontrolle von außen durch Zeitvorgaben oder Aufgabenstellung erleichtert. Konkrete, praktische Hilfsmittel, Listen, Gedächtnisstützen, Zettelkästen, Zeiteinteilung und dergleichen geben wertvolle Unterstützung bei der Erledigung der täglichen Arbeiten..

4. Training und/oder Psychotherapie: Ein Trainer oder eine Trainingsgruppe ist hilfreich. Psychotherapie ist sinnvoll bei Depressionen oder Selbstwertproblematik.

5. Medikamentöse Behandlung: Es gibt unterschiedliche Medikamente. Sie sollen helfen zu fokussieren, Angst und innere Unruhe abschwächen. Sie wirken durch die Behebung eines chemischen Ungleichgewichtes im Gehirn. Aufmerksamkeit, Impulsbeherrschung und Stimmung sollen reguliert werden.

Bei Menschen mit Störungen des Sozialverhaltens oder oppositionellem aufsässigen Verhalten (bei Kindern) und Merkmalen von Asozialität (bei Erwachsenen) muss sehr genau unterschieden werden zwischen ADD und anderen auffälligen Störungen. Ebenso kann OCD (Obseessive- Compulsive-Disorder/Zwänge) gleichzeitig mit einer ADD auftreten. In unserer schnelllebigen mit vielen Reizen auf uns einwirkenden Gesellschaft sollte ADD nicht mit den allgemein gesellschaftlichen Symptomen wie hohes Tempo, Konzentration auf das Wesentliche, kurze Einstellungen, schnelle Schnitte, Waghalsigkeit, Ruhelosigkeit, Gewalttätigkeit und dergleichen mehr, verwechselt werden.

Wichtig für die Diagnose des ADD ist eine genaue Erfassung der Lebens- Krankengeschichte (Anamnese). Hier ist die Medizin alter Schule gefragt, nicht die Hightechmedizin. Da die Diagnosestellung für Erwachsene noch neu ist, gibt es noch nicht sehr viele Fachleute, die damit Erfahrung haben. Anhand eines Kataloges von einhundert Fragen ist es möglich selbst zu testen, ob evtl. an kompetenter Stelle eine fachgerechte Diagnose in Betracht gezogen werden sollte.

Im Anhang gibt es Hinweise auf Anlaufstellen (in verschiedenen Ländern), die beraten, für Fragen zur Verfügung stehen und bei der Suche nach Fachleuten behilflich sind.

Fitzner Thilo und Werner Stark et al. geben mit ihren Beiträgen zur 2. interdisziplinären Tagung „ADS – verstehen, akzeptieren, helfen" (26. – 28. Februar 1999) Einblick in die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Diese Erkenntnisse basieren auf fundierten Forschungsergebnissen aus den USA, leider sind die neurobiologischen Hintergründe den konsultierten Ärzten und Ärztinnen noch zu wenig bekannt, so dass empfohlene Therapien nicht immer hilfreich sind.

Die Beiträge reichen von Tests für ADS bei Erwachsenen über Beschreibungen einzelner Erscheinungsformen und der Behandlungsmethoden (medikamentös oder durch unterschiedlichste Therapieformen) bis zu Empfehlungen für den Umgang mit ADS-Patienten für Eltern, Lehrer und Therapeuten. Es wird über Langzeitverläufe bei Kindern berichtet und das Für und Wider von Ritalingaben diskutiert. Ebenso werden internationale Vergleiche angestellt. Die höchste Prävalenz (Tabelle G. E. Tott, S. 199) besteht in Uganda mit 21%, gefolgt von Italien mit 12%, Puerto Rico mit 9,5% und Südafrika mit 7%. Deutschland und USA haben etwa gleiche Häufigkeit des Auftretens mit 4, 2%/ 4,3% und in den Niederlanden besteht mit 3,8% die geringste Ausbreitung. Einige Autoren berichten über Erfahrungen in Griechenland (A. Kalantzi-Azizi, S 214) und in Dänischen Schulen (I. Kraft, S 215 – 2131).

Der Beitrag von C. Neuhaus über die Bedeutung des ADS in der Paarbeziehung (Neuhaus, S. 232 – 255) hebt hervor, dass sehr häufig ein mangelhaftes Management der Gegenstände besteht. So kommt es zu einem regelrechten Chaos im Wohnbereich und auch Arbeitsbereich. Das wiederum führt zu Konflikten in der Beziehung, neben allen anderen bei ADS vorkommenden Symptomen: mangelhaftes Finanzmanagement, Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit, Impulsivität und Empfindlichkeit. Neuhaus macht Vorschläge, wie eine Streitkultur für Paare entwickelt werden kann und plädiert im Notfall für die Medikation.

V. Heiduk beklagt, dass nur wenige spezialisierte Kinderärzte oder Psychiater sich diesem Störungsbild widmen und auch im klinischen Bereich keine ausreichenden Diagnosemöglichkeiten bestehen. Besonders im Jugendlichen- und Erwachsenenbereich bestehe immer noch in weiten Kreisen die Meinung das Syndrom wachse sich aus, was häufig dazu führt, dass eine Diagnose nicht einmal in Erwägung gezogen wird. In der Erwachsenenpsychiatrie ist ein erheblicher Aufklärungsbedarf erforderlich. Auf Begleitstörungen (Störung des Sozialverhaltens/ICD 10 F 901, oppositionelles Verhalten /ICD 10 F 91.3), die zu 40 bis 80 Prozent bei den Untersuchungen festgestellt werden, wird hingewiesen, wie auch auf Komorbiditäten im Erwachsenenalter, Angststörungen, Suchtprobleme, Antisoziale Persönlichkeit. Die Abklärung körperlicher Grund- oder Begleiterkrankungen muss vorgenommen werden.

W. Droll weist nach, dass ADD neurophysiologisch und neuropsychologisch sichtbar gemacht werden kann. Anhand von 5000 EEG-Ableitungen bei Kindern und Erwachsenen fiel auf, dass bei fast allen EEG-Ableitungen von ADD-Patienten, teils mehr, teils weniger ausgeprägt, eine Labilität der Vigilanzregulierung festgestellt werden konnte. Bei einer beträchtlichen Zahl der Patienten konnte auf Grund der EEG-Werte, durch sorgfältige Diagnostik, eine

ADD nach den Kriterien des DSM IV festgestellt werden. Heiduk warnt jedoch davor allein die EEG-Werte als Beweis für eine ADD zugrunde zu legen.

4 Fallbeschreibungen

Kontakte mit Betroffenen aufzunehmen gestaltete sich anfangs als unmöglich, da diese Menschen im Verborgenen leben und niemanden in ihre Wohnung einlassen und in ihrem äußeren Erscheinungsbild unauffällig sind. Aus diesem Grunde wurde zunächst erwogen sich nur auf die Literatur zu stützen. Durch Zufall ergab es sich jedoch, drei eigene Fälle zu untersuchen.

Sie stammen aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld oder wurden durch Verwandte vermittelt. Bei Fall W handelt es sich um einen Freund, bei dem seit ca. fünf Jahren das Syndrom beobachtet wurde, ohne jedoch zu wissen worum es sich handelt. Den Kontakt U stellte ein Neffe in Hannover her, der mit U in der Altenpflege gearbeitet hat. Dieser Kontakt ermöglichte auch die Teilnahme an einer Gruppensitzung der Anonymen Messies in Hannover.

Beim Fall F handelt es sich um eine langjährige Freundin, die erst, als schon mit dem Schreiben der Diplomarbeit begonnen war, vorsichtige Andeutungen machte und einlud, ihre Wohnung zu besichtigen (Räume, die kein Außenstehender zu sehen bekommt). So wurde dieser Fall noch aufgenommen. Im Anhang sind Fotos zu den einzelnen Wohnungen abgedruckt.

4.1 Fall U

4.1.1 Angaben zur Person

Frau U ist 31 Jahre alt, lebt allein, hat keinen Partner. Als Ausbildung wird der Abschluss der Mittleren Reife, eine Altenpflegeausbildung und eine Ausbildung zur Handelsfachpackerin angegeben. Seit ca. 12 Monaten ist Frau U arbeitslos und hatte nur zeitweise über eine Zeitarbeitsfirma eine Anstellung. Sie lebt von Arbeitslosenhilfe und Wohngeld.

U hatte als Kind Masern, Scharlach und Windpocken. Weitere schwerwiegende Erkrankungen lagen nicht vor. Zur Zeit leidet sie an einer Lebensmittelallergie auf Weizen und Glutamat. Zukunftsangst, Perspektivlosigkeit und Antriebslähmung beeinträchtigen das Alltagsleben. Soziale Kontakte bestehen zur Mutter und Schwester, zu einigen Freunden und der Messiegruppe. Die Eltern haben sich scheiden lassen als U 25 Jahre alt war. Zum Vater, der von Beruf Finanzbeamter ist und an Depressionen leidet, besteht kein Kontakt mehr. Während ihrer Abwesenheit – damals wohnte U noch bei den Eltern – hat der Vater das Zimmer der Tochter aufgeräumt. Wiederholt gab es wegen der Unordnung und wegen anderer Differenzen Ärger. Eigene Meinungsäußerungen wurden nicht zugelassen, nur die Meinung des Vaters hatte Gewicht. Frau U verließ das Elternhaus im Alter von 18 Jahren, um die Altenpflegeschule zu besuchen. Bereits im Studentenwohnheim fiel ihr auf, dass sie mit der Ordnung ihres Zimmers größere Probleme hatte, als andere Studenten.

4.1.2 Wohnsituation

U bewohnt eine 43qm große 1½-Zimmerwohnung im dritten Stock eines Wohnblocks in einem Vorort von Hannover. Die Verkehrsanbindung ist gut. Im Wohnungsflur stehen auf einer Seite mehrere Plastiktüten, links führt eine Tür in die kleine Küche (Foto 1), die mit Spüle, Herd, Unterschrank und Hängeschrank ausgestattet ist. Die Arbeitsflächen sind mit ungewaschenem Geschirr, Tüten mit Lebensmittel und Gerätschaften wie Wasserkocher und Kaffeemaschine verstellt. An den Wänden stehen zwei Wagen mit Ablagekörben, die scheinbar ohne Ordnung mit Gegenständen und Gemüse gefüllt sind. Der Mülleimer quillt über, an den Wänden stehen Plastiktüten und auch der Boden ist teilweise mit Obsttüten, Dosen und Flaschen bedeckt. Geht man den Flur geradeaus, so gelangt man in das Wohnzimmer. Hier ist nur noch eine ca. 1qm große Fläche des Bodens, zwischen aufgestelltem Bügelbrett, Couchtisch und Sessel, frei von Gegenständen. Ein sehr schmaler Gang führt an einem Regal vorbei hinter das Sofa und an das Fenster. Das Zimmer ist komplett vollgestellt. Beim Betreten des Zimmers fällt der Blick links von der Tür auf zwei Meerschweinchenkäfige, die auf einem Schränkchen und einem Tisch stehen (Foto 2). Der Boden ist übersät mit Haustierstreu und Heu. Das aufgestellte Bügelbrett ist und mit allerlei Papieren und Ordnern belegt, der Staubsauger steht daneben. Auf dem Sofa sind Zeitungen, Decken und Kleidungsstücke verstreut.

Der Tisch (Foto 3) vor dem Sofa ist vollständig bedeckt mit gebrauchtem Geschirr, Medikamentenfläschchen, Vasen, Gefäßen und Lebensmitteln. Unter dem Tisch befindet sich auf einer Fläche von ca. ¼ qm verstreuter Zucker. Rechts neben der Türe steht ein Regal, das überwiegend mit Büchern, Zeitschriften, Aktenordnern und Ordnungsbehältern bestückt ist. Hier lässt sich der Versuch, ein gewisses Ordnungssystem zu schaffen erkennen (Foto 4). Der Boden davor ist mit Tüten, Schachteln und Kartons bedeckt die mit allerlei Dingen angefüllt sind, für die noch kein Stauraum gefunden wurde. Im Schlafzimmer das gleiche Bild, aus den offenen Kleiderschranktüren ergießt sich wie ein Fluss dessen Inhalt in das Zimmer (Foto 5). Der Boden ist bedeckt mit Zeitungen, Papieren und Müll; einzig das Bett (Foto 6) ist noch halbwegs frei. Im Flur (Foto 7) vor dem Schlafzimmer sind bis zur Höhe von ca. 1,60 Meter Gegenstände gestapelt und im Bad ist die ganze Badewanne gefüllt mit Schmutzwäsche bis zu einer Höhe von ca. 1,20m. Die Toilette und das Waschbecken sind noch zu benutzen.

4.1.3 Persönlicher Eindruck

Frau U macht persönlich keinen verwahrlosten Eindruck. Sie ist über den Zustand der Wohnung nicht glücklich, scheint jedoch keine zu großen Hoffnungen zu haben, dass sich diese Situation bald verändern könnte. Ein Jahr war sie in psychotherapeutischer Behandlung wegen ihrer Zukunftsängste, Perspektivlosigkeit und Antriebshemmung. Geändert hat sich seither kaum etwas. Seit 1997 geht U alle vierzehn Tage zum Treffen der Anonymen Messies.

Erfahren hat sie von dieser Möglichkeit durch eine Fernsehsendung und durch Videotext. Nach eigener Einschätzung ist der Papierkram schon weniger geworden und durch ein Gruppenmitglied hat sie gelernt, besser mit den knappen Finanzen auszukommen. Ab und zu kommt ein Messie und hilft beim Aufräumen. Auch vor dem Fototermin war drei Tage vorher eine Helferin da und hat versucht, Ordnung zu schaffen. Für den Außenstehenden ist das kaum zu bemerken.

4.2 Fall F

4.2.1 Angaben zur Person

Frau F ist 59 Jahre alt, seit zehn Jahren geschieden und lebt mit ihrer volljährigen, noch in Schulausbildung befindlichen Tochter zusammen. Eine neue Partnerschaft besteht nicht. In der Grundschule hatte F Probleme mit dem Rechnen, bekam aber die Übertrittsberechtigung aufs Gymnasium. Dort wiederholte sie die 7. Klasse und wechselte dann auf die Realschule. Die vermittelten Lerninhalte (Schreibmaschine und Buchführung) hatte sie bereits während der Schulzeit im elterlichen Betrieb praktisch umgesetzt. Mit 16 Jahren begann sie, ohne Berufsausbildung, die berufliche Laufbahn als kaufmännische Angestellte. Sie arbeitete in unterschiedlichen Branchen und erweiterte so ihr Fachwissen. Nach der Eheschließung arbeitete sie in leitender Stellung bei der Immobilienfirma des Ehemannes und erwarb das Diplom einer Immobilienwirtin VWA (Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie). Frau F ist zur Zeit nicht erwerbstätig, hat jedoch Zinseinkünfte und ein kleines Vermögen. Davon kann sie ihren und den Lebensunterhalt der Tochter bestreiten. Unregelmäßig treffen auch Unterhaltszahlungen des Vaters der gemeinsamen Tochter ein.

Als jüngstes Kind und einzige Tochter in einer Geschwisterreihe von sechs Kindern übernahm Frau F schon früh Tätigkeiten im Haushalt. Die Mutter, von Beruf gelernte Schneiderin, litt an Depressionen. Der Vater führte den eigenen Betrieb als Malermeister. Kurz nach der Eheschließung von Frau F wurde die Tochter geboren. Im Anschluss an die Geburt wurde Frau F, wegen einer Wochenbettdepression zur Behandlung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Schon vor der Eheschließung gab es vereinzelt depressive Episoden und im Lauf des Lebens musste Frau F sich immer wieder deswegen in Behandlung begeben. Hervorgerufen wurden die depressiven Episoden durch belastende stresserzeugende Lebenssituationen. Frau F pflegt regelmäßig soziale Kontakte, singt als Mitglied in zwei Chören, arbeitet aktiv im Elternbeirat der Schule ihrer Tochter mit, nimmt regelmäßig an Übungen einer Qi-Gong- Gruppe teil und hat gute Beziehungen zu einigen Freunden und Nachbarn.

4.2.2 Wohnsituation

Frau F bewohnt eine 82qm große Mietwohnung in einem Villenvorort einer Großstadt. Die Wohnung erstreckt sich über zwei Ebenen. Wohnzimmer, Kinderzimmer, Küche und Bad liegen im Erdgeschoss. Die im Erdgeschoss liegenden Räume sind gepflegt und aufgeräumt. Links neben der Eingangstüre des Wohnzimmers führt eine Wendeltreppe in den Keller. Diese endet in einem winzigen Raum, dessen Wände mit Regalen und Schränken vollgestellt sind.

Alles von dem sich Frau F noch nicht trennen konnte, wird hier aufbewahrt (Foto 8). Dazu gehören ca. 50 Paar Schuhe, Kinderkleidung, die nicht mehr gebraucht wird, Spielzeug, viele Bücher, Nahrungsvorräte und Akten. Der schmale Raum hinter der Wendeltreppe ist bis zu 1,50 m angefüllt mit unterschiedlichsten Dingen, die in den Schränken keinen Platz mehr fanden:

Tüten und Kästen, Ski, Geschenkpapier, Kleidung und Plastiktüten mit nicht erkennbarem Inhalt (Foto 9). Im Schlafzimmer, dass auch als Arbeitszimmer dient, steht in einer Nische ein großes Bett. Schränke und Regale stehen an den Wänden, gefüllt mit Aktenordnern (teilweise noch in Gebrauch für Klärung des Unterhaltsstreites und Vermögensausgleiches). Neben einem Klavier sind Handtücher, Decken und andere Textilien ordentlich gestapelt. Der Schreibtisch ist überhäuft mit Papieren, ein Umzugskarton (Inhalt unbekannt) steht neben dem Schreibtisch und dient zusätzlich als Ablage (Foto10). Bis auf das Zuviel, ist es sauber und es ist ein gewisses Ordnungsschema zu erkennen.

4.2.3 Persönlicher Eindruck

Frau F zeigt ein sehr gepflegtes Erscheinungsbild, ebenso die Wohnung, die jedoch im Untergeschoss zuviel an aufgehobenen Dingen enthält. Infolge der immer wiederkehrenden depressiven Episoden kommt es zeitweise zum sozialen Rückzug und es gibt ganz unterschiedliche somatische Beschwerden. Frau F sucht regelmäßig Ärzte und Psychotherapeuten auf, da sie die somatischen Beschwerden und auch die Stimmungsschwankungen als belastend und behandlungsbedürftig empfindet. Mit dem Zustand der Wohnung ist sie nicht zufrieden und wünschte sich zeitweise Hilfe zum Aussondern. Die Motivation zur Eigeninitiative, um ihr Leben in den Griff zu bekommen und ein seelisches Gleichgewicht herzustellen, ist groß, wenn die depressiven Stimmungen dem nicht entgegenstünden.

4.3 Fall W

4.3.1 Angaben zur Person

Herr W ist 60 Jahre alt, verheiratet und wohnt zur Miete in einem Einfamilienhaus in einem 1800 qm großen Parkgrundstück in einem Villenvorort einer Großstadt. Er ist seit 17 Jahren verheiratet und hat keine Kinder. Seine Frau ist fünf Jahre jünger, beide sind berufstätig. Die Frau ist in leitender Stellung angestellt. W arbeitet selbständig (Scheinselbständigkeit) in der Baubranche. Er verdient wesentlich weniger als seine Frau. Zahlungen in die Rentenversicherung oder sonstige Altersvorsorge hat er nicht getroffen. Er wird später ganz von den Einkünften seiner Frau abhängig sein. Die finanzielle Situation ist angespannt und es kommt immer wieder zu Existenzängsten und Angst vor einer Kündigung des Hauses. Das Ehepaar verfügt über zwei Autos. Das Geschäftsauto ist geleast und erfordert einen hohen finanziellen Aufwand.

W hat eine um 1½ Jahre ältere Schwester. Der Vater hatte eine Stelle als Direktor in einem chemischen Betrieb. Die Mutter, die zweite Ehefrau des Vaters, ging keiner Erwerbstätigkeit nach. Bei der Geburt der Kinder war der Vater 48 Jahre, die Mutter 33 Jahre alt. Vom Sohn wurden Leistungen erwartet, die dieser nie zur Zufriedenheit erbrachte. Schon in der Grundschule gab es immer wieder Probleme, weil W sehr verträumt war. Auf dem Schulweg durch interessante Dinge fasziniert, vergaß er gelegentlich dass er in die Schule oder nachmittags in den Religionsunterricht musste. Er bemühte sich sehr, erlebte jedoch immer wieder Misserfolge und mangelnde Anerkennung. So schrieb er mühsam mit schöner Schrift die in der Schule gefertigten Einträge zu Hause noch einmal in ein neues Heft, um das Lob des Lehrers für besondere Heftführung zu bekommen und dadurch dann die Anerkennung des Vaters zu erlangen. Hierdurch wurde sehr viel Energie gebunden. Besondere Talente, wie naturgetreues Zeichnen von Tieren und Pflanzen wurden zwar gesehen, aber nicht eigens gefördert. Herr W wurde vom Lehrer gehänselt als er stolz mit einer Kniebundlederhose in die Schule kam und fühlte sich missachtet und missverstanden. Der Übertritt auf das Gymnasium gelang, aber nach kurzer Zeit erreichte er das Klassenziel nicht mehr und ging auf eigenen Wunsch in ein Internat. Auch dort gab es immer wieder Probleme. Kleinste Anlässe reichten aus, um mit Wutausbrüchen und Tätlichkeiten zu reagieren und er entwickelte eine „Platzhirsch"- Mentalität und Tendenzen zum „Klassenclown". Der Vater versuchte wiederholt zu schlichten und startete verschiedene Aktionen für die finanzielle Unterstützung der Schule. Ein halbes Jahr vor dem Abitur wurde W wegen eines Vergehens von der Schule verwiesen, konnte jedoch den Abschluss als Externer doch noch ablegen. In der Praxisausbildung zum Schreiner (während der Internatszeit), entwickelte er ein besonderes Talent und handwerkliche Geschicklichkeit und Präzision. Leider wurde das hervorragend gestaltete Prüfungswerkstück (Schreibtisch mit Schubladen und Einlegearbeiten auf der Schreibfläche) vom Vater mit den Worten: „Das kommt nicht in meine Wohnung", abgekanzelt.

W begann ein Architekturstudium, arbeitete in verschiedenen Betrieben, auch im Ausland, brach dann das Studium ab. Er konnte sich nicht organisieren und hatte kein Zeitgefühl. Bei einem Architekten, der überwiegend denkmalgeschützte Häuser saniert, arbeitet er bis heute als freiberuflicher Mitarbeiter. Sein Stilgefühl und sein hervorragendes Fachwissen, die handwerklichen Fähigkeiten und die zeichnerische Präzision werden geschätzt. Doch auch hier bleibt er unter seinem Potential und wird unterbezahlt, was mit zunehmendem Alter das ohnehin schlechte Selbstwertgefühl noch weiter untergräbt. Soziale Kontakte gab und gibt es vielfältige, durch die Arbeit und im Privatbereich (Chorgesang, Mineralienfreunde, Nachbarn und Freunde). W ist ein sehr hilfsbereiter Mensch und ist gern gesehen und wird um Rat gefragt. Leider kann der geringste Anlass zu plötzlichen Wutausbrüchen und wüsten Beschimpfungen führen. Dadurch sind Beziehungen zu den Mitmenschen, auch zur Ehefrau, gefährdet. Herr W, eher sensibel für Nöte der Mitmenschen, und selbst sehr leicht verletzbar, kann seine kränkenden verbalen Äußerungen nicht als solche realisieren. Wird er darauf angesprochen wehrt er ab und fühlt sich missverstanden. Zeitweise sind soziale Rückzugstendenzen festzustellen.

Für ganz alltägliche, aber nicht so interessante Tätigkeiten fehlt es an Antrieb. Es werden immer wieder Projekte in Angriff genommen, aber selten zu Ende geführt. Minderwertigkeitsgefühle, Ärger darüber, nicht die entsprechende Anerkennung zu bekommen, Selbstzweifel, Angst vor der Zukunft und vor dem finanziellen Ruin sind ständige Begleiter. Das freundliche, charmante Wesen weicht zunehmend Missmut, Frust und Neid. Dies äußert sich in bissigen, teils unflätigen und feindseligen Bemerkungen und Haltungen. Freude kann kaum noch  empfunden werden. Suizidäußerungen gab es gelegentlich. Eine Krankheitseinsicht ist nicht vorhanden und Schuld an den nicht zufriedenstellenden Lebensumständen sind nach Ansicht W’s immer die Anderen, besonders der Arbeitgeber, der die erbrachte Leistung nicht ausreichend würdigt und honoriert.

4.3.2 Wohnsituation

Das Einfamilienhaus hat eine Wohnfläche von ca. 100 qm. Im Erdgeschoss liegt die Küche mit angebautem Wintergarten, das Wohnzimmer und Esszimmer (mit offenem Durchgang), ein winziges Zimmer mit einem Gästebett und möglicher Nutzung als Arbeitszimmer, eine Toilette und eine fast quadratische Diele. Eine schmale gewundene Treppe führt in den ersten Stock. Dort befinden sich zwei Schlafzimmer, ein Gästezimmer, ein Bad, eine separate Toilette und eine ebenfalls quadratische Diele. Die Wohnung ist gepflegt (einmal alle 14 Tage kommt eine Putzfrau), allerdings mit allerhand Dingen angefüllt; besonders schöne Steine aller Größen liegen auf den Treppenstufen bis zum ersten Stock hinauf (W ist Mineraliensammler). Im Wohn- und Esszimmer gibt es viele schöne, ganz unterschiedliche Sammelstücke, Tonfigürchen, Miniaturwerkzeuge, Mäusefiguren aus Ton, zwei Riesenteddybären auf dem Sofa und ein großer aus Rupfen gefertigter Koch auf dem Sessel. Auf Glasregalen sind verschiedene gekaufte oder selbst gesuchte Mineralien aufgebaut. Zeitungen und CDs liegen gestapelt auf dem Fernsehschrank. W ist ein Liebhaber schöner Dinge. Wenn er etwas sieht, das ihm gefällt oder das noch gebraucht werden kann, dann nimmt er es mit. Die Frau sorgt immer wieder für Ordnung, ist aber über die Sammelleidenschaft sehr frustriert. Besonders Dinge, die selbst gar nicht genutzt werden, sondern nur für den Fall, dass sie noch einmal jemand brauchen könnte, aufbewahrt werden, ärgern sie. Ws Zimmer ist überfüllt. Neben dem Bett ist gerade noch ein schmaler Gang frei. Es wird viel zu viel aufgehoben und es wird viel zu wenig weggeworfen. Vor allem will W immer ein besonderes Ordnungssystem einrichten, was aber an seinem Perfektionismus scheitert. W geht davon aus, dass ihm ja noch etwas besseres einfallen könnte, und dann wird es perfekt gemacht. Ordnungsbehälter wurden angeschafft und stehen seit Jahren ungenutzt bereit. In Keller, Speicher, im Garten und in einem Schuppen sammelt sich allerhand an. In den zu renovierenden Häusern, die W durch seine Tätigkeit zu sichten hat, gibt es viele Dinge, die zu schade zum Wegwerfen sind. Herr W bringt wiederholt, zum Leidwesen seiner Ehefrau, Gegenstände (Spiegel, Dialeinwände, Glasplatten, Kühlschränke Klimageräte usw.) mit nach Hause. Wenn Nachbarn oder Freunde etwas gebrauchen können gibt er es auch gern weiter, aber bis dahin wird alles gesammelt.

4.3.3 Persönlicher Eindruck

W ist meist gepflegt und achtet auf sein Äußeres, es sei denn er arbeitet handwerklich. Auf ganz verschiedenen Gebieten ist W sehr belesen und hat ein erstaunliches Fachwissen (Baustile, Kunst, Musik, Handwerk, Mineralien, Länderkunde, Reiseerfahrungen usw.), mit dem er in Gesellschaft brilliert. Er ist meist freundlich und charmant, besonders gegenüber Frauen. Beziehungen zu Mitmenschen sind oft überschwänglich, aber unverbindlich und oberflächlich.

Auffällig ist, dass seine Wahrnehmung Menschen und Situationen betreffend nur „schwarz/weiß" unterscheidet und vorschnelle Urteile gefällt werden. Ebenso gibt es überbordende Begeisterung für etwas oder totale Ablehnung. Die Zwischentöne fehlen. Seit ca. zwei Jahren hat W ständig wiederkehrende somatische Beschwerden, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Magen-, Darmbeschwerden, Rückenschmerzen und Muskelverspannungen.

Seit einiger Zeit sind Herzrhythmusstörungen dazugekommen. Vor ½ Jahr wurde er an der Bandscheibe operiert. W ist übergewichtig und trinkt regelmäßig, fast täglich, abends 1 Flasche Wein. Eine Alkoholabhängigkeit scheint jedoch nicht vorzuliegen.

4.4 Zusammenfassung

Die vorgenannten Fälle zeigen ganz unterschiedliche Ausprägungsgrade im Erscheinungsbild der Wohnung. Im Fall F entspricht die Wohnung in dem Bereich, der Besuchern zugänglich ist, durchaus gesellschaftlichen Normen. Lediglich der Arbeits-/Schlafbereich und der Vorraum dazu ist durch ein zu viel der aufgehobenen Dinge angefüllt. Bei Fall W ist der Überblick schon verloren gegangen und es ist vorwiegend der Ehefrau zu verdanken, dass sich das Chaos hauptsächlich in den Nebenräumen (Keller/Speicher und Schuppen) und dem Zimmer von W ausbreitet. Wie lange sich dieser Zustand noch halten lässt ist ungewiss. Bei Fall U ist die Grenze dessen, was noch erträglich erscheint, überschritten, da die Wohnung nur noch teilweise ihrem Zweck entsprechend genutzt werden kann. Die Badewanne ist nicht mehr nutzbar, das Bett nur zu erreichen, wenn man über die am Boden angehäuften Zeitungen, Tüten und Kleidungsstücke, steigt. Verschmutzung ist überall sichtbar. So unterschiedlich die Wohnungen erscheinen, so unterschiedlich sind auch die Ursachen, die zu einer solchen Desorganisation geführt haben. Die Vorgehensweise der Fachdienste (Sozialarbeiter, Ärzte, Therapeuten, evtl. Betreuer) muss dieser Unterschiedlichkeit Rechnung tragen, und den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden.

5 Theorien der Sozialen Arbeit als Grundlage zum beruflichen Handeln

5.1 Allgemeines über Theorien der Sozialen Arbeit

Die Frage ob Soziale Arbeit als wissenschaftliche Disziplin angesehen werden kann und ob es überhaupt Theorien der Sozialen Arbeit gibt, wird immer wieder aufgeworfen und kontrovers diskutiert (Engelke 1999, S. 8). Thiersch führt aus, dass die Theorie der Sozialen Arbeit, beziehungsweise Theorieansätze der Sozialen Arbeit, sich als vielgestaltiges Neben- und Ineinander unterschiedlicher Diskurse darstellt. Die Diskussion wird zunächst in Einzeldiskursen zu Problemfeldern und institutionellen Aufgaben geführt. Es sind dies Probleme der Armut, der Familie, Jugend, aber auch der Heimerziehung, des Kindergartens, der Beratung, des Gemeinwesens, der Altenarbeit und schließlich der Verbandsstruktur. Daneben bestehen generelle Theoriediskussionen auf allgemeine Fragen „... zur Lebenswelt sozialpädagogischer Adressaten, zur gesellschaftlichen Funktion der Sozialen Arbeit, der Institutionalisierung der Sozialen Arbeit, der spezifisch sozialpädagogischen Handlungskompetenz und des Wissenschaftscharakters der Sozialen Arbeit" (Thiersch in Kreft/Mielenz, 1996 S. 618). So sehr die derzeitige Diskussion im Fluss ist, so mehren sich doch in letzter Zeit auch Indizien einer zunehmenden Konsolidierung (ebd.).

5.2 Kurzdarstellung einzelner aktueller Theorieansätze, als Weiterentwicklung

bereits vorhandener Theorien

Engelke gibt einen Überblick über ausgesuchte Theorien der Sozialen Arbeit (Engelke 1999). Er beschreibt Leben und Werk von 24 Autoren und Autorinnen. Da die Unterschiede zwischen den einzelnen Theorien erheblich sind, können sie in der Gesamtheit keine eindeutige professionelle Identität stiften (Engelke 1999, S. 379). Sozialarbeitstheorien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (z.B. Jane Adams, Alice Salomon, C. J. Klumker, Hans Muthesius) und Theorien der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (z.B. Ilse Arlt, Karam Khella, Hans Thiersch ) werden durch aktuelle Theorieentwürfe fortgeschrieben:

Ökosozialer Ansatz von Germain/Gitterman und Wolf Rainer WendtDie ökologische Perspektive ist die Lehre von den Wechselwirkungen zwischenMensch und Umwelt. Beide beeinflussen und formen sich im Laufe der Zeit (Germain/Gitterman 1999, S. 7). Die Aufgabe der Sozialen Arbeit ist, das Anpassungspotential der Menschen und die Umweltbeschaffenheit so aufeinander zu beziehen, dassWachstum und Entwicklung möglich sind (Germain/Gitterman, 1999 S. 10).

Wendt versteht seine Theorie als ökosoziale Handlungstheorie (Wendt 1990, S. 132). „Die Theorie orientiert auf Zusammenhänge. Die grundlegenden Aussagen sind präskriptiver Natur: Sie schreiben vor ganzheitlich, haushaltend, pflegend usw. zu verfahren. Den Grundsätzen entsprechend wird das Geschehen im Gegenstandsbereich der Theorie von ihr beschrieben. Die Handlungsanforderungen bleiben dabei im Blick, denn der Bezugsrahmen (das Praxisfeld) schließt sie ein" (Wendt 1990, S. 13).

Prozessual-systemische Ansatz von Silvia Staub-Bernasconi Soziale Arbeit ist die Antwort auf soziale Probleme. Sie hat sich mit kumulativen sozialen Problematiken, insbesondere mit der kumulativen Wirkung von Ausstattungs-, Beziehungs-, und Kriteriendifferenzen in Wechselwirkung mit sozialen Behinderungen (Macht) auseinander zu setzen. Alle Phänomene in der Gesellschaft sind miteinander verknüpft und bedingen sich gegenseitig. Armut korrespondiert mit Reichtum, Macht mit Ohnmacht. Soziale Arbeit wird immer dort notwendig, wo die Verhältnisse zwischen Geben und Nehmen nicht ausgeglichen sind (Staub-Bernasconi in Maja Heiner, 1998, S. 12 – 40).

Systemtheoretisch fundierte Handlungstheorie Sozialer Arbeit von Tilly Miller Miller konzeptualisiert auf systemtheoretischer Grundlage eine Handlungstheorie auf vier Ebenen: Erklärungswissen, Wertewissen, Verfahrenswissen und Evaluationswissen. Bezugspunkt Sozialer Arbeit ist die Soziale Wohlfahrt. Soziale Arbeit beschäftigt sich mit materiellen, sozialen und kulturellen Teilhabeproblemen. (Miller, 1999, S.10, S. 80-83).

Empowerment, keine Theorie, sondern Handlungskonzept Empowerment (wörtlich übersetzt „Bemächtigung") ist ein in den letzten Jahren - auch in Deutschland - beachteter Begriff, der in vielen Bereichen der Sozialarbeit Anwendung findet. Das Empowerment-Konzept nimmt Abschied vom Defizitblickwinkel, mit dem Soziale Arbeit noch vielfach arbeitet. Empowerment setzt auf Stärken und Ressourcen und auf die Unterstützung der Adressaten sozialer Dienstleistungen. Fähigkeiten sollen reaktiviert, das eigenständige Handeln unterstützt und somit der Grundstock für die selbstbestimmte Lebensgestaltung gelegt werden. (Herriger, 1997)

5.3 Das „Life Modell" als ökologisches Handlungskonzept(Germain/Gitterman)

5.3.1 Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Umwelt

Beim Life Modell ist der Fokus auf die wechselseitigen Beeinflussungen von Mensch und Umwelt gerichtet (Germain/Gitterman 1999, S, 7). Der Prozess des fortlaufenden Wandels fordert ständige Anpassungsleistungen und es findet ein aufeinander bezogener Austausch statt. Diese Veränderungen zwischen Mensch und Umwelt können positive, negative oder auch neutrale Auswirkungen sowohl auf den Menschen, als auch auf deren Umwelt haben (ebd. S. 9).

Beispiel: Andrea (Messie, alleinerziehend, 33 Jahre alt, zwei Kinder) kommt aus dem Urlaub zurück

und findet die Wohnung versiegelt vor. Sie muss bei der Polizei vorstellig werden. Panische

Angst, die Wohnung gekündigt zu bekommen und das Sorgerecht für die Kinder zu verlieren, breitet

sich aus. Bei der Polizei, beim Wohnungsamt und im Sozialamt erfährt sie Freundlichkeit, Verständnis

und Hilfsbereitschaft. Sie hatte eigentlich mit Verurteilung, Unverständnis und rigiden

Maßnahmen gerechnet. Sie nimmt die in Aussicht gestellten Hilfen an. Ihre Kinder ziehen vorübergehend

zu den Großeltern. In der Zwischenzeit wird die Wohnung durch vielfältige Unterstützung

soweit entrümpelt, dass Andrea nach drei Monaten harter Arbeit wieder zusammen mit ihren

Kindern darin leben kann (AM, 2001 Nr. 14).

 

Beispiel: Nachbarn oder Hauseigentümer melden beim Sozialamt oder bei der Polizei, dass jemand

in seiner Wohnung verwahrlost (Gestank, der nach außen dringt, Ungeziefer). Patienten werden

wegen ihrer unzumutbaren Wohnungszustände in die Psychiatrie eingeliefert. Klinikpsychiater erkennen

die Gefährdung nicht und entlassen diese Menschen, aufgrund fehlender diagnostischer

Merkmale, in die Freiheit und Autonomie. Unter Umständen gleiten diese Menschen in die Obdachlosigkeit

ab, da die Kündigung der Wohnung und eine folgende Zwangsräumung nicht lange

auf sich warten lassen (Dettmering, 2000, S. 27). Dettmering hat festgestellt, dass sehr viele Stadtstreicher

einmal aus einer vermüllten Wohnung hinausgekündigt wurden. (Dettmering, 2000, S. 26).

Wird die physische (z B. Dysfunktionalität der Wohnung) oder die soziale (z.B. durch permanent

steigenden Leistungsdruck) Umwelt geschädigt, hat das eine negative Auswirkung auf

den Menschen. Der Austauschprozess ist gestört. Germain/Gitterman führen das Lebensbelastungs-

Stressbewältigungsparadigma ein.

Danach sind drei Gruppen für Lebensbelastungen und damit verbundenem Stress zu nennen

(Germain Gitterman, 1999 S. XVI):

Schwierige Lebensübergänge und traumatische Lebensereignisse Im Verlauf des Lebens macht der Mensch biologisch bedingte Veränderungen durch. Einmal geboren, wächst er zu einem Kind heran und wird mehr und mehr Erwachsener bis er irgendwann als ein alter Mensch stirbt.

Dieser Lebenszyklus wird innerhalb eines Gefüges sozialer Strukturen erfasst, und in Lebensstadien unterteilt, die von Kultur zu Kultur anders aussehen können. Jede dieser Lebensstadien hat ihre Aufgabe und bringt bestimmte Pflichten und Privilegien mit sich. Jede Entwicklungsphase bedeutet eine biologische Veränderung für den Menschen, welche mit psychologischen, sozialen und kulturellen Kräften, sowie physischen Bedingungen einhergeht. So ist etwa die Phase vom Kleinkind zum Schulkind und der Übergang vom Kind zum Jugendlichen jeweils mit Veränderungen verbunden die dem Menschen besondere Anforderungen von Anpassung abverlangen. Ebenso kann es beim erwachsenen Menschen zu einschneidenden Veränderungen kommen, wenn er z.B. den Beruf wechseln muss oder in den Ruhestand geht. Während des ganzen Lebens benötigt der Mensch bei jeder Veränderung immer wieder neue Bewältigungsstrategien mit denen er sich der Situation/Umwelt oder die Situation/Umwelt sich ihm anpasst.

Diese besonderen Anforderungen an das Individuum können verschiedene Grade von Stress auslösen. Die erfolgreiche Bewältigung einer Entwicklungsphase wirkt sich positiv bei der Bewältigung der folgenden Entwicklungsphase aus. Wird eine Phase unzureichend bewältigt, kann dies zu Schwierigkeiten in den folgenden Phasen führen.

Beispiel: Im geschilderten Fall U verlässt die junge Frau das Elternhaus mit 18 Jahren, weil sie eine

Ausbildung beginnt. Sie wohnt im Studentenheim. In Kindheit und Jugend hat sie nicht genug

Kompetenz gezeigt, verantwortlich die eigenen Dinge des Wohnumfeldes zu erledigen. Der Vater

hat immer wieder eingegriffen und ihr Zimmer entrümpelt. In ihrem erwachsenen Leben, ist es ihr

auch noch nicht gelungen ihre Wohnung den eigenen Ansprüchen entsprechend zu gestalten. Die

erlernte Hilflosigkeit in diesem Bereich wirkt sich auf die folgenden Lebensphasen aus.

Als traumatische Ereignisse können sich Krisenereignisse auswirken. Sie lassen den Menschen

vielfach erstarren und werden von ihm als schrecklich und überwältigend erlebt. Meist

treten sie bei schweren persönlichen Verlusten (Arbeit, Todesfall, Scheidung), bei plötzlich

schweren Krankheiten und bei schweren Verletzungen und Enttäuschungen (Geburt eines

behinderten Kindes, sexueller Missbrauch) auf.

 

Beispiel: Marlies ist wie erstarrt, kann nichts wegwerfen, lebt im Wohnungschaos seit Christian

sie verlassen hat. Es fing damit an, dass sie nicht wusste wohin mit Christians Sachen. Seit acht

Jahren lebte sie mit ihm zusammen. An einem Morgen stand Christian früher auf als sonst. Er

machte ihr ein Frühstück, sie redeten ein wenig, dann ging er auf den Balkon und sprang in die

Tiefe. Er war sofort tot. (Hunfeld, 2000, S. 62)

Ob eine Situation eine Krise wird, hängt vom Verhältnis der Situationsmerkmale und den individuellen Persönlichkeitsmerkmalen desjenigen ab, der diese Situation bewältigen soll. Eine Krise bedeutet für den Betroffenen immer ein Ereignis, bei dem seine bisherigen Anpassungsmuster nicht stimmig genug sind. Neue Lösungs- und Bewältigungsstrategien sind erforderlich.

Eine Krise als Herausforderung verstanden, die gemeistert werden muss, enthält immer eine Wachstumschance. Wenn der Mensch psychisch stark genug ist, wird er auch schwere Belastungen aushalten können. Ein labiler Mensch hingegen kann schon bei kleinen Belastungen „die Nerven verlieren".

Harte Bedingungen der sozialen und materiellen Umwelt Menschen sind in die soziale und physische Umwelt und deren politische und ökonomische Strukturen eingebettet. Durch diese erfahren sie unaufhörlich Herausforderungen, Möglichkeiten und Hindernisse für angepasstes Verhalten. Diese Herausforderungen und Hindernisse können ein solches Ausmaß annehmen, dass sie die Qualität der wechselseitigen Abstimmung stören und zu unerwünschtem oder auch unannehmbarem Stress führen. Gelingt die Abstimmung, so wirkt sich das positiv für Mensch und Umwelt aus.

Die soziale Umwelt des Menschen besteht aus Beziehungssystemen formaler und informaler Netzwerke. Formale Netzwerke (u a. soziale Einrichtungen), von gesellschaftlichen Institutionen gebildet, entwickeln wie alle sozialen Systeme eine soziale Struktur von Status und Rollen.

Sie haben im Gegensatz zu informellen Netzwerken klare Vorgaben und Ziele. Das informale Netzwerk ist das Beziehungsgeflecht bedeutsamer Bezugspersonen des Menschen, das Verwandte, Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen umfasst. Formale und informale Netzwerke haben unterstützende Funktionen für den Menschen. Sie halten ihm stützende und entlastende Ressourcen bereit, die ihm in Zeiten besonderer Belastungen zur Verfügung stehen. Die Netzwerke selbst können aber auch zu einer Stressquelle werden, wenn sie durch starre Dienstvorschriften und rigide Strukturen in formalen Netzwerken, konflikthafte Zusammenarbeit im Fachteam, Unsicherheit und Stress erzeugen.

Beispiel: In den Messie-Selbsthilfegruppen treffen sich Menschen mit Desorganisationsproblemen,

hauptsächlich die Wohnung betreffend. Sie stellen gemeinsam Regeln für die Gesprächsführung

und für das Programm auf. Informationen werden untereinander ausgetauscht. Gegenseitig

hilft einer dem anderen bei Aufräumarbeiten. Zusammen geht es leichter als alleine. Anträge für

Sozialhilfe oder Wohngeld werden gemeinsam ausgefüllt. Niemand wird alleine gelassen und

kann sich der Sympathie und des Wohlwollens der anderen sicher sein. Verachtung wegen des Zustands

der Wohnung gibt es nicht, denn alle kämpfen mit demselben Problem. Die Selbsthilfegruppen

übernehmen einen großen Teil der Arbeit, die von formellen Netzwerken so nicht geschafft

werden können, da sie zu sehr an Vorschriften gebunden sind. Außerdem ist die Hemmschwelle

zu einer „Institution" zu gehen noch sehr groß.

Formelle Netzwerke (Caritas, Selbsthilfezentren) können die Selbsthilfegruppen unterstützen, indem sie ihnen kostenlos Räume zur Verfügung stellen oder für Gruppenleiter Fortbildungen (Gesprächsführungstechniken, Gruppenführung, Konfliktberatung) anbieten. Professionelle Helfersysteme formeller Natur sind unentbehrlich. Wird im Umgang mit ihnen häufig schlechte Erfahrung gemacht, so wirkt sich dies stressfördernd aus, da nicht auf sie verzichtet werden kann.

In informellen Netzwerken kommt es vor, dass restriktive Normen und Werte, die innerhalb des Netzwerkes gelten und zum Schutz des Systems aufrecht erhalten werden, einzelne Angehörige in ihrer Lebensweise einschränken oder sie sogar von der Außenwelt isolieren. Das Netzwerk einer Jugendbande kann negative Auswirkungen haben. Das folgende Beispiel steht für diese negativen Auswirkungen, ist jedoch nicht auf die Messiesymptomatik bezogen.

Beispiel: Peter gehört einer Jugendbande an. Es ist üblich, dass Mitglieder mit sogenannten Mutproben

ihre Solidarität und Einordnung in die Gruppe unter Beweis stellen müssen; Diebstahl,

Sachbeschädigung, Körperverletzung oder riskante Aktionen für das eigene Leben gehören dazu.

Will ein Mitglied die Achtung der Gruppe behalten, so muss es kriminelle Handlungen der Gruppe

mittragen. Bei Nichtbeachtung der Gruppenregeln droht Ausschluss aus der Gruppe.

Bei der materiellen Umwelt wird zwischen der vom Menschen produzierten Welt und der natürlichen Welt unterschieden. Mit der natürlichen Welt sind die klimatischen und geographischen Eigenschaften, die Landschaft, zeitliche Rhythmen und kosmische Einflüsse gemeint. Die vom Menschen produzierte Umwelt sind u.a. die Strukturen der Architektur, die Vielfalt aller möglicher Gegenstände, Medien, Kommunikation und die Arrangements des materiellen Raumes und aller Objekte und Strukturen in ihm. Eine Hochhaussiedlung wirkt sich anders auf unsere Lebensgestaltung aus als eine kleinstädtische oder dörfliche Umgebung. Ein weitverzweigtes Straßennetz in der Stadt ermöglicht uns zwar die Freiheit, mit dem Auto alles zu erreichen, produziert jedoch durch den Verkehr Abgase und Lärm. Kriterien der natürlichen und der vom Menschen geschaffenen Welt können vom Menschen verinnerlicht und als wichtiger Bestandteil in sein Selbstbild und seine Kultur integriert werden.

Dysfunktionale interpersonale Prozesse in Familien und Gruppen und zwischen Sozialarbeitern und Klienten

Jeder Mensch lebt in mehreren Systemen; in der Familie, der Schule, am Arbeitsplatz, in Institutionen, der Gesellschaft. In jedem System hat der Mensch eine bestimmte Rolle gegenüber den anderen Systemmitgliedern. Die Bedürfnisse, Wünsche und Normen der Systemmitglieder werden in einem Prozess sozialer Anpassung aufeinander abgestimmt. So entwickelt sich innerhalb der Systeme eine Art Gleichgewicht (Homöostase).

Beispiel: Marianne, 47 Jahre, Messie seit 28 Jahren Messie: „Grund für mein Wohnungschaos war

wahrscheinlich das innere Chaos. Ich habe von meinem Mann etwas erwartet, was er mir nicht geben

konnte. Früher haben die Eltern die Verantwortung für mich übernommen und das erwartete

ich wohl nun von meinem Mann. Er sollte dafür sorgen, dass es mir gut geht, aber das ist falsch.

Ich selber muss die Verantwortung übernehmen." Marianne lebt seit zwei Jahren von der Familie

getrennt und hat ihre Wohnung jetzt in Ordnung gebracht. (ORF 2 –Sendung)

Dieser Prozess beinhaltet die Entwicklung von Strategien, Regeln und Verhaltensmustern, die dazu dienen, das System stabil zu halten und es vor Instabilität zu schützen. Als Beispiel kann die traditionelle Rollenverteilung dienen. Die Aufteilung von Macht und Autoritäten, die Männer im wesentlichen bevorzugen, wird von Frauen mehr und mehr in Frage gestellt. Frauen wollen mehr an der Entscheidungsfindung, der Verteilung von Aufgaben und der Zustän- digkeiten im Interesse des Systems mitwirken. Dies kann eine Bedrohung der Stabilität des Systems für den Mann darstellen. Ein unterschiedlicher kultureller Hintergrund, die damit verbundenen unterschiedlichen Normen, Ansichten, Lebensweisen und Erwartungen der Geschlechter können zu Konflikten führen. Die Ursache sind fehlangepasste Beziehungs- und Kommunikationsmuster.

Stimmen die Beurteilungen über eine Situation zwischen Klienten und Sozialarbeiter nicht überein bzw. ist es dem Sozialarbeiter nicht möglich, sich ausreichend auf die Situation des Klienten einzulassen, so wird ein erfolgreiches Arbeiten unmöglich.

5.3.2 Stress als Belastung oder Herausforderung

Lebensereignisse können den Anpassungszustand zwischen einer Person und ihrer Umwelt aus dem Gleichgewicht bringen (ebd. S. 12). Die Person muss aktiv werden, um den Anpassungszustand wieder herzustellen. Das Ungleichgewicht wird als die Ursache für Stress angesehen.

Dabei muss zwischen den Umweltbedingungen bzw. Situationen die Stress auslösen (Lebensereignisse) und den darauf folgenden Reaktionen des Individuums (z. B. Blutdrucksteigerung, Anspannung, Leistungsschwankung usw.) unterschieden werden. Stress kann Belastung bedeuten oder kann als Herausforderung angesehen werden (ebd. S. 15). Hat die Person die Überzeugung dass sie der veränderten oder plötzlich auftretenden Situation nicht gewachsen ist, so wird ein Problem daraus, selbst wenn die Fähigkeit zur Bewältigung vorhanden sein sollte. Besteht die positive Einschätzung, dass die Situation gemeistert werden kann, so wird dies als Herausforderung angenommen. In der ökosozialen Betrachtungsweise werden Probleme im Feld zwischen Personen und Umwelt lokalisiert und als fehlangepasste Transaktionen innerhalb des Lebensraumes definiert.

Transaktion meint die wechselseitige Beeinflussung von Person und Situation. Das Verhalten der Person wirkt auf die Situation ein. Dieser Eingriff ruft rückwirkend bei der Person Veränderungen hervor. Die Unterstützungsleistung der Sozialarbeit soll auf das Ziel gerichtet sein, das Anpassungspotential der Klienten zu stärken. Unter Anpassung ist der Vorgang zu verstehen, der zu mehr oder weniger gelungenen Übereinstimmungen zwischen den Bedürfnissen und Zielen des Menschen und den jeweiligen Anforderungen bzw. Möglichkeiten aus der Umwelt führt (ebd. S. 10-11).

5.3.3 Beziehungsfähigkeit, Kompetenz, Selbstwertgefühl und Selbststeuerung

Als lebenswichtige Grundvoraussetzungen für die Wiederherstellung der positiven Wirkungen angepasster Person-Umweltbeziehungen werden Beziehungsfähigkeit, Kompetenz, Selbstwertgefühl und Selbststeuerung genannt (ebd. S. 20). Beziehungsfähigkeit ist eine Fähigkeit, die dem Menschen ermöglicht, Bindungen einzugehen.

Bindungen haben einen positiven Einfluss auf das Leben. So haben, z.B. Säuglinge eine größere Chance zu überleben, wenn sie mit Bindungsverhalten ausgestattet sind und die Mutter entsprechend darauf reagiert. „Isolation und Einsamkeit durch Trennung oder Verlust kann nur durch die Entwicklung einer neuen Bindung erleichtert werden, nachdem der Trauerprozess abgeschlossen ist" (ebd. S. 22). „Beziehungsfähigkeit impliziert also auch Vorstellungen über Einsamkeit, Isolation und unterstützende Netzwerke" (ebd. S. 21). Solche sozialen Netzwerke, aus Familie, Freundeskreis, Nachbarn, Arbeitskollegen, Glaubensgenossen usw. können als unterstützende Systeme die Wirkung von Lebensstressoren abmildern. Sie können auch als Coping-Ressourcen bei Problemlösungen dienen. Diese informellen Netzwerke setzen Kräfte frei, da sie den Zugehörigen vermitteln, wertvoll zu sein, geschätzt zu werden und sogar geliebt zu sein. Ein Netzwerk kann jedoch nicht nur fördernde, sondern auch hemmende und einschränkende Auswirkungen haben. (ebd. S. 21).

Beispiel: Der Messie hat keine gute Bindungs-/Beziehungsfähigkeit, meist lebt er allein. Kinder

bzw. Partner trennen sich von ihnen, da sie es in der unzumutbaren Wohnsituation nicht mehr aushalten.

Die Familie ist sozial isoliert: Kinder können keine Freunde einladen und Geburtstage feiern,

Einladungen von Nachbarn, Arbeitskollegen oder Freunden können nicht erwidert werden. Es

scheint, als müsse der Messie als Ersatz für befriedigende Beziehungen Materielles um sich herum

ansammeln. Diese Gegenstände sind einfach da, auf sie muss er sich nicht einstellen, bzw.

muss sich nicht mit ihnen auseinandersetzen oder auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen.

Kompetenzgefühl entsteht aus Handlungen im Laufe des Lebens, die gezeigt haben, dass der Mensch aktiv etwas bewirken kann (Das Kleinkind z B. erwirbt täglich neu Kompetenz hinzu, es lernt Sprechen, Laufen, selber Essen, es gewinnt Selbstvertrauen und ist motiviert Neues auszuprobieren). Dazu gehört auch die Fähigkeit, wenn nötig, nach Hilfe zu suchen oder diese anzunehmen, wenn sie angeboten wird. Sozialarbeiter sollten von der Hypothese ausgehen, dass die Motivation zu aktivem Handeln angeboren ist. Selbst wenn entmutigende Lebenserfahrungen diese Motivation gedämpft haben, sollte es möglich sein, die verschütteten Fähigkeiten wieder zu reaktivieren und für die weitere Kompetenzentwicklung nutzbar zu machen. (ebd. S. 23)

Beispiel: Marianne (s. auch unten) hat soviel Kompetenz zurück gewonnen, dass sie ihr Leben

wieder selbst unter Kontrolle hat und gestalten kann. Die Wohnung ist in einem für sie befriedigenden

Zustand und sie ist auch seelisch mit sich im Einklang.

„Das Selbstwertgefühl signalisiert das Ausmaß, zu dem sich jemand als fähig, bedeutsam, effektiv und wertvoll erlebt" (ebd. S. 24). Wichtig für das Selbst-Konzept, hat das Selbstwertgefühl entscheidende Auswirkungen auf Denken und Handeln des Menschen. Die Achtung vor sich selbst und das Erleben des eigenen Wertes sind für eine befriedigende Lebensführung unerlässlich. Der Grad des Selbstwertgefühls ist ganz unterschiedlich und kann sich während des Lebens verändern. Zu Beginn der Arbeit mit dem Klienten sollte vom Sozialarbeiter gemeinsam mit diesem das Selbstwertgefühl des Klienten eingeschätzt werden. Im Verlauf des Hilfeprozesses kann das Selbstwertgefühl unterstützt und gestärkt werden. (ebd. S. 24)

Beispiel: Marianne hat langjährige Erfahrungen als Messie hinter sich und weiß sehr genau mit

welchen Schwierigkeiten ein Messie zu kämpfen hat. Sie leitet Selbsthilfegruppen der

Messies und kann durch ihre Kompetenz anderen Menschen Mut machen und ihnen bei der Bewältigung

ihrer Probleme beistehen. Die Anerkennung und die Erfahrung für andere nützlich zu

sein stärkt gleichzeitig ihr Selbstwertgefühl.

 

Beispiel: Bei den meisten Messies ist das Selbstwertgefühl schwach ausgebildet. Messies sehen

sich als Versager, haben eine negative Selbsteinschätzung, fühlen sich nicht ausreichend anerkannt,

fangen viele Dinge an, ohne sie zu Ende zu bringen. Das führt zu weiterer Frustration. Sie

kompensieren dieses negative Selbstbild mit dem Sammeln und Anhäufen von Gegenständen, die

eigentlich nicht gebraucht werden. Sie definieren sich durch den Besitz, den sie auch gerne weitergeben,

wenn andere Bedarf haben. Bei vielfältigen Gelegenheiten stehen Messies als Helfer zur

Verfügung. Das Selbstwertgefühl erfährt dadurch jedoch keine nachhaltige Stärkung.

Selbststeuerung bedeutet im Life-Modell innerhalb eines gewissen Spielraumes Kontrolle über das eigene Leben zu haben und für die eigenen Entscheidungen und Handlungen die Verantwortung zu übernehmen. Die Rechte und Bedürfnisse anderer Menschen müssen in jedem Fall mit einbezogen und berücksichtigt werden. Häufig sind es kleinste Schritte, die dazu verhelfen, dem Klienten Gelegenheit zu verschaffen, Entscheidungen zu treffen und, darauf aufbauend, zielorientiert zu handeln. Persönliche Macht und Ohnmacht sind entscheidend für die Ausübung der Selbststeuerung. Misserfolgserlebnisse können zu Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit führen. Das führt zu Passivität und einer Minderung des Selbstwertgefühls, des Kompetenzgefühls und der Selbststeuerung. (ebd. S. 24/25) Für den Sozialarbeiter ist es deshalb vordringlich, diese vier Anlagen des Menschen aufzuspüren, zu erhalten und zu stärken.

Beispiel: Das eigene Leben regeln, die Kontrolle zu haben und Verantwortung zu übernehmen gelingt

dem Messie nicht mehr. Andrea (AM, ORF): „Es ist zwecklos. Ich kriege nichts in die Reihe.

Es sammelt sich einfach an, wird immer mehr."

5.3.4 Phasen des Hilfeprozesses

Eingangsphase

Die Eingangsphase des Hilfeprozesse besteht zum einen aus dem vorzubereitenden Teil und zum anderen aus den einleitenden Kontaktgesprächen. Die Vorbereitung enthält kognitive und affektive Komponenten. Die einleitenden Kontaktgespräche umfassen die Exploration und den Kontraktabschluss.

Die Eingangsphase wird dadurch beeinflusst, ob der Klient die Wahlfreiheit bei dem Hilfeersuchen hatte. Es kommt also darauf an, ob er selbst nach Hilfe gefragt hat, oder ob diese Hilfe angeordnet wurde (z. B. Anordnung der Wohnungsentmüllung durch das Sozialamt oder Gericht). Leichter gestaltet sich die Arbeit in der Regel, wenn Hilfe gesucht wurde, weil dann die Bereitschaft zur Mitwirkung eher vorhanden ist. Andernfalls kann es sein, dass sich der Klient gegen jede Hilfe sträubt, da er sie als Eingriff in seine individuelle Lebenssituation sieht. In der Vorbereitung auf den Hilfeprozess sammelt der Sozialarbeiter alle ihm zur Verfügung stehenden Daten über den Klienten und versucht sich kognitiv und affektiv auf das erste Treffen vorzubereiten. Es ist notwendig, sich in die jeweilige Lebenssituation des Klienten hineinzudenken, um seine Handlungsweisen oder Unterlassungen zu verstehen. Die eigenen Wertvorstellungen, z.B. wie eine Wohnung auszusehen hat, müssen hintangestellt werden und dürfen nicht zur Verurteilung des Klienten führen. Die Beziehung zwischen Sozialarbeiter und Klienten sollte gleichberechtigt, partnerschaftlich gestaltet werden. Von der Seite des Sozialarbeiters muss die Bereitschaft zur weitgehenden Akzeptanz des Klienten vorhanden sein.

Empathie ist die wichtigste Basis für eine gelingende und zum Erfolg führende Beziehung. Fehlt echte Empathie, sind therapeutische Fehlschläge und sogar der Abbruch der Beziehung durch den Klienten unvermeidlich. (German/Gitterman, 1999, S. 57)

Das Erstgespräch hat für den Hilfeprozess große Bedeutung, da dessen Ergebnisse die weitere Arbeit grundlegend beeinflussen. Sozialarbeiter müssen bevor sie eine Hilfeleistung anbieten eine genaue Beschreibung der Beratungsstelle, deren Leistungsangebote und die Aufgabe der Profession darlegen. Wichtig im Erstgespräch ist es vor allem, das Vertrauen des Klienten zu gewinnen. Durch die Art der Gesprächseröffnung soll der Klient dazu ermuntert werden „seine Geschichte" zu erzählen und seine Sorgen und Bedürfnisse auszubreiten. Der Sozialarbeiter beachtet während des Gespräches auch nonverbale Botschaften des Klienten, die auf Angst oder Erleichterung hindeuten können.

Durch einfühlsames Fragen versucht er weitere Einzelheiten zu erfahren, die zur Klärung schon bekannter Fakten beitragen oder diese ergänzen. Zusammen mit dem Klienten erstellt der Sozialarbeiter eine Diagnose die aufzeigen soll, wo das Problem lokalisiert ist und wie es sich manifestiert. Stimmt die Sicht des Sozialarbeiters und die des Klienten überein, können gemeinsam Problemlösungen erarbeitet werden. Die Exploration erstreckt sich über die ganze Zeit der Fallbearbeitung. Am Ende des Erstgespräches wird ein Kontrakt geschlossen. Sozialarbeiter und Klient formulieren gemeinsam die Definition der Problemlage und sollten zu einer wechselseitigen Übereinkunft gelangen, was die Zielsetzung, die jeweiligen Aufgaben und die Zeitdauer der gemeinsamen Arbeit betrifft. (ebd. S. 69 – 73)

Arbeitsphase

In der Arbeitsphase ist das Ziel zweiseitig. Einerseits soll dem Menschen geholfen werden, damit er von der sozialen und materiellen Umwelt, entsprechend seinem Anpassungsbedürfnis und Verarbeitungsmöglichkeiten, Gebrauch machen kann, andererseits soll die Umwelt selbst verändert werden, damit sie auf die Bedürfnisse des Klienten besser abgestimmt ist. Vom Sozialarbeiter erfordert das ein breitgefächertes Repertoire von Techniken und Fertigkeiten. Diese müssen geeignet sein, Selbstachtung, Problemlösungsverhalten und Bewältigungsmechanismen zu aktivieren und zu vermehren. Das Zusammenleben in der Primärgruppe sollte erleichtert werden, Kontakte zu formellen und informellen Netzwerken sollten geknüpft werden. Wichtig ist es, dass Menschen Gelegenheiten finden, in eigener Regie und auf ihrem eigenen Feld zu handeln. Ohnmachtsgefühlen („... es ist ja doch nichts zu ändern ...") sollte durch Entwicklung von persönlicher Macht (Befähigung nach dem Empowermentkonzept) für die eigenen Belange begegnet werden. Nur dort, wo es unabdingbar ist, sollte der Sozialarbeiter als Anwalt des Klienten auftreten (z.B. wenn Gefahr besteht, die Wohnung zu verlieren, ein Gespräch mit Vermieter bzw. Wohnungsamt führen).

Während der Arbeitsphase ist darauf zu achten, dass die Wohnung betreffende, Entscheidungen nicht über den Kopf des Klienten gefällt werden. Auch wenn es schwer fällt, sollte vermieden werden, die Wohnung in einem Gewaltakt auszuräumen (in Einzelfällen wird es dennoch notwendig sein). Eine solche Großräumaktion ruft bei den Bewohnern Panik hervor. Diese bezieht sich auf die gewaltsam zunichte gemachte Hoffnung, „Gutes und Schlechtes – also letztlich auch die mit der Trauer- und Trennungsarbeit verbundenen guten und schlechten Gefühle – irgendwann noch „sortieren" zu können und so zumindest potentiell zu einer inneren Ordnung zu gelangen". (Dettmering, 2000, S. 25)

Ist das im Kontrakt festgelegte Ziel in Sicht, sollte die Ablösungsphase eingeleitet werden (ebd. S. 73 –87).

Ablösephase

Die Ablösephase leitet die Beendigung der gemeinsamen Arbeit ein und kann noch einige Wochen dauern. Wie lang die Ablösephase sich hinzieht muss individuell entschieden werden. In der Ablösephase können, sowohl beim Sozialarbeiter als auch beim Klienten verschiedene Reaktionen auftreten. Diese Reaktionen können sich in Trauer, negativen Gefühlen, Verleugnung und Erleichterung zeigen. Der Sozialarbeiter muss seine und die Reaktionen des Klienten auf die bevorstehende Trennung hin reflektieren und entsprechend darauf eingehen. Nicht jeder Klient wird auf die Trennung gleich reagieren. Mancher empfindet auch nur ein Bedauern, dass die Beziehung zu Ende geht, ist aber eigentlich erleichtert, dass er nun allein zurecht kommt.

Am Schluss der Ablösephase steht die Evaluation. Es wird festgestellt, ob das angestrebte Ziel erreicht wurde und welche Aufgaben noch zu lösen sind. Pläne für die Zukunft werden entwickelt und es wird überlegt, ob eine Kontaktaufnahme mit anderen Stellen (Sozialarbeitern, Selbsthilfegruppen, Therapeuten usw.) angestrebt werden sollte. Die Verabschiedung und Lösung beendet die Hilfeleistung. (ebd. S. 87- 89)

6 Diagnose der eigenen Fallbeschreibungen und Aufzeigen einermöglichen Begleitung durch die Soziale Arbeit

6.1 Fall U

Frau U hat zu Mutter, Schwester, wenigen Freunden und zur Messieselbsthilfegruppe Kontakte. Infolge ihrer angespannten finanziellen Situation (Arbeitslosigkeit) kann sie am gesellschaftlichen Leben nur eingeschränkt teilnehmen. Ein Kinobesuch mit Freunden oder gemeinsam Essen zugehen ist für sie nicht zu bezahlen. So lebt sie sehr isoliert, und neue Kontakte zu knüpfen fällt schwer. Die vierzehntägigen Treffen der Messieselbsthilfegruppe werden genutzt und als aufbauend erlebt. Dort erhält U auch Informationen für mögliche Hilfen und Unterstützungen und erlebt das Gefühl unter Betroffenen akzeptiert und nicht abgewertet zu werden.

U hat zwei abgeschlossene Berufsausbildungen, findet jedoch immer nur kurzfristig eine Anstellung. Das Selbstwertgefühl, Kompetenzgefühl und die Selbststeuerung sind schwach ausgebildet. Infolgedessen hat sie Zukunftsangst, Perspektivlosigkeit und Antriebslähmung. Möglicherweise liegt auch eine Depression vor. Eine medizinische Abklärung sollte angeraten werden, da die Depression die Motivation zu eigenverantwortlichem Handeln weiter hemmt. Die Wohnsituation ist unbefriedigend für U, Schmutz und Unordnung stören sie erheblich.

Trotzdem gelingt es ihr nicht, Ordnung zu schaffen. Nach kurzen Anläufen gibt sie wieder verzweifelt auf, „da es doch keinen Zweck hat". Ein Mitglied der Messiegruppe kommt manchmal zum Helfen. Die Situation von U ist gerade noch erträglich. Sie hat sich noch nicht an eine Stelle der Sozialen Arbeit gewandt, um Hilfe zu bekommen, da sie durch die Selbsthilfegruppe Unterstützung erfährt. Schwierig wird es werden, wenn Wohnungsnachbarn oder der Vermieter Anstoß an dem Zustand der Wohnung nehmen und eine amtlich verordnete Aufräumaktion in die Wege geleitet wird, oder wenn die Kündigung der Wohnung in Aussicht gestellt wird. Eine Vermittlung durch einen Sozialarbeiter ist dann dringend notwendig, um das Schlimmste abzuwenden.

Für U kann es hilfreich sein, in kleinen Schritten eine Strukturierung des Alltages zu planen und auch die Aufräumaktion mit kleinen Abschnitten (eine Schublade aufräumen, eine Ecke von alten Zeitungen, Zeitschriften befreien und zu entsorgen, ...) zu beginnen. Alles auf einmal zu schaffen, wie es U als Ziel hat, ist undenkbar. Diese geplanten Aktionen sollten dann auch durchgeführt werden, notfalls unter Anleitung ( dies kann ebenso durch die Selbsthilfegruppe geschehen).

Eine weitere wichtige Hilfe könnte die Überlegung sein, wie U wieder eine Arbeit bekommt und vor allem auch länger behält. Dazu gilt es im Vorfeld zu klären, welche Ursache zum Verlust des Arbeitsplatzes geführt hat und wie eine Verhaltensänderung herbeigeführt werden kann, um in Zukunft den Arbeitsplatz zu halten. Ein Übungsprogramm für Arbeitsplatzsuche, Bewerbungsschreiben und Bewerbungsgespräche kann durchgeführt werden. Alle diese Überlegungen müssen von U mitgetragen werden, Lösungen für Handlungen sollten möglichst auch von ihr kommen.

Für den Sozialarbeiter ist es nicht einfach die Kräfte von U zu mobilisieren. Gelingt es, so wird durch kleine Erfolge das Selbstwertgefühl gestärkt, was erneut Mut macht, das eigene Leben wieder selbst zu regeln. Solange U nicht selbst Hilfe sucht, kann jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Sozialarbeit nicht tätig werden. Der Sozialarbeiter braucht einen Auftraggeber. Das ist in der Regel eine Institution der informellen Netzwerke (Caritas, Sozialamt, Gesundheitsamt usw.).

6.2 Fall F

Frau F hat gute Soziale Kontakte zu einzelnen Bezugspersonen und zu informellen Netzwerken, wie Chor, Elternbeirat und Qi-Gong-Gruppe. Die Finanzielle Situation ist zufriedenstellend und auch die Wohnung gibt keinen Anlass zu großer Besorgnis. F erkennt, dass die Ansammlung der Dinge aus der Vergangenheit (Kinderkleidungen, Schriftstücke, nicht mehr getragene Kleidung und Schuhe, ...) für sie im Grunde eine Belastung darstellt. Es stört sie, und Energie und Zeit, die besser genutzt werden können, werden gebunden, da sich die Suche nach bestimmten Dingen durch das Zuviel sehr zeitaufwendig gestaltet. Allein kann F eine Aussonderung und Entsorgung nicht bewerkstelligen. Hemmend wirkt sich auch die immer wiederkehrende depressive Phase aus. F ist in psychotherapeutischer Behandlung hat wiederkehrende somatische Beschwerden, wie Kreislaufprobleme, Gelenkschmerzen und starke Kopfschmerzen. F unternimmt einiges, um psychisch und physisch wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Beziehungsfähigkeit, Selbstwertgefühl, Kompetenzgefühl und Selbststeuerung sind gut ausgebildet und benötigen nur ein geringes Maß an Unterstützung. Aus diesem Grunde ist davon auszugehen, dass F sich in ihrem sozialen Umfeld (informelles Netzwerk) Hilfe holt. Nachdem sie erkannt hat, dass sowohl die Depression als auch eine beginnende Messieproblematik bei ihr vorliegt und sie dies, zwar nach langem Zögern, einer nahestehenden Person gegenüber geäußert hat, ist der erste Schritt getan. Sie ist in der Lage, Hilfe anzunehmen und sie ist willens die Situation unter Kontrolle zu bringen.

6.3 Fall W

Das Ehepaar W hat erhebliche Probleme in der Beziehung zueinander. Die angespannte finanzielle Lage, die Sammelleidenschaft des Ehemannes, seine plötzlichen emotionalen und unangepassten Ausbrüche und die mangelnde Einsicht, dass etwas geändert werden muss, verschärfen die Situation zunehmend. Die Realität wird verleugnet, das Leben von der negativen Seite gesehen und die Möglichkeit selber etwas ändern zu können weit von sich gewiesen.

Die vollgefüllte Wohnung (zumindest in Teilbereichen) und Nebenräume lassen bei dem Gedanken eines Wohnungswechsels Panik aufkommen, da dann nur eine radikale Trennung von vielen Dingen in Frage kommt. Die wechselseitige Anpassung an die materielle Umwelt ist nicht mehr gewährleistet. W ist unzufrieden mit seinem Leben, fühlt sich benachteiligt und ist der Meinung, dass nur die Umwelt (soziale wie materielle) sich ändern müsse, damit es ihm wieder besser geht. Eine Idee, was sich ändern könne, hat er nicht. Andererseits zweifelt er auch wieder an seinen Fähigkeiten. Die ganze Last liegt auf den Schultern der Frau, die, wie in der Kindheit der Vater, versucht zwischen den Freunden zu vermitteln, die Wohnung in Ordnung zu halten und die Finanzen in den Griff zu bekommen. Die Gesundheit der Frau ist schon angegriffen und sie befindet sich seit einem Jahr in psychotherapeutischer Behandlung, um mit der angespannten Situation einigermaßen zurecht zu kommen und nicht ebenfalls zu resignieren..

W ist sehr intelligent, hat vielfältiges Wissen und verfügt über besondere handwerkliche Fertigkeiten, gepaart mit einem sicheren Stilgefühl. Trotz dieses reichen Potentials ist sein Selbstwertgefühl, Kompetenzgefühl und die Selbststeuerung sehr schwach ausgeprägt. Die Kindheitsgeschichte weist etliche schwere Kränkungen und Abwertungen auf, die bei der Sensibilität des W erheblichen Schaden angerichtet haben. An Erfolgen kann er sich nicht freuen, sondern braucht immer wieder Anerkennung und Bestätigung von Dritten.

Neben der Sammelleidenschaft und dem Nichtwegwerfenkönnen, dem typischen Messieverhalten, deuten viele Verhaltensmuster auf Komorbiditäten hin. Die Schullaufbahn und die dort aufgetretenen Schwierigkeiten und Merkmale im Erwachsenenleben (kein Zeitgefühl, emotionale Schwankungen, nicht länger an einer Sache bleiben können, schnelle Beurteilung der Mitmenschen usw.) lassen die Annahme einer nicht diagnostizierten ADS zu. Weitere psychische Erkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen können in Betracht kommen, Zwangserkrankung (es muss alles noch Verwertbares mitgenommen werden, ständige Beschäftigung mit einem Ordnungssystem, Eigensinn, Bestehen auf Unterordnung anderer ...), Depression (Antriebslähmung, Selbstzweifel, negatives Selbstbild, keine Freude). Grund für diese Depression kann gelernte Hilflosigkeit sein, entstanden durch die wiederholt erlebten Misserfolge und das Gefühl, doch nichts machen zu können (Seligmann, 1986, S. 72 –101).

Plötzliche Wutausbrüche, selbstschädigende Handlungen (Geldausgaben, Substanzmissbrauch, aggressives Autofahren), Stimmungsschwankungen und Suiziddrohungen lassen die Vermutung einer Borderlinepersönlichkeit zu. Da W keinerlei Einsicht zu erkennen gibt, dass er Hilfe braucht, bzw. selbstverantwortlich sein Leben regeln will, ist es äußerst schwierig für die Soziale Arbeit, tätig zu werden. Selbst, wenn die Frau Hilfe sucht, kann nicht mit dem Ehepaar gearbeitet werden, wenn W dies ablehnt. Das System ist gestört. Die Probleme können nur zusammen mit allen Systemangehörigen bearbeitet werden. Es besteht lediglich die Möglichkeit, dass durch plötzlich eintretende Lebensereignisse (Wohnungskündigung, schwere Krankheit, Arbeitsplatzverlust der Ehefrau,...) der Leidensdruck so hoch wird, dass dann Hilfe gesucht und zugelassen wird.

Im Falle einer sozialarbeiterischen Beratung ist ein sehr umfassender Hilfeplan aufzustellen, der folgende Bereiche umfasst:

Stärkung des Selbstwertgefühls, wecken der Motivation für eigenverantwortliches Handeln und Freude daran, Mut machen zur Annahme von Hilfe (keine fürsorgliche Hilfe, sondern Hilfe zur Selbsthilfe)

Abklärung der Komorbidität durch einen spezialisierten Mediziner und Einleitung evtl. notwendiger Therapien

Paarberatung

Finanzberatung, sowohl die Altersicherung, als auch wirtschaftliche Lebensführung mit Einsparmöglichkeiten betreffend

Strukturierung des Alltags; tägliche wiederkehrende Aufgaben und langsames Entrümpeln nicht benötigter Gegenstände, Anpassung der Wohnung an die Bedürfnisse der Bewohner

Aufbau eines tragenden sozialen informellen Netzes, Verbesserung und Vertiefung der Beziehung zu wirklichen Freunden

Bewusstsein schaffen für die eigenen wertvollen Ressourcen deren Anerkennung und Nutzung für befriedigende Beschäftigungen

Die vorgenannten Themenbereiche überlappen sich teilweise und beeinflussen sich evtl. gegenseitig. Eine eingeleitete Therapie gegen die Depression kann die Antriebslähmung abschwächen und es kann dadurch die Erledigung täglicher Arbeiten wieder besser gelingen. In diesem Fall wäre eine interdisziplinäres Zusammenarbeiten von Arzt, Therapeut und Sozialarbeiter wünschenswert. Ein von allen zusammen erarbeitetes Gesamtkonzept würde ein effizienteres Arbeiten ermöglichen. Insgesamt kann sich der Prozess für Veränderungen, Angleichungen und eine befriedigendere Lebensführung in diesem Fall über einen längeren Zeitraum hinziehen. Infolge des fortgeschrittenen Alters und der manifestierten Verhaltensmuster sind nur kleine Fortschritte zu erwarten.

6.4 Zusammenfassende Betrachtung

Professionelle Begleitung durch die Soziale Arbeit wurde in keinem der beschriebenen Fälle geleistet. U gehört einer informellen Gruppe (Selbsthilfegruppe der Messies) an. Die beiden anderen Fälle F. und W) werden in Bezug auf das Messe-Syndrom weder durch informelle, noch durch formelle Netzwerke unterstützt. F befindet sich in psychotherapeutischer Behandlung. Bei W lassen sich unterschiedliche Komorbiditäten vermuten. Er befindet sich nicht in therapeutischer Behandlung.

7 Vorhandene Einrichtungen, Möglichkeiten und Grenzen der Sozialen

Arbeit im Zusammenhang mit dem Wohnungschaos

7.1 Vorhandene Einrichtungen

7.1.1 H-Team – München3

H-Team heißt Helfer-Team. Es ist ein eingetragener Verein, der dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband angeschlossen ist und Entmüllungen, Wohnungsgrundreinigung, regelmäßige ambulante Nachbetreuung und Betreuung nach dem Betreuungsgesetz anbietet. Das H-Team besteht seit zwölf Jahren. In den letzten Jahren wurden jährlich etwa 70–80 Wohnungen entmüllt und renoviert. Bei diesen Wohnungen handelte es sich überwiegend um Wohnungen von alten, z.T. dementen Menschen und von Drogenabhängigen oder Alkoholabhängigen.

Der Grad der Verwahrlosung war extrem. Meldungen kamen vom ASD (Allgemeinen Sozialdienst), von Krankenhäusern oder durch Gerichte). Die Wohnungen werden besichtigt und der Istzustand durch Fotos dokumentiert. Mit den Bewohnern werden Gespräche geführt, die finanzielle Situation wird eingeschätzt, ein Kostenvoranschlag erstellt und Anträge für die notwendige Finanzierung beim Sozialamt gestellt.

Es wird Wert darauf gelegt, dass der Klient möglichst in der Wohnung bleiben kann. Verhandlungen mit dem Vermieter werden geführt. Die Aufräumarbeiten werden durch das H-Team übernommen, oder wenn es zu schlimm ist, wird eine Firma, die darauf spezialisiert ist Wohnungen zu entmüllen, eingeschaltet. Im Vordergrund steht jedoch, den Bewohner der Wohnung in die Aufräumarbeiten mit einzubeziehen und somit seine Wünsche weitgehend zu berücksichtigen.

Wenn die Wohnung in einem zumutbaren Zustand ist, wird eine weitere Begleitung notwendig sein, da die Wohnung sonst innerhalb kürzester Zeit wieder vollläuft.

Das H-Team bekommt Zuschüsse vom Sozialamt für die Personalkosten. Die direkt zuzuordnenden Kosten für Entmüllung oder weitere Hilfen (z.B. Haushaltshilfe) werden nach BSHG

§ 72 (Hilfe zur Überwindung besonderer Sozialer Schwierigkeiten) erstattet.

3 Informationen durch Befragung des Leiters der Einrichtung, Herrn Wedel

7.1.2 HERA – Stuttgart4

HERA steht für „Hilfe für Menschen mit Problemen im Wohnraum". Es ist ein Projekt des Sozialamtes der Stadt Stuttgart und der Caritas, das auf drei Jahre angelegt wurde. Beginn war im Januar 2000. Die Verfahrensweisen wurden vom Sozialamt festgelegt. Die Kosten für die betreuten Fälle werden vom Sozialamt übernommen. Voraussetzung für die zu leistende Hilfe ist jeweils eine Kostenübernahmeerklärung des örtlich zuständigen Sozialamtes. In der Regel wird eine Kostenverpflichtung für sechs Monate übernommen. In begründeten Einzelfällen kann die Kostenübernahme auf Antrag noch verlängert werden.

nicht mehr von herkömmlichen Wohnverhältnissen gesprochen werden kann

die Bewohner selbst oder die Nachbarschaft in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt sind

der Zustand der Wohnung mit vermüllt oder verwahrlost beschrieben werden kann

aufgrund dessen Zwangsräumung oder Kündigung droht

die Probleme überhand nehmen und niemand so richtig weiß, wie es denn weitergehen soll

Psychosoziale Begleitung

Entmüllung, Entrümpelung und Reinigung der Wohnung mit den Klienten

4 Telefonische Auskünfte von Frau Berger und Informationen aus den Jahresberichten der HERA von 2000 und 2001

Organisation zusätzlicher Hilfen, z.B. Nachbarschaftshilfen, Reinigungsdienste, Renovierungen

Zusammenarbeit mit beteiligten Privatpersonen und anderen Diensten (ASD, SozialpsychiatrischeDienste, Altenhilfe, Ehrenamtliche)

Konfliktmoderation mit Nachbarschaft und Vermietern

gemeinsam mit den Betroffenen die Wohnsituation zu verbessern

ein selbständiges, menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen

drohenden Wohnungsverlust abwenden

soziale Isolation aufbrechen

HERA hat, lt. Jahresbericht, im Jahr 2000 von 37 vermittelten Fällen mit 28 Personen erfolgreich Kontakt aufnehmen können. Davon beendeten neun Personen den Kontakt auf eigenen Wunsch nach acht Wochen. Im Jahr 2001 wurden 46 Personen gemeldet. Eine Kontaktaufnahme war bei 39 Personen erfolgreich, von sieben Personen wurde der Kontakt auf eigenen Wunsch wieder abgebrochen. In 28 Fällen wurde die Betreuung nach sechs Monaten beendet.

Bei elf Personen dauerte die Betreuung länger als sechs Monate und bei sieben Personen dauerte die Betreuung länger als ein Jahr. Die erste Kontaktaufnahme ist ausschlaggebend für die weitere Arbeit. Das Vertrauen des Klienten muss gewonnen werden. Sollten Vorbehalte bestehen, sich in den Räumen der Caritas zu treffen und sollte auch die eigene Wohnung als Treffpunkt nicht gewünscht werden, so ist ein Treffen auch ganz unkonventionell, etwa in einem Café möglich. Die Wohnung muss in Augenschein genommen werden bevor die Entscheidung getroffen werden kann, ob es zu einem Betreuungsverhältnis kommt. Durch die Veröffentlichung in der Presse wurde die Arbeit von HERA und die dahinter stehende Problematik in Stuttgart zunehmend bekannt. Das führte dazu, dass Betroffene, Verwandte oder Nachbarn nach Informationen fragten und um Hilfe baten. Für das Jahr 2002 wird deshalb die Einrichtung einer Sprechstunde für Angehörige und Betroffene geplant. Außerdem wird ein Informationsaustausch mit ähnlichen Diensten in anderen Städten und eine Vernetzung mit anderen Diensten angestrebt.

7.2 Möglichkeiten der Sozialen Arbeit

7.2.1 Öffentlichkeitsarbeit

Das Messie-Syndrom ist nicht sehr bekannt, da die Menschen nach außen hin meist unauffällig sind. Die in der Einleitung beschriebene Kurzumfrage zum Bekanntheitsgrad hat gezeigt, dass diese Problematik auch nur knapp der Hälfte der Studierenden der Sozialen Arbeit bekannt ist. Aus der Beschreibung der Arbeit des HERA-Teams (siehe dort) ergibt sich, dass Betroffene mit einem Desorganisationsproblem der Wohnung, Angehörige von Betroffenen oder die Nachbarschaft sich angesprochen fühlen und selbst nach Hilfe und weiteren Informationen fragen, wenn publik wird, dass es für derartige Probleme Hilfsmöglichkeiten gibt.

Oftmals wird den Menschen erst beim Lesen eines Zeitungsartikels bewusst, dass „ihr Problem" behandlungsbedürftig ist und sie nicht allein derartige Schwierigkeiten mit der Wohnung haben. Die Mitglieder der Anonymen Messies, die sich in den Selbsthilfegruppen treffen, sind fast alle durch Zufall (Zeitungsartikel, Fernsehsendungen, Ratgeberbücher) darauf gestoßen, dass es sich um ein „Krankheitsbild" handelt.

Soziale Arbeit hat nicht nur die Aufgabe sich um Fallarbeit, Gruppenarbeit oder schon bestehende Probleme zu kümmern, sondern sie hat auch gesellschaftliche, bzw. politische Aufgaben (etwa Missstände aufzudecken und präventive Arbeit zu leisten). Das Messesyndrom, bedingt durch gesellschaftliche Veränderungen wie Vereinzellung, Auflösung der herkömmlichen Familienstrukturen und damit tragender Bindungen, kann sich ausbreiten und dann zu einem Problem der Gesellschaft werden. Es wird nicht möglich sein, eine wachsende Zahl der Fälle zu bearbeiten.

Aus diesem Grunde sollte Die Soziale Arbeit diese Problematik öffentlich bekannt machen, indem seriös über das Messie-Syndrom berichtet wird. Das kann in Tageszeitungen für die Bevölkerung geschehen, aber auch in Fachveröffentlichungen für Sozialarbeiter, Ärzte und Therapeuten. An der Hochschule sollten zumindest in einigen Seminaren bzw. in bestimmten Schwerpunkten (Altenarbeit und Familienarbeit) Informationen darüber angeboten werden. Dienste, die in die Häuser und Wohnungen gehen (Mitarbeiter der Sozialstationen, Familienhelfer, Hausärzte) sollten durch Fortbildungsveranstaltungen informiert werden, da sie als erste verdächtige Veränderungen in den Wohnungen bemerken und die Bewohner auf Hilfsmöglichkeiten hinweisen können.

Eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit kann dazu führen, dass schon in minder schweren Fällen Hilfe gesucht und angeboten werden kann und schwerwiegende Folgen (z.B. Krankheit, Zerfall der Familien, Einweisung in die Psychiatrie, Wohnungsverlust) dadurch zu vermeiden sind.

7.2.2 Ansiedlung der Dienste in Sozialbürgerhäusern

Die Landeshauptstadt München plant über das Stadtgebiet verteilt die Errichtung von siebzehn Sozialbürgerhäusern. Vier Sozialbürgerhäuser haben die Arbeit schon aufgenommen. In den Sozialbürgerhäusern sind Dienste dezentral angesiedelt, welche die Bürger eines Stadtbezirks häufig in Anspruch nehmen. Dazu gehören jeweils Vertreter aus folgenden Institutionen:

Sozialamt, Sozialhilfestelle, Wohngeldstelle

Jugendamt

Caritas

ASD

Flüchtlingsamt

Psychologischer Dienst

In einem der Sozialbürgerhaus gibt es als Pilotprojekt noch eine Stelle des Arbeitsamtes (Jobbörse). Der Sozialpsychiatrische Dienst ist noch nicht eingebunden, sondern besteht gesondert. Es ist zu überlegen einen Dienst wie HERA in den Sozialbürgerhäusern anzusiedeln, z.B. unter der Regie der Caritas oder des ASD. Da die Dienste der Sozialbürgerhäuser im gegenseitigen Austausch arbeiten und bei Fällen, die mehrere Fachbereiche betreffen, im Team beraten, wäre das für die Messieproblematik durchaus sinnvoll. Wünschenswert wäre, dass auch der Sozialpsychiatrische Dienst integriert wird, um Komorbiditäten von Anfang an zu diagnostizieren und Betroffene einer geeigneten Therapie zuzuführen. Die Hemmschwelle, Hilfe in einem Sozialbürgerhaus zu suchen, ist sicher geringer, als der oft frustrierende Gang von einer zuständigen Stelle zur anderen.

7.2.3 Selbsthilfegruppen

Soziale Arbeit kann Selbsthilfegruppen ermöglichen und fördern (in München besteht ein Selbsthilfezentrum). Dies kann durch Bereitstellung von geeigneten Räumen (kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr) geschehen. Unterstützung durch Beratung, über Gruppenarbeit, Gesprächsführungsregeln oder Fachinformationen sind denkbar. Der Sozialarbeiter sollte im Hintergrund bleiben, möglichst nur auf Anfrage zur Verfügung stehen, und die Selbsthilfegruppen in Eigenregie arbeiten lassen. Die Selbsthilfegruppen leisten wertvolle Coping-Hilfe. (Germain/Gitterman, 1999, S. 239)

7.3 Grenzen der Sozialen Arbeit

Der Sozialarbeiter kann nur im Rahmen eines Auftraggebers seine Arbeit aufnehmen. Das kann ein einzelner Klient sein, der nach Hilfe fragt, oder eine Institution, welche die Beratung für einen bestimmten Personenkreis (z B. Messies) in ihrem Konzept integriert hat. Der Sozialen Arbeit sind immer dann Grenzen gesetzt, wenn die Finanzierung eines Projektes oder einer einzelnen Hilfeleistung nicht gesichert ist, oder nicht ausreichend für die jeweilige Maßnahme ist. Eine weitere Grenze besteht im Hinblick auf die Messiesymptomatik darin, dass sich der Klient gegen jegliche Hilfe sträubt oder eine schon begonnene Beratung abbricht.

7.4 Zusammenfassung

Möglichkeiten für die Soziale Arbeit nach Germain/Gitterman bestehen darin, in der sozialen Umwelt Ressourcen zur Verfügung zu stellen, indem der Sozialarbeiter zwischen Klienten und Sozialsystem vermittelt (Öffentlichkeitsarbeit führt dazu, dass beide Systeme aufeinander aufmerksam werden und in wechselseitigen Kontakt treten können). Als Anwalt (advocating) der Klientel kann er die Organisation zu größerer Aufgeschlossenheit bewegen, etwas zu tun (Einrichtung besonderer Dienste für Messies, z.B. in Sozialbürgerhäusern) und er kann zu innovatorischem Handeln (Selbsthilfegruppen) anregen. (ebd. S. 237–240) Die Grenzen für sozialarbeiterisches Handeln sind zum einen in der Person des Hilfeempfängers begründet, wenn dieser Hilfe ablehnt und zum anderen in knappen finanziellen Ressourcen.

8 Resümee

Messies finden sich in unterschiedlichen Altergruppen, in der überwiegenden Zahl jedoch in der Altergruppe der über 50jährigen. Sie kommen aus allen sozialen Schichten und sind bei Männern und Frauen gleichermaßen verbreitet. Männer fallen weniger häufig auf, da bei ihnen die vorhandenen Ehepartnerinnen oder Lebenspartnerinnen versuchen, die Situation noch erträglich zu gestalten.

Messies haben ein Problem sich selbst zu organisieren und mit ihrer Zeit umzugehen. Bei ca. 70% (Förderverein zur Erforschung des Messie-Syndroms) der Messies besteht ein Hang zum Sammeln und Horten. Das innere Chaos und das mangelnde Selbstwertgefühl wird nach außen im Wohnungschaos und im übermäßigen Ansammeln von Gegenständen dokumentiert.

Eine nichtdiagnostizierte ADS kann der Grund für die Desorganisation sein. Psychische Begleiterkrankungen können zum Messiephänomen führen aber auch erst aufgrund des Messie- Syndroms auftreten. Eine eindeutige Klassifizierung als Krankheitsbild ist derzeit noch nicht möglich.

Abgrenzungen zu anderen Formen der Wohnungsverwahrlosung sind nur insofern möglich, als bei Messies noch wahrgenommen wird, dass etwas „nicht in Ordnung" ist und die Person gepflegt und unauffällig in Erscheinung tritt. Messies leiden, wollen etwas ändern, können es aber nicht. Trotz Scham und Rückzugstendenzen versuchen sie aus der Situation herauszukommen

(Selbsthilfegruppen, Suche nach Informationen). Die Grenzen zu den anderen Arten der Wohnungsverwahrlosung sind fließend. Einige wenige „fröhliche Chaoten", die nichts ändern wollen sind ebenso anzutreffen, wie solche, die infolge gravierender psychischer Persönlichkeitsveränderungen keinerlei Krankheitseinsicht zeigen.

Für die Soziale Arbeit besteht die Schwierigkeit darin, erste Kontakte zu Messies aufzunehmen. Die Möglichkeit einer Hilfe durch die Soziale Arbeit ist bei den Betroffenen nicht ausreichend bekannt und die Hemmschwelle offizielle Hilfe anzunehmen ist relativ groß. Ein weiteres Problem für die Soziale Arbeit stellt die Finanzierung dar. Es muss immer erst geklärt werden, welcher Träger für welche Maßnahme die Kosten übernimmt, bzw. inwieweit der Betroffene die Kosten selber tragen muss und kann. Gegen den Willen des Betroffenen kann nichts unternommen werden, es sei denn, Gefahr ist in Verzug und Zwangsmaßnahmen müssen eingeleitet werden.

Da die Soziale Arbeit auf vielen Feldern tätig ist, besteht die Möglichkeit, schon frühzeitig auf eine sich anbahnende Messieproblematik aufmerksam zu werden. Dazu ist es notwendig, bei Problemfällen (z.B. auffällige Kinder oder Jugendliche) auch den häuslichen Bereich in Augenschein zu nehmen. Bei Vera König (siehe Beispiel unter 2.2) hätte ein langer Leidensweg des Kindes verhindert werden können.

Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildung der Fachdienste sind weitere Instrumente, um den Bekanntheitsgrad des Messie-Syndroms zu erweitern und dadurch rechtzeitige Kontakte zu erleichtern. Soziale Arbeit kann in Fachgremien dafür plädieren, bzw. konstruktiv mitarbeiten, um Dienste wie HERA als eigene Teildienste unter dem Dach einer Organisation oder in München in den Sozialbürgerhäusern zu etablieren. Kontakte zu anderen Fachdisziplinen, wie Psychiater, Therapeuten, Ärzten sollten intensiviert werden, um eine umfassende Beratung und Begleitung zu gewährleisten.

Literaturverzeichnis

Monographien

Dettmering, Peter/Patenaci, Renate 2000 Das Vermüllungssyndrom, Theorie und Praxis, Dietmar Klotz, Eschborn bei Frankfurt am Main 2000

DMS-IV 1996 Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer

Störungen, Göttingen Bern Toronto Seattle, 1996

Engelke, Ernst 1999 Theorien der Sozialen Arbeit. Lambertus, Freiburg im Breisgau, 1999 (2. Auflage)

Felton, Sandra 1997 Laß uns das Chaos überleben, Hilfen für Menschen, die mit Messies leben, Brendow Moers 1997

Felton, Sandra 1999 Neuer Mut im Alltags-Chaos, Wie Messies einander helfen können, Brendow Moers, 1999

Fitzner,Thilo/Stark, Werner et al. 2000 ADS: verstehen –akzeptieren – helfen. Das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit Hyperaktivität und ohne Hyperaktivität, Beltz Weinheim und Basel, 2000

Germain, B. Carel, Gitterman, Alex, 1999 Praktische Sozialarbeit. Das „Life Modell" der Sozialen Arbeit in Theorie und Praxis. Enke Stuttgart, 1983 (3. Auflage 1999)

Hallowell, Edward M./Ratey John, 2001 Zwanghaft zerstreut, oder die Unfähigkeit, aufmerksam zu sein, ro ro ro Reinbek bei Hamburg, 1998 (5.Auflage 2001)

Herriger, Norbert 1997 Empowerment in der Sozialen Arbeit, Eine Einführung, Stuttgart Berlin Köln, 1997

ICD-10 V (F) 2000 Internationale Klassifikation psychischer Störungen, klinisch –diagnostische Leitlinien,1992 (4. Auflage 2000)

Jüntschke, Anita 2001 Im Chaos bin ich der King! Überlebenstraining für Messie-Männer, Brendow Moers, 2001 (8. Auflage 2001)

König, Vera 2000 ... und morgen wird alles anders, Autobiographie einer Frau, deren Mutter am sogenannten Vermüllungssyndrom leidet, Editon Fisher Frankfurt/Main, 1999 (3. Auflage 2000)

Kreft/Mielenz 1988 Wörterbuch der Sozialen Arbeit. Belzt, Weinheim u. Basel, 1980 (4, Auflage 1988)

Maja, Heiner et al. 1998. Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Lambertus Freiburg i. Breisgau 1944 (4. Auflage 1998)

Seligmann, Martin E. P. 1986 Erlernte Hilflosigkeit, Psychologische Verlags-Union Urban u. Schwarzenberg, München/Weinheim, 1986

Solden, Sari 1999 Die Chaosprinzessin, Frauen zwischen Talent und Misserfolg, Selbstverlag Bundesverband d. Elterninitiative zur Förderung hyperaktiver Kinder e.V.

Steinmann, Kurt 1999 Diogenes von Sinope, erzählt von Diogenes Loertios, aus dem Griechischen: Kurt Steinmann, Diogenes Zürich, 1999

Wendt, Wolf Rainer 1990 Ökosozial denken und Handeln. Grundlage und Anwendungen in der Sozialen Arbeit, Freiburg i. Breisgau, 1990

Dissertationen und Diplomarbeiten

Hoffmann, Werner 1990 Das Vermüllungssyndrom, Verwahrlosung im Alter, Fakultät der technischen Universität München zur Erlangung des akademischen Grades eines Dr. der Medizin, 15.05.1990

Guindon, Herta 1996 Vermüllungssyndrom, Erlangen-Nürnberg, 1996, (Dissertation)

Sonstige Quellen (Zeitschriften, Internet, Referaten, Tagungen)

Bönigk-Schulz, Marianne 2001 Was sind Messies?,http://www.femmessies.de

Clark, A.N.G./Munikar, G.D.Gray, L. 1975 Diogenes Syndrom: a clinical study of gross neglect in old age. Lancet, Febr. 1975, S. 366 - 368

Frost, Randy .2001 Objekte signalisieren Halt in einer unsicheren Welt. Psychologie Heute, April 2001

Hunfeld, Frauke/Schläger, Georg 2000 Leben zwischen Müll und Moll, in: Stern 2/2000, S. 62 - 66

Klosterkötter J., Peters U.H.1985 Das Diogenes-Syndrom, in: Fortschritte der Neurologie Psychiatrie, Jahrg. 53 (1985) S. 427 –434, Georg Thieme Verlag Stuttgart

Krause/Krause/Trott 1998 Das Hyperkinetische Syndrom des Erwachsenenalters. Der Nervenarzt, Springer 7/1998,S. 543 - 556

Lindstedt, Lothar 2000 Die Wohnungs-Verwahrlosung, als Oberbegriff für Vermüllungssyndrom, Sammelsyndrom, Defizitverwahrlosungen und Messiesyndrom, Referat in Ingolstadt am 6.10.2000 auf dem Fortbildungskongress: Öffentliche Gesundheit 2000 Gesundheitsamt der Stadt Augsburg, CD

Neuhaus, Cordula Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit und ohne Hyperaktivität –nur bei Kindern? O. J. Neuhaus, Cordula 2001 Eine andere Art, die Welt zu sehen, in: Psychologie Heute, Dezember 2001, S. 33 – 37 Nuber, Ursula 1995 Sie ungeheure Last des Überflüssigen, Psychologie Heute, April 1995, S. 20 - 26

Schrep, Bruno 2000 Das Mädchen, der Müll und der Hass, in: Der Spiegel 28/2000, S. 108 - 111

Steins, Gisela 2000 Untersuchungen zur Deskription einer Desorganisationsproblematik: Was verbirgt sich hinter dem Phänomen Messie? Zeitschrift für Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Heft 3 Jahrgang 48/2000, Verlag Ferdinand Schöning, S. 266 - 279

Tagungsdokumentation: 1. Messie – in Berlin Fachtagung 2000 Förderverein zur Erforschung des Messie-Syndroms e.V. (FEM), Blomberg, Mai 2000

Wolff, Georg Das Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) bei Erwachsenen (mit Hinweisen auf die „Messie"- Symptomatik), Hannover, o. J.(Broschüre)

Fernsehsendungen

ARD, 11.01.2002, 21.45 Uhr, „Geliebter Müll – Vom Mann der nichts wegwerfen konnte".

SAT 3, 21.01.2002, 21,45 Uhr, „Wenn die Wohnung überquillt – Messies – ein Leben im Chaos".

ORF 2, 25.04.2000, 23.05 Uhr, „Die Sammler".

Anhang

Erklärung

Ich versichere, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig verfasst und außer den angeführten keine weiteren Hilfsmittel benützt habe.

Soweit aus den im Literatur- und Quellenverzeichnis angegebenen Werken einzelne Stellen dem Wortlaut oder dem Sinn nach entnommen wurden, sind sie in jedem Fall unter Angabe der Entlehnung kenntlich gemacht. Die Versicherung selbständiger Anfertigung bezieht sich auch auf die in der Arbeit enthaltenen bildlichen Darstellungen. Meine Diplomarbeit wurde noch an keiner anderen Stelle veröffentlicht und sie wird nicht veröffentlicht werden, bevor die abschließende Bewertung erfolgt ist.

Dass ein Verstoß gegen die zuvor abgegebenen Erklärungen einen Ausschluss von der Prüfung nach sich zieht und die Prüfung damit ungültig wird, ist mir bekannt.

München, 31.März 2002

Brunhilde Arlt

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