Rat und Hilfe für Angehörige und Freunde der Menschen mit einem Messie-Syndrom

 

Marianne Bönigk-Schulz

 

Information über diese seelische Störung

Therapie  -  Selbsthilfe

 Bundesgeschäftsstelle der Angehörigen-Selbsthilfe von Messies beim FEM e.V.

  

Herausgeberin:

Marianne Bönigk-Schulz

Tegerstraße 15, 32825 Blomberg

 

FÖRDERVEREIN ZUR ERFORSCHUNG DES MESSIE-SYNDROMS (FEM) e.V.

Bundesgeschäftsstelle der Messie und Angehörigen Selbsthilfegruppen Deutschland

 

Tegerstraße 15, 32825 Blomberg

Tel. 05236-888795

Fax 05236-888796

EMail: femmessies@t-online.de

Internet: htpp://www.femmessies.de

Internet: htpp://www.messie-selbsthilfe.de

 

Spenden-Konto:

Sparkasse Detmold (BLZ 476 501 30) Kto.-Nr. 470 492 42

Copyright

© Alle Rechte bei den Autoren

Nachdruck nur mit Genehmigung des Herausgebers.

„Rechteinhaber für die in dieser Broschüre verwandten Zitate werden freundlich gebeten, sich mit dem FEM e.V. in Verbindung zu setzen.“

 Ausgabe 02/2005

 ISSN 1860-8302

 Inhalt

Vorwort

Sie sind nicht allein!

           Warum können wir nicht wie ganz normale Leute leben?

Verschüttete Gefühle

 Worum geht es beim Messie-Syndrom?

            Häufige Symptome des Messie-Syndroms

Mögliche Ursachen

 Dauerstress für Angehörige psychisch Kranker

Aussichten

Wie Sie vorgehen können

 Sie sind mitbetroffen

            Auswirkungen auf Angehörige

Feindselige Reaktionen von Betroffenen

Typische abwehrende Reaktionen von Betroffenen

 Das Problem im Überblick

            Depressionen

            Ausgebrannt und erschöpft sein

            Schuldgefühle

            Selbstgerechtigkeit

            Unversöhnlichkeit

 Die Tragödie der Lissy A.

Was können Sie tun?

Was sollten Sie auf jeden Fall lassen

            Die Fallen, in die Sie hineintappen

Aussichten und Chancen

Wie Sie helfen können

Ebenen des Verstehens

Heilung der Gefühle

Kinder und die Eltern, die horten müssen

 Die Angehörigenselbsthilfegruppen

Wo können Sie Informationen und Unterstützung erhalten?

 Adressen zur Hilfe

Impressum

 Angehörige helfen sich selbst

Vorwort

 Der Förderverein zur Erforschung des Messie-Syndroms (FEM) e. V. ist mit der

Bundesgeschäftsstelle der Messie-Selbsthilfegruppen Deutschland und der Angehörigenselbsthilfe von Messies eine Einrichtung der Selbsthilfe

Der Verein, mit den angeschlossenen Geschäftsstellen für Betroffene und Angehörige, will durch Informationen, Fachtagungen und Arbeitstagungen (ein Selbsthilfemethodenseminar) Familien mit einem Menschen mit Messie-Syndrom helfen, zu Experten in eigener Sache zu werden.

Mit dieser Broschüre wollen wir Kenntnisse und Erfahrungen anbieten, die auf die ganz besonderen Bedürfnisse der Angehörigen von sogenannten „Messies“ ausgerichtet sind. Dreht sich mittlerweile Ihr ganzes Leben um einen Ihrer Angehörigen, der zuviel ansammelt oder der alles anfängt und nichts fertig bringt oder auf den kein Verlass ist, wenn Termine eingehalten werden müssen?

Sie werden feststellen:

Mit dem speziellen Wissen um diese Störungsart, um die beschränkten Hilfsmöglichkeiten von Angehörigen und um therapeutische Strategien in der Selbsthilfe wächst Ihre Sicherheit und Stärke, den unter seinem Symptom leidenden Betroffenen zu begleiten und zu unterstützen! Es ist jedoch wichtig, dass Sie als Angehöriger nicht vergessen, die eigenen Interessen wahrzunehmen.

Genaugenommen ist Ihr Leben durch diese Störung stark belastet, und wahrscheinlich wird das noch lange so bleiben. Haben Sie das Gefühl, dass Sie nicht mehr selbst über Ihr Leben und Ihren Lebensraum bestimmen können, sondern sich immer nach dem Menschen richten müssen, der mit seinen eigenen Ideen Ihr Leben einschränkt und behindert? Fühlen Sie sich gefangen in einer Situation, die Ihnen aus den Händen gleitet? Beladen Sie sich mit der Verantwortung Ihres überempfindlichen Angehörigen?

Der Verein will versuchen, Kontakte untereinander zu fördern, damit Sie

·        erfahren, dass die Probleme, gleich welcher Art sie sind, nicht allein auf Ihre Lebenssituation beschränkt sind (meistens Familie- und Partnerprobleme),

·        sich mit Ihren Erfahrungen austauschen können und sich gegenseitig ermuntern und somit Selbstheilungskräfte nutzen,

·        eventuell deutlicher spüren können, dass Sie durch die Helferrolle mitgefangen sind und

·        Fähigkeiten einer anderen Kommunikation erwerben, die einen Zugang zum betroffenen Menschen schaffen kann.

Wenn Sie weitere Fragen haben, nutzen Sie unsere Adress- und Literaturliste im Anhang oder schreiben Sie uns Hinweise, Anregungen und auch Kritik, denn ich als „Messie“ übernehme hier eine Aufgabe, die ich gerne an engagierte Angehörige weiterreichen würde.

Ihr FEM e.V.                                                                                   Blomberg, im Februar 2005

Marianne Bönigk-Schulz

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Sie sind nicht allein!

 

Ehepartner, Kinder, Eltern und auch Nachbarn, sie alle geraten mit in den Abwärtsstrudel der Hoffnungslosigkeit. Manche erleben es so stark, dass sie am Ende selbst behandlungsbedürftig sind.

 

Nach Meinung der Experten gibt es fast zwei Prozent der Bevölkerung, die an dem Messie-Syndrom erkrankt sind. Angehörige gibt es um ein Vielfaches mehr. Das Messie - Erleben wirkt besonders im privaten Bereich. Es entsteht oft eine Atmosphäre, diese Defizite nicht ansprechen zu können. Diese Krankheit ist eine Beziehungskrankheit. Sie wirkt immer auf das ganze Umfeld - und das mit ungeheuerer Vehemenz. Die widersprüchlichen Signale eines Messies setzen den Gegenüber letztlich schachmatt.

Die seelische Not der Angehörigen wird oft nicht gesehen. Die Gießener Studie belegt in ihrer Untersuchung von 87 Angehörigen psychisch Kranker, dass diese einer enormen Belastung ausgesetzt sind - wie bei einem Staatsexamen -, allerdings mit lebenslanger Perspektive. Die Angehörigen sind hinsichtlich psychischer und psychosomatischer Störungen doppelt so hoch belastet wie die Durchschnittsbevölkerung. Häufig fühlen sich die Angehörigen völlig überfordert.

In der Gesellschaft haben Angehörige in der Regel keinen Ort außerhalb ihrer Familie, an dem sich die Leidenden in ihrer Situation aussprechen können. Die Familie ist ohnehin von dem Umfang der räumlichen Situation mitbetroffen, wie das Außenstehende gar nicht begreifen können und wie der Mitbetroffene es Ihnen auch nicht verständlich machen kann. Kann man das überhaupt erklären, wie es ist, mit einem Menschen zusammenzuleben, der immer wieder Dinge ins Haus schleppt oder die Hausarbeit „vergisst“, der die Nacht zum Tag macht und den Tag zur Nacht - der ständig in einer Art Spannungszustand lebt, sodass man nie zur Ruhe kommt?

Die Probleme der Angehörigen sind in einigen Punkten zusammengefasst:

·        Die große Kränkung und Defensive

·        Bedrohung der Familienbindung

·        Die Ungewissheit, wie es weitergehen kann

·        Die Einengung der Autonomie von Angehörigen

·        Die Isolation der gesamten Familie.

Wir alle wissen, dass „Messies“ und ihre Familien vielfältigen Vorurteilen ausgesetzt sind. Allenthalben liefern die „vermüllten“ Wohnungen von Menschen - gleich welche Grunderkrankung hier vorliegen mag - negative Schlagzeilen unter der Diagnose „Messie“ für die Sensationspresse. So wird der Mythos von den Menschen mit einem Messie-Syndrom - gleich „vermüllt“ fälschlicher Weise aufrechterhalten, obwohl längst alle wissen könnten, dass diese Menschen an einer willentlichen Handlungsstörung leiden und nur ein kleiner Teil der Betoffenen Vermüllung und Verwahrlosung zeigen, wie z. B. bei einer kleinen Anzahl von Suchterkrankten oder auch bei depressiven Menschen.

Eine zentrale Frage unseres Vereins ist es, wie man diesen Vorurteilen und Stigmatisierungen entgegenwirken kann. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Ziel nur erreicht werden kann durch die Aufklärung der Bevölkerung, und damit wollen wir dazu beitragen, dass diesen Menschen mit weniger Vorurteilen begegnet werden kann. Denn die Informationen, die die Presse weitergibt, sind zu sehr auf Vermüllung reduziert und die unterschiedlichen Perspektiven werden wenig beleuchtet.

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Warum können wir nicht wie ganz normale Leute leben?

Es ist sicher schlimm, krank zu sein.

Es ist sicher AUCH schlimm, mit einem Kranken verheiratet zu sein, aber wenn man ihn liebt, dann hat man Mitleid und Verständnis und möchte helfen.

Das gilt für viele Krankheiten. Die meisten Krankheiten treffen überwiegend den Kranken - die Angehörigen nur indirekt, aber bei Alkoholismus ist das anders .... und bei den MESSIES! Da trifft es den Angehörigen mehr als den Kranken!

Alkoholiker sind zumindestens im Rausch glücklich. Messies halten ihren Krempel für wertvollen Besitz, den es zu hüten gilt, aber kann man einem 'normalen' Menschen im Ernst zumuten, in einer Messie- Wohnung zu leben??

- ICH könnte es jedenfalls NICHT !!!!

Aus dem Angehörigenforum

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Verschüttete Gefühle

Sie können nichts wegwerfen, sie sammeln und horten, bis die Wohnung einer Müllhalde gleicht, die sie niemandem mehr zeigen. Messies sind nicht einfach unordentlich, sie sind psychisch aus dem Gleichgewicht. Das äußere Chaos spiegelt ein inneres. Wie bei Andrea* aus Rendsburg.

© Von Kirsten Bürgstein

 

Wenn Andrea aufräumt, legt sie ein weißes Laken über den Tisch. Das macht das Darunter unsichtbar. Unter dem Tuch stapeln sich armhoch Fernsehzeitschriften, ungeöffnete Werbung, Jeanshosen, Strümpfe und Sweatshirts, gelbe Hülsen von Überraschungseiern, ein angeknabbertes Brötchen, Pappkartons, ein Schulheft, Teletubbie-Puppen, Playmo-Figuren und Plastiktüten.

            Wenn Andrea aufräumt, wirft sie den Staubsauger an und fährt mit dem Bürstenkopf über die enge Straßen, die geblieben sind in ihrer Wohnung zwischen den Bergen von Papier und alter Kleidung, genau eine Handbreit Raum, die der Staubsauger braucht. Ein Papierschnipsel auf dem schmalen Streifen Teppichboden lässt sie verzweifeln. Dann schreit sie die Kinder an, ob sie nicht Ordnung halten können. Die Straßen sind der letzte Halt vor dem Versinken. Wenn sie verschwinden, fehlt jeder Ausweg. Dann ist das Chaos zum Gefängnis geworden, zu einem von allem losgelösten Kosmos.

            Noch führt ein Pfad wie ein geschlängeltes Rinnsal zu Andreas Doppelbett, auf dem sie zwei tellergroße Flecken freigeräumt hat zum Sitzen. Normalerweise lässt sie niemanden herein. Selbst die beste Freundin darf die aufgetürmten Altlasten nicht sehen. Sie schämt sich. „Sie sehen ja“, sagt sie und weist kraftlos in den Raum, „das kann ich so niemandem zeigen.“

            Andreas Wohnung liegt im 10. Stock eines Hochhauses mit hellem Treppenhaus, Scheibengardinen und sauberem Fahrstuhl. Hier lebt sie mit Jannick* (15), Tobias* (12), Jennifer* (13) und Benjamin* (2), mit drei Kaninchen, vier Springmäusen und den Katzen Garfield, Goofy und Gipsy. Die Tierkäfige verengen den Gang zum Badezimmer auf Linealbreite. Der Geruch von Stall und Katzenklo dringt süßlich scharf in die Nase.

            Jennifer macht Hausaufgaben am Küchentisch im Flur. Die Dosen, Tassen, Flaschen, Schokoladenverpackungen und die Katzenmedizin hat sie zur Seite geschoben, um ihr Heft schräg an den Rand legen zu können. Das schlanke Mädchen mit Pferdeschwanz ist scheu. Sie redet nicht viel. Erst nach Stunden zeigt sie ihr Zimmer, das sie mit zwei Chinchillas, dem kleinen Bruder und Mutters dunklem Kleiderschrank teilt. Die eigenen Klamotten sind auf Benjamins Gitterbett verstreut, weil das Regal von der Wand gefallen ist. „Es lohnt sich nicht aufzuräumen“, sagt Jennifer, sie werde bald umziehen in ein eigenes Zimmer mit eigenem Schrank in der neuen Wohnung. Benjamin aber soll dann wieder bei ihr schlafen, damit er nicht verschwindet „in all dem Krempel“.

            Draußen fährt ein Interregio auf Augenhöhe über die Kanalbrücke. Es ist der einzig freie Blick, den die Wohnung gewährt. Er entlastet Auge und Hirn, die Orientierung suchen. Die Unordnung verwirrt, verengt den Brustraum, verknappt die Luft. Wichtiges und Unwichtiges sind nicht mehr zu unterscheiden. Das Gefühl, vor dem Chaos kapitulieren zu müssen, wächst beim Hinsehen.

            Der Müll hat Andreas Leben Land unter gesetzt. Zentimeter für Zentimeter erobert der Strom ihren Lebensraum. Schon hat er die Küche erreicht und die Zimmer der Kinder, die Badewanne eingenommen und die Essecke im Flur. Die 36-Jährige selbst verschwindet hinter ihm. Er bildet eine Wand, die sie unberührbar macht, unerreichbar und einsam.

            Andrea lädt keinen Besuch mehr ein, weil es keinen Platz gibt, wo er sich hinsetzen könnte. Kaffee kann sie nicht kochen, in der Küche fehlt der Platz. Mit den Kindern isst sie meistens auswärts bei der „Tafel“.

            Früher gab es immer wieder Freundinnen, die ihr helfen wollten aufzuräumen. Wenn sie sich überwunden und sie hereingelassen hatte, fühlte sie sich schnell bevormundet und gedrängt. Die anderen haben nicht verstanden, dass sie nichts wegwerfen konnte, dass sie so wenig frei war loszulassen wie ein Alkoholiker, den man bittet, nicht mehr zu trinken.

            Am Ende hat Andrea den Müll behalten und die Menschen verbannt. Die letzte Freundin, die übrig blieb, versuchte es ganz offen: „Dein Chaos“, sagte sie, „interessiert mich.“ Es lacht aus Andreas Hals. Als wenn sie wirklich mich meinen könnte, sagen ihre Augen unverwandt.

            Sie hebt ein Schulheft auf. Es ist von Jennifer aus dem vorletzten Jahr. Sie blättert darin. Nach einer Viertelstunde legt sie es zurück auf den Haufen. „Auf dem Heftdeckel“, sagt sie, „die zwei Mickeymäuse, die könnte man doch noch einmal ausschneiden.“

            Andrea weiß nicht mehr genau, wann ihre Sammelleidenschaft zur Sammelsucht geworden ist; vielleicht, als sie arbeitslos wurde, vielleicht nach der Scheidung vor vier Jahren, als ihr Mann ihre Sachen nicht herausrücken wollte. Noch heute grübelt sie, „was er wohl alles von mir weggeworfen hat.“ Das klingt, als habe der Mann nicht ihre Stereoanlage, sondern sie selbst weggeworfen. Seitdem panzert sie sich mit leeren Kartons und nutzlosem Tand gegen eine unberechenbare Welt; je mehr Zeug, desto besser. Hauptsache, haben und festhalten. Das Kriterium für nützlich oder überflüssig ist ihr mit der Zeit abhanden gekommen. Was heute unwichtig erscheint, kann morgen wichtig sein. Unmöglich, das eine vom anderen zu trennen. Hilfe von außen löst bei Andrea Panik aus. Es raubt die Hoffnung, irgendwann wieder selbst entscheiden und handeln zu können.

            Wann das sein wird - Andrea zuckt die Schulter. „Vor zwei Jahren“, sagt sie, „habe ich so gut wie aufgegeben. Da kam so viel Mist zusammen. Ärger mit der Wohnung, mit den Kindern.“ Seither begleitet sie das Gefühl, nichts mehr zu schaffen. Selbst die Post zu öffnen, wird zum unüberwindlichen Kraftakt. Der neue Schrank im Flur bleibt leer, weil sie sich nicht vorstellen kann, wie es hinterher darin aussehen soll. „Es ist, als ob meine Hände gefesselt wären“, sagt sie und hält die Handgelenke wie ein geständiger Verbrecher gekreuzt vor den Körper. „Ich kann mich nicht entscheiden.“

            Andreas Leben teilt sich in zeitliche Müll-Freiräume: Als die Freundin das letzte Mal kam, konnte sie nicht auf dem Sofa sitzen. Vor zwei Jahren passte Benjamins Wiege noch neben das Bett. Vor drei Jahren holte sie das letzte Mal Kleider aus dem zugestellten Kleiderschrank. Oder damals im Sommer - als sie für Tobias, der im Zeltlager war, das Sofa frei räumte. Da ist er nach Hause gekommen und konnte sich auf die Couch legen. Einfach so. Das hatte er sich gewünscht. Nach einer Woche war der braungestreifte Flor des Dreisitzers wieder mit Sachen überzogen.

            „Hat nicht lange vorgehalten“, sagt Tobias, der Zwölfjährige, und lächelt verlegen. Er hat die blauen Augen der Mutter, ein fein gezeichnetes Gesicht und schmale Hände. Äußerlich wirkt er so wenig verwahrlost wie die Geschwister. Tobias zeigt seinen Ranzen. Die Schnellhefter stecken in den Fächern, alle mit der Falz nach oben, nur zwei Blätter muss er noch einheften. Das ist ihm peinlich.

            Tobias träumt von der neuen Wohnung. Er träumt vom Schlafen in einem Bett, das er nicht jeden Abend erst abräumt, von Kindergeburtstagen, die er zuhause feiert, von Freunden, die er nicht belügen muss, wenn sie ihn besuchen wollen, und einer Mutter, die nicht Kartons in sein Zimmer stellt, die nicht weint, wenn er etwas von seinen Spielsachen weggeben will. Eine neue leere Wohnung, das ist wie ein neues Leben, wie noch einmal eine Chance bekommen.

            „Und“, fragt Tobias zum Schluss, „schreiben Sie das alles in der Zeitung? Mit Fotos in Farbe?“ Er jubelt. Die Seite will er an die neue Wohnungstür kleben und darunter schreiben:

„Der Müllberg“                                                                            *Namen geändert.

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Worum geht es beim Messie-Syndrom?

 „Jede Kleinigkeit verlangt von mir eine riesige Anstrengung, obwohl ich mich doch zusammennehmen möchte. Ich schäme mich vor meinem Mann, der doch Verständnis für mich hat. Ich kann es einfach nicht. Ein Geschirrtuch in die Hand nehmen? Schon das geht über meine Kräfte. Ich soll kochen und möchte es auch gern tun. Aber auch das kann ich nicht. Hunderte von kleinen Gedanken beschäftigen mich, ohne dass ich sie in Zusammenhang bringen kann. Ich lasse alles laufen, und mir ist dabei totlangweilig ... Irgendwann lasse ich alles fallen und ergreife unter irgendeinem Vorwand die Flucht.“

Wenn in den Medien vom Messie-Syndrom die Rede ist, steht die spektakuläre Darstellung von Wohnungen im Vordergrund, die bis an die Decke vollgestopft sind. Nach meiner langjährigen Erfahrung mit Messies ist das jedoch eher ein äußerliches Symptom tieferliegender Störungen.

Um die Grundstörung, an der Messies leiden, in den Blick zu bekommen, ist eine grundsätzliche Blickwendung nötig. In meinen Augen lässt sich die Problematik, die dem Messie-Syndrom zugrunde liegt, im wesentlichen auf vier Kernpunkte zurückführen:

·         Messies sind dadurch gekennzeichnet, dass sie sich über einen langen Zeitraum blockiert und gehemmt fühlen,

·         dass sie vorgefassten Ideen verhaftet bleiben,

·         dass sie in einmal gelernten Gedanken und Reaktionen festgefahren sind,

·         dass sie keinen Anfang und kein Ende kennen.

Dieses Erleben bringt automatisch Handlungsschwierigkeiten mit sich. Man hat das Gefühl, dass die Energie nicht ausreicht, um ganz normale Arbeiten zu verrichten. Situationen, die ein Handeln erfordern, schrecken ab und werden vermieden. Das betrifft Menschen, die sich selbst als „Messies“ bezeichnen, in besonders schwerem Ausmaß und mit oft tragischen Folgen. Sie haben größere Schwierigkeiten als andere mit dem Sortieren und mit der organisatorischen, planerischen und zeitlichen Einschätzung von Handlungen, die eigentlich Routinetätigkeiten sein sollten.

Diese Unzulänglichkeit macht sich vor allem beim Umsetzen von Gedanken in Handlungen bemerkbar. Messies planen, etwas zu tun; der Wunsch oder die Idee kann sehr stark sein. Dann kommt eine andere Idee oder ein anderer Wunsch und noch eine ... - doch die Verwirklichung bleibt aus. „Dieses mache ich später ... Jenes mache ich morgen ...“ Weder später noch morgen werden die Ideen in Handlungen umgesetzt. Stattdessen kommt es immer nur zu begrenzten, zusammenhanglosen Handlungen, die Konzentrationsstörungen und schließlich eine dauernde Handlungsunfähigkeit nach sich ziehen. Im tragischen Endzustand wird jede Tätigkeit unmöglich.

Etwa fünfzehn Prozent der Bevölkerung kennen Anteile des Messie - Erlebens, besonders Situationen von Existenzangst oder der altersbedingten Angst, sich an wichtige Dinge nicht erinnern oder Dingen nicht die richtige Wertigkeit zuordnen zu können. Zur krankhaften Ausprägung des Messie-Syndroms mit seinen typischen Verhaltenssymptomen kommt es bei etwa zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Das Leid des Messie - Erlebens, die Auswirkung auf die engere Umgebung sowie die Folgen für die Angehörigen können dramatisch sein.

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Häufige Symptome des Messie-Syndroms

Die Konzentrationsstörung lässt Betroffene „Messies“ am Umgang mit Situationen scheitern, die anderen völlig normal und unproblematisch erscheinen.

·      Ihnen fällt es schwer, ruhig zuzuhören. Sie unterbrechen oft aus Angst, die Antwort auf gerade Gesagtes zu vergessen. Sie möchten Gespräche verbal und inhaltlich dominieren. Sie unterbrechen, stören, und was sie eigentlich erzählen, sind Ereignisse und Begebenheiten, von denen sie vorher schon viele Male erzählt haben.

·      Diese Menschen sind in Gedanken ständig auf der Suche nach der Sicherheit, alles bedacht zu haben. Sie neigen zu vorschnellen Entscheidungen (oder zu gar keiner Entscheidung).

·      Diese Menschen sind sehr empfindlich gegen externe Störungen des Handlungsablaufs. Sie sind unfähig, auf Änderungen von anderen aktiv-planerisch zu reagieren. Sie fühlen sich bedrängt und eingezwängt: „Alle scheinen gleichzeitig etwas von mir zu wollen und sie reden auf mich ein. Diese Lärmwelle überrollt mich. Ich bin nicht mehr fähig, zu denken oder mich zu bewegen und will schreien: „Ruhe! Seid still! Ruhe, verdammt noch mal!“,  und ich kann es ihnen nicht sagen, weil sie es nicht verstehen würden.“ Sie leiden unter Stressintoleranz und fehlender Abgrenzung und haben ein ständiges Bedürfnis, „zur Ruhe kommen“ zu können.

·      Diese Menschen neigen dazu, wichtige Arbeiten zu vermeiden und aufzuschieben. Diese Bewältigungsstrategie bei chronischer Hilflosigkeit beruht auf der Unfähigkeit, ein Problem in einer neuen Weise anzugehen. Sie beginnen oft neue Projekte und doch sie haben Schwierigkeiten, begonnene Arbeiten auch zu beenden. „Erstaunlicherweise hatte ich die ganze Sache dann trotz des anfänglichen Enthusiasmus für einige Tage vergessen - bis meine Frau das Durcheinander entdeckte. „Hast Du den ganzen Müll hier liegen lassen?“ Jetzt erst erinnerte ich mich. „Ja, aber das ist kein Abfall. Wirf es nicht weg. Ich möchte nachher weitermachen.“ Ich kann es nicht ertragen, wenn jemand in den Dingen, die ich noch gebrauche, herumstöbert oder sie einfach wegnimmt oder auch nur ansieht!

·      Sie leiden unter der unzureichenden Fähigkeit, verbal auszudrücken, was sie wollen und empfinden. Das Defizit in der kognitiven Entwicklung scheint in einem starken Zusammenhang zu stehen mit der Bedeutung der Sprache oder besser mit der Fähigkeit, die eigenen Erfahrungen verbal ausdrücken zu können. Oftmals zeichnet sich in diesen Familien ein sich selbst erhaltendes, mehrere Generationen umfassendes Interaktionssystem aus, wobei die Mitwirkenden einem Regel- und Verbotssystem (Sprechverbot) Loyalität erweisen, das Kontrolle, Perfektionismus, Schuldzuweisung und Verleugnung fordert. Diese Struktur verbietet oder vereitelt den Aufbau authentischer, intimer Beziehungen, leistet der Geheimnistuerei und verschwommenen persönlichen Grenzen Vorschub, flößt den Familienmitgliedern unbewusste Ängste ein, sorgt für Chaos in deren Leben und verpflichtet sie, diese Angst in sich selbst und ihren Kindern zu verewigen. Dieses geschieht ungeachtet der guten Absicht und Wünsche und der Liebe, die ebenfalls Bestandteil des Systems sein können. Dieses Erleben führt zu Kommunikationsstörungen und zu Schwierigkeiten in der Teamarbeit. Denn in stressigen oder ängstlichen Situationen haben diese Menschen kaum die Möglichkeit, die entsprechenden Worte zu finden.

·      Diese Menschen neigen in Stress-Situationen zu oberflächlichem Lesen und zu blockiertem Erinnerungsvermögen. Wenn sie in diesen Situationen aufgefordert werden, eine Aufgabe zu lösen, z. B. eine fremde Adresse aufzuschreiben oder Wechselgeld auszurechnen (unverhoffte Aufgaben), so können sie es nicht automatisch, sondern die Gedanken schweifen ab. Es kommt ihnen fast vor, als hätten sie nie Rechnen und Schreiben gelernt. „Je mehr ich nachdachte, desto schwerer fiel es mir, mich zu konzentrieren. Wenn dann mit mir geredet wurde, konnte ich nicht innehalten, um zu verstehen, was gesagt wurde. Erst wenn ich mich entspannte, konnte ich zuhören und rechnen oder schreiben.“

·      Zum Hauptproblem dieser Menschen kann es werden, dass sie sich nur noch kurz auf etwas konzentrieren können. Es ist nicht mehr möglich, für längere Zeit aufmerksam zu sein. „Die größten Probleme habe ich allerdings mit meinem Gedächtnis. Ich bin extrem vergesslich geworden, vergesse sogar Dinge, die kurz zuvor passiert sind.“ - „Manchmal betrete ich ein Zimmer aus irgendeinem Grund und stehe dann herum, ohne mich zu erinnern, warum ich es betreten habe.“

·      Es geht dabei um mehr als um einen momentanen Gedächtnisverlust, den jeder von Zeit zu Zeit hat. Dafür geschieht es einfach zu oft. „In diesen Augenblicken empfinde ich eine große Desorientierung, die mehrere Minuten anhalten kann.“ - „Ein weiteres Problem ist mein Zeitgefühl und mein schlechtes Gedächtnis; sie scheinen zu schwanken, sodass mein Urteils- und Erinnerungsvermögen in ganz bestimmten Situationen beeinträchtigt zu sein scheint.“

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Mögliche Ursachen

Die Ursachen des Messie-Syndroms sind so vielfältig wie die Persönlichkeiten und Schicksale der Messies. Dennoch lassen sich in all der individuellen Vielfalt einige Konstanten ausmachen:

·        Angststörung (Grundangst, Sozialangst oder Ängste, sozial zu scheitern)

·        Blockaden der unbewussten Routinen (unbewusstes Erinnern)

·        Entwicklungsstörung (fehlendes Selbstvertrauen)

·        Bindungsstörung (mit emotionaler Bindung an Objekte)

·        Inkongruenzbedingte Störung (Nichtübereinstimmung von Selbstbild und Selbst)

·        Verantwortungsabwehr (und andere Formen der Abwehr)

Oftmals ist den Betroffenen nicht bewusst, dass sie Ängste erleben. Die Handlungen können es aber deutlich machen. Der durch unbewusst ängstliche Situationen erlebte Stress scheint nach meiner Beobachtung ursächlich für das Blockieren der unbewussten Routinen zu sein.

Denkbar sind schließlich auch zusammenwirkende Effekte mehrerer Ursachen: zum Beispiel die Unfähigkeit der Abgrenzung mit gleichzeitiger Bindung an Objekte. An vorderster Stelle stehen Probleme mit der Informationsverarbeitung (mit dem Gedächtnis), mit der Konzentration und mit dem Organisieren der Dinge. Die emotionale Bindung lässt alle Objekte bedeutsam erscheinen. Die Trennung von einem Gegenstand erlebt der Messie als Verlust. Häufig signalisieren die Dinge Sicherheit, etwas zu haben und damit etwas zu sein. Die angehäuften Dinge wirken wie ein Bollwerk gegen die bedrohliche Außenwelt und die anderen.

Es gibt zahlreiche Begründungen, alle möglichen Dinge in Besitz zu nehmen und zu behalten:

        „Das kann ich bestimmt noch einmal gebrauchen (oder vielleicht ein anderer)!“

        Die Überzeugung, dass ein Gegenstand einen potentiellen Wert besitzt. So wird Müll zur Wertstoffsammlung.

        Die Wahrnehmung, dass einzelne Gegenstände von anderen nicht sachgemäß entsorgt werden und dass man sich ihrer annehmen muss.

Menschen, die sich mit Entscheidungen schwer tun (und sei es auch nur das Bestellen im Restaurant), haben eine panische Angst, etwas falsch zu machen. So ist nicht verwunderlich, dass viele Messies ausgeprägte Perfektionisten sind - die ihren eigenen Anforderungen natürlich nicht gerecht werden. Sie leben in der Vorstellung, dass eigentlich immer alles perfekt sein sollte.

Die ebenfalls für Messies typische Vermeidungshaltung hängt mit anderen Defiziten zusammen. Wer Schwierigkeiten hat, sich von Dingen zu trennen, meidet Entscheidungen und versucht, unangenehmen Gefühlen und Gedanken auszuweichen. Solange jedoch ein Messie in der Lage ist, seine Besitztümer zu ordnen und zu sortieren, ist es relativ belanglos, wie viel er hortet. Sortierenkönnen ist hilfreich, weil es eine Form des Integrierens darstellt.

Zuerst verschwinden in wichtigen Augenblicken die Erinnerungen. Dann passen wir unsere Wahrnehmung in der Wohnung dem an, wie wir uns fühlen möchten. Unser Wissen, die Gefühle und schließlich auch unsere Kommunikationsfähigkeit schränken wir ein (aus guten Grund, wie wir meinen) und das Vermögen, uns um unsere grundlegenden menschlichen Bedürfnisse zu kümmern, kann schließlich versiegen.

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Dauerstress für Angehörige psychisch Kranker

Die Gießener Studie belegt Belastungen wie bei einem Staatsexamen - Familien haben häufig Schuldgefühle

VON RICHARD LAUFNER ©

Gießen - Michael Franz, Leiter der fünfköpfigen AG Sozialpsychiatrie am Zentrum für Psychiatrie der Gießener Justus-Liebig-Universität, stellte kürzlich eine empirische Studie vor: 87 Angehörige psychisch Kranker hatten dafür auf 150 Fragen zu ihrer besonderen sozialen, finanziellen und psychischen Situation geantwortet. Dabei wurden die enormen Belastungen dieser Menschen deutlich.

            So verlieren gerade in einer Lage, in der Zuspruch nötig wäre, elf Prozent der angehörigen Eltern oder Partner den Kontakt zu anderen Familienangehörigen. 23 büßen ihre Verbindung zu Freunden ein, 13 Prozent beklagen Diskriminierung wie Ausgrenzung im Wohnumfeld. Durch Zuzahlungen für Medikamente, Ablösung von Schulden oder Unterhaltszahlungen entstehen monatliche Mehrkosten von 100 bis 500 Euro.

            Die Angehörigen sind hinsichtlich psychischer und psychosomatischer Störungen doppelt so hoch belastet wie die Durchschnittbevölkerung. Die Anstrengung und daraus resultierende Symptome entsprechen nach standardisierten Vergleichmaßstäben denen von Studierenden kurz vor dem Staatsexamen - allerdings mit lebenslanger Perspektive. Häufig fühlen sich die betroffenen Angehörigen völlig überfordert. 65 Prozent der Angehörigen sind laut Studie selbst auf einer behandlungsbedürftigen Stufe. Aber nur wenige werden behandelt.

            Je nach Erkrankung variiert die Stresssituation der Angehörigen: Bei Depressiven belasten ständiges Ermuntern, Motivieren, die Übernahme von Aufgaben und die Organisation der Medikamenteneinnahme. Dagegen überwiegen bei Schizophrenen eher angespannte Stimmungen oder Streitigkeiten. Gerade im Vorfeld stationärer Einweisungen sind 50 Prozent der Angehörigen verbal, 20 Prozent sogar körperlichen Aggressionen ausgesetzt,

            Mit der Studie wurde erstmals in Deutschland eine Untersuchung „über eine Gruppe von leidenden Menschen vorgelegt, die als solche nicht erkannt und anerkannt wird“, betont Franz. Daran haben Psychiatriereform und die seit 1985 auch bundesweit organisierte Bewegung von cirka 1000 Angehörigenselbsthilfegruppen nicht viel verändert.

            Vergleichende internationale Studien haben herausgefunden, dass in Ländern ohne professionelle psychiatrische Einrichtungen der langfristige Verlauf von Schizophrenien dank des „Hilfssystems Familie“ oft besser ist als in modernen Industriestaaten. Daraus dürfe in diesen für das Gesundheitssystem schwierigen Zeiten aber „keine Abschiebung in die Familien“ abgeleitet werden, sondern eine Unterstützung der Angehörigen, so Seifert. „Deren Kompetenzen - und die der Kranken - werden noch zu wenig mobilisiert.“ Hinzu kommt, dass bei vielen Angehörigen ein Gefühl von Scham und Schuld festzustellen ist. Der Wiesbadener Sozialmediziner Professor Reinhard Peukert, Vorsitzender der Angehörigen psychisch Kranker des Landesverbandes Hessen, hat „bezüglich der Schuldproblematik eine extreme Sensibilität“ ausgemacht. Um so wichtiger sei die empirische Bestätigung der Belastung von Verwandten und Partnern.

            Franz geht auch mit seiner Zunft kritisch ins Gericht: Alle Theorien psychischer Erkrankungen hätten eine „implizierte Schuldzuweisung“ an die Familien. Besonders unverantwortlich sei die Rede von der „schizophrenogenen Familie“. Die Familien müssten entlastet werden - „entschuldet“ werden, formuliert der Initiator der Angehörigenstudie.

            Als direkte Konsequenz hat Franz an der Uni-Klinik neben Angehörigengruppen eine „psychoedukative Gruppe“ eingerichtet. Betroffene und Angehörige bekommen hier genaue Informationen.

Hallo Sunny,

Du bist keineswegs die einzige Angehörige hier im Forum, ich bin keine Messie. Mein Partner ist Messie.

Ich habe Deine Beiträge eben aufmerksam gelesen und möchte Dir vor allem für die Kopie dieses Links hier danken. Hier, genau wie in Deiner Beschreibung Deiner Lebensumstände als Kind, fühle ich meine Gefühle wieder. Gerade dieser folgende Abschnitt treibt mir die Tränen in die Augen.

>Die seelische Not der Angehörigen wird oft nicht gesehen. Die Gießener Studie belegt in ihrer Untersuchung von 87 Angehörigen psychisch Kranker, dass diese einer enormen Belastung ausgesetzt sind - wie bei einem Staatsexamen -, allerdings mit lebenslanger Perspektive. Die Angehörigen sind hinsichtlich psychischer und psychosomatischer Störungen doppelt so hoch belastet wie die Durchschnittsbevölkerung. Häufig fühlen sich die Betroffenen völlig überfordert.>

Ich fühle mich mit dieser Situation total überfordert und hilflos ... in dem Wissen, dass ich NICHTS tun kann (außer für mich selber) und in der Perspektivlosigkeit der Beziehung. Ich weiß im Hinterkopf ganz genau, dass ich mich für meiner selbst Willen und meiner körperlichen und psychischen Gesundheit zuliebe, besser trennen würde von ihm. Aber das sagt sich so leicht.

>Es gibt drei wesentliche Beziehungsmuster, bei denen die Angehörigen oft ein Gefühl von Gefangen-Sein erleben:

Gefangensein ist das passende Wort für mich für diese Lebenssituation!

Ich ärgere mich manchmal über mich selber, das ich dem Messieproblem soviel Platz in meinem Leben einräume!!! Mein Gefängnis ist der Konflikt aus der Situation (Beziehung) aussteigen zu wollen auf der einen Seite und auf der anderen Seite hänge ich ja doch auch ein Stück an ihm. Ein Teufelskreis, aus dem ich ausbrechen möchte. Ich weiß nur nicht wie, jedenfalls was meine Gefühlseite anbetrifft.

Liebe Grüße von einer traurigen (Name)

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Aussichten

Hatten Sie gehofft, in dieser Broschüre eine Antwort auf die Frage zu finden, was Sie tun können, damit die Probleme Ihres betroffenen Angehörigen aufhören? Bitte sind Sie nicht enttäuscht, wenn ich Ihnen antworte: Sie können wenig dafür tun, dass die Probleme verschwinden, und Sie können viel dafür tun, nur eben auf eine andere Weise, als Sie es wissen und bisher versucht haben. Denn es gibt zwar einiges, was Sie ändern können, aber man kann nur einen einzigen Menschen ändern: sich selbst. Sie können etwas für sich selbst tun. Diese Änderung Ihres Verhaltens kann dann Änderungen beim Gegenüber bewirken.

Hier mögen Sie sagen: „Aber ich bin nicht derjenige, der diese Probleme in der Wohnung verursacht und jetzt soll ich mich ändern?!“

Haben Sie nicht schon sehr oft festgestellt, dass Sie sich immer wieder im Kreise drehen und haben Sie im Laufe der Zeit nicht selbst Verhaltensweisen angenommen, die Sie vorher nicht kannten? Gab es nicht auch positive Dinge, die Sie hätten tun können, wenn Sie sich nicht so hilflos gefühlt hätten und wenn Sie nicht so ein hoffnungsloses Gefühl in sich tragen würden?

Wenn Sie Ihr Leben ändern wollen, müssen Sie aufhören, sich mit Ihrem Fühlen und Handeln immer nur um die betroffene Person zu winden. Da Sie dieses Leben sowieso nicht beeinflussen können, sollten Sie sich darauf konzentrieren, Ihr eigenes Leben neu in die Hand zu nehmen und für Ihr Handeln, Ihre Entscheidungen und Ihr Glück selbst die Verantwortung zu übernehmen. Entkoppeln Sie sich von der Person, die auf Ihr Erleben einwirkt, und lernen Sie wieder, normal zu empfinden, ganz unabhängig davon, was die Argumente sind, die Ihnen für das abstruse Handeln vermittelt werden. Stellen Sie sich immer wieder die Frage, ob Sie genau so denken und handeln würden wie die Person, die sammeln und horten muss. Bewahren Sie sich Ihr normales Empfinden und Denken. Das benötigen Sie, um sich an den richtigen Stellen abzugrenzen. Sie können gleich damit anfangen.

Selbst wenn sich der betroffene Angehörige nie ändern sollte, ist es unsinnig, wenn dadurch Ihr Leben, Ihre Wohnung und Ihr soziales Umfeld zerstört wird. Wenn Sie bereit sind, die immer wiederkehrenden Verhaltensmuster von Ihnen beiden zu lernen und zu erkennen, werden Sie daran wachsen und die Kontrolle über Ihr Erleben wieder erlangen. Zwar gibt es Leute, die in ihrem Elend versacken, bis ihre Probleme sie zerstören. Aber Sie möchten doch sicherlich nicht dazugehören, oder?

Ein Beispiel aus einem Internet-Forum:

Antwort auf: Re: Nach Psychiatrieaufenthalt noch verwirrter/

Liebe xxxxxxxx,

ich habe Deine letzten Postings gelesen und fühlte mich an meine Mutter erinnert. Und ganz automatisch habe ich mich in die Position Deiner Tochter versetzt (ich nehme an, „sie“ ist Deiner Tochter, Du schreibst es gar nicht?).

Dabei fiel mir auf, dass ich mich schrecklich hintergangen fühlen würde, wenn jemand ohne meinen ausdrücklichen Wunsch und ohne meine Zustimmung mit Ärzten oder Patientenbeauftragten über Dinge spräche, die mich beträfen. (Du schreibst, Deine Tochter reagiert sehr aggressiv und erzählt nichts bezüglich des März-Klinikaufenthalts. – Vielleicht möchte sie nicht, dass jemand etwas darüber erfährt?)

Und es ist so, wenn ich jemanden nicht ausdrücklich gebeten hätte, einen Termin bei einer Trauma-Therapeutin für mich zu machen, würde ich ausrasten, wenn es jemand tut. (Habe ich möglicherweise missverstanden. Hat sie Dich gebeten?)

Ich meine nur, ich bin erwachsen, auch wenn Außenstehende mein Verhalten manchmal anders interpretieren (vielleicht als pubertierend) *lach. Ich möchte meine eigenen Entscheidungen treffen.

Ich fühle mich sehr, sehr leicht in die Rolle eines unmündigen, hilflosen Opfers gedrängt, wenn jemand über meinen Kopf hinweg über mich oder meine Angelegenheiten bestimmt. Das ist schrecklich. Ich glaube so eine Situation erinnert mich sehr stark an meinen Missbrauch. Da hat auch jemand über mich „bestimmt“. Heute kann ich so etwas gar nicht mehr ertragen, nicht mal ansatzweise.

Für mich war und ist es ganz wichtig SELBST für mich zu entscheiden. Vielleicht weil ich das während des Missbrauchs nicht konnte und solange ich es heute kann, bin ich ganz sicher, dass ich NICHT missbraucht werde. Und das sehr wichtig für mich. Ich bin geradezu süchtig nach diesem Gefühl „ICH WERDE NICHT MISSBRAUCHT“. Es ist ein winziges Stück zurück gewonnenes Glück.

Liebe xxxxxxxx, das ist meine Sichtweise, einfach ein anderer Blickwinkel, keine Kritik. Und ich kann auch nicht für Deine Tochter sprechen, sondern nur für mich.

Vielleicht kannst Du Deine Tochter fragen, ob das „eigene Entscheidungen treffen“ für sie eine ähnlich große Bedeutung hat wie für mich.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Vertrauen in die Selbstheilungskräfte Deine Tochter.

Liebe Grüße

Antwort:

: : : Guten Tag (Name), sie ist nicht meine Freundin, sondern die Tochter. Sie war bis vor 8 Wochen in der Klinik, kam raus, genauso in einem schlechten Zustand wie rein. Und davor war sie 10 Tg. in einer anderen Klinik, hat sich selbst entlassen, war nicht O.K. Das war die besagte Klinik. Dann kam sie 3 Wochen später in diese, wo sie 6 Wochen war und seither 8 Wochen zu Hause ist. Sie ist zu Hause allein. Ich gehe ja jetzt jeden Abend vorbei. Nein, bei mir würde das nichts werden. Wenn sie es möchte, ja gerne. Aber sie soll ja auch sehen, wie sie einigermaßen alleine zu recht kommt, um in ihre Selbständigkeit zurückzukommen. Ich kann da nur eine kleine Hilfestellung sein. Sie müsste in eine Therapie mit Alk. Entzug und das mehrere Monate, raus aus dem ganzen Dunstkreis dort mit diesen Typen und dann am besten dort wegziehen. Unter die Käseglocke kann ich sie auch nicht setzen. Im Grunde lauert überall dieses Problem. Wenn sie hinter ihrer Gesundheit nicht selber steht, wird das nix. Wie das würde, wenn ich in Kur gehe, weiß ich auch nicht. Meinen Partner kann ich das nicht mehr zumuten. Er ist schon ganz krank davon, liebe Grüße in den Norden, xxxxxxx

 (Name), noch nichts unternommen. Ich gehe jeden Abend zu ihr, um einfach nachzuschauen, wie es ihr geht. Heute lag sie angetrunken im Bett rum. Ein Glas lag zersplittert auf der Couch und Splitter auf dem Boden. Ich habe alles weggemacht. Dann hatte ich ihr Pizza und Salat mitgebracht. Sie isst kaum etwas, wirft vieles einfach wieder weg. Sie ist aber auch zu nix zu bewegen und jammert herum, gibt uns die Schuld an ihrer jetzigen Situation. Der Freund hat sich auch getrennt. Da trifft sie sich mit Typen weit unter ihrem Niveau, um mit denen ein Joint zu rauchen und zu saufen. Sie müsste in Entzug, aber wenn sie nicht dahinter steht, bringt's auch nichts. Vielleicht muss sie noch ganz tief unten sein und ihre Lage einsehen. Gegen ihren Willen kann ich auch keine Therapie für sie suchen. Und Therapie ist rotes Tuch für sie. Aber alleine wird sie es nicht mehr schaffen aus dem ganzen Schlamassel. Mal hört sie mir zu, stimmt mir zu, aber es wird nix in die Tat umgesetzt, gute Nacht Jürgen, bin soooo müde. Für mich habe ich über die BFA eine Kur beantragt, der letzte Antrag vor 1 Jahr wurde abgelehnt, mal sehen, wie's diesmal läuft. Wenn das bei denen nicht geht, mache ich was über die Kasse, xxxxxxx

: : Herzlich

Ich lasse diesen Austausch unkommentiert, weil ich glaube, dass jeder erkennen kann, wie sehr die Mutter in ihren Befürchtungen gefangen ist und sich selbst verausgabt.

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Wie Sie vorgehen können:

·        Machen Sie es sich zur Gewohnheit, mindestens einmal am Tag an Fähigkeiten Ihres Angehörigen zu denken.

·        Wenn Sie Negatives ansprechen wollen, entscheiden Sie, ob Sie dazu berechtigt sind und wenn nicht, dann mischen Sie sich nicht ein.

·        Wenn Sie loyal sind, dann ist das ein guter Zug von Ihnen. Verteidigen Sie aber nicht die Störung. Konflikte und Schwierigkeiten mit anderen Menschen erlebt jeder und sie können eine logische Konsequenz der Probleme sein. Es ist besser, wenn diese der Betroffen allein tragen muss.

·        Fassen Sie sich kurz. Teilen Sie in zwei, drei kurzen Sätzen mit, was Sie zu sagen haben, und lassen Sie es damit gut sein. Wiederholen Sie sich nicht, halten Sie keine langen Reden, auch dann nicht, wenn er so tut, als hätte er nichts gehört.

·        Sich so authentisch verhalten wie möglich. Das hilft dem Messie, den anderen anders wahrzunehmen und den eigenen Standort neu zu bestimmen.

·        Sich immer wieder deutlich abgrenzen, damit der „Messie“ die Grenzen anderer wahrnehmen kann und sie nicht überschreitet.

·        Auf einen Tag - Nacht - Rhythmus achten (nicht bis in die Nacht arbeiten und tagsüber ununterbrochen müde sein).

·        Die Beziehung nicht vermeiden oder abbrechen, wenn die verbale Verständigung fehlt.

·        Eine präzise und klare Sprache benutzen: indirektes Sprechen vermeiden, knapp, kurz, aber in aller Offenheit formulieren, ohne Befehlston.

·        Vereinbarungen über die täglichen Dinge treffen. Deren Einhaltung nicht kontrollieren, aber doch Verstöße ansprechen.

·        Im Gespräch bleiben, aber bitte mit Offenheit und Ehrlichkeit, auch wenn der Messie abweisend ist. Er hat ein sehr sensibles Gespür dafür, wie andere zu ihm stehen - genervt oder wohlwollend.

·        Gehen Sie keiner Konfrontation aus dem Weg, sobald Sie spüren, dass Sie etwas verletzt. Warten Sie nicht, bis sich der Ärger aufstaut.

·        Treten Sie so ausgeglichen wie möglich auf und lassen Sie den Betroffenen entscheiden, ob es für ihn einen Grund zur Sorge gibt.

·        Machen Sie ihm klar, wie Sie sich wegen seines Verhaltens gefühlt haben, indem Sie die Sätze mit „ich“ anfangen. „Ich habe mich sehr allein gelassen gefühlt, als Du mich angeschrieen hast und die Tür hinter Dir zugeschlagen hast.“

·        Sie können Ihren Angehörigen vorschlagen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen oder eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Aber drängen Sie ihn nicht dazu. Wenn er zustimmt, sollte er dann auch selbst den Kontakt aufnehmen.

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Sie sind mitbetroffen

Das Problem im Überblick. Es gibt drei wesentliche Beziehungsmuster, bei denen die Angehörigen oft ein Gefühl von Gefangen-Sein erleben:

Erstens: Das Verhalten hat einen “distanzierten und entziehenden Effekt”. Der Messie zeigt kein Interesse, wirkt starr und reaktionslos, das Gespräch erscheint oft sinnlos und hoffnungslos. Der Messie möchte am liebsten allein gelassen werden und sich nur im Bett aufhalten und empfindet die Erwartungen der anderen, mit denen er zusammenlebt, als überfordernd. Die Angehörigen, die sich zurückgestoßen fühlen und widersprüchliche Gefühle erleben, empfinden gleichzeitig Verärgerung und Mitleid - sie geraten in einen Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt.

Zweitens ruft die Abwehr der eigenen Verantwortung aber auch Feindseligkeit hervor: Die ständigen Klagen, wer oder was verhindert hat, die vorgenommenen Arbeiten nicht oder nur teilweise erledigen zu können, verstehen Angehörige häufig als Anklagen, vor allem dann, wenn diese in gereizter und verbitterter Weise vorgebracht werden. Das verärgert Angehörige, die sowieso alles tun, um gegen diese trostlose und aussichtslose Stimmung anzukämpfen.

Drittens wirkt es als Appell: Die geäußerte Verzweiflung und Hilflosigkeit des Messies wecken beim Partner Mitgefühl und Anteilnahme (ein „Schrei nach Hilfe”). Das verändert sich, wenn die Angehörigen wirklich helfen, denn „so haben sie es nicht gemeint”. Angehörige können Gefühle wie Wut, Ärger, Angst, Schuld, Scham oder Mitleid nicht zeigen, weil sie glauben, dass die Situation sich sonst verschlechtert. Das bringt sie in ein ständiges Stresserleben. Schließlich können sie der häuslichen Atmosphäre nicht ausweichen - wie Außenstehende.

Angehörige wehren sich gegen den nur vage empfundenen Kontrollverlust ihrer Gefühle, indem sie den Kampf gegen diese Stimmung aufnehmen. Es werden alle Hebel in Bewegung gesetzt: aufmuntern, disziplinieren, Durchhalteparolen, Appelle an den Willen, übersteigerte Aktivität mit Aufräum- und Entmüllungsaktionen. Partner, Eltern, Geschwister, aber auch Kinder versuchen, durch die Übernahme von notwendigen Hausarbeiten in ein normales Leben zurückzukommen - meist mit geringem oder gar keinem Erfolg.

Diese Veränderungsversuche vollziehen sich nach einem bestimmten Muster:

Zuerst werden Pläne gemacht, die die tägliche Arbeit festlegen. Sie scheitern oft nach wenigen Tagen ohne erkennbare Ursachen. Wegwerf-, Ausräum- und Sortieraktionen scheitern nach kurzer Zeit durch trotziges und Widerstandsverhalten der Messies. Nach Wochen oder Monaten erleben die Angehörigen eine psychische Erschöpfung. Erschwerend kommt hinzu, dass sie häufig die gesamten Aufgaben im Haushalt mit übernehmen müssen: Betreuung der Kinder, der pflegebedürftigen Mutter und so weiter. Viele Angehörige überfordern sich dabei und geraten nach einer Weile selbst an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Zusätzlich haben sie das Gefühl, dass die Messies durch exzessives Sammeln und Horten zur Verschärfung der häuslichen Situation beitragen oder durch immer neue Ideen und einen Perfektionismus den Angehörigen daran hindern, die übernommenen Hausarbeiten auszuführen, selbst aber mit deren Ausführung regelmäßig scheitern.

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Auswirkungen auf Angehörige

Diese monographische Studie ist zum großen Teil aus meiner beratenden Vereinstätigkeit heraus entstanden. Der Stoff für die im praktischen Teil dargestellten Beziehungsschwierigkeiten wurde zum Teil aus Foren zitiert. Es handelt sich also um konkrete Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens von Betroffenen und von Mitbetroffenen, also den Angehörigen.

Manche Menschen mögen sich an dieser Alltäglichkeit stoßen, doch hiermit nähern wir uns langsam dem Kristallisationskern ernsthafter zwischenmenschlicher Interaktionen. Dazu ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis:

Ein Mann hat mir berichtet, dass er nach jahrzehntelangem Zusammenleben mit einer Betroffenen letztendlich seine Frau dazu gebracht hat, sich eine eigene Wohnung zu nehmen. Für die angesammelten Dinge wurde ein größerer Lagerraum angemietet. An Wochenenden "besuche" die Noch-Ehefrau den Rest der Familie in deren Haus. Ganz verzweifelt sagte mir dann dieser Mann, dass er das Chaos nicht ertragen kann und dass unbedingt dagegen etwas gemacht werden müsse... was auch immer das sei.

Dieser Punkt spielt bei Angehörigen immer wieder eine große Rolle, auch dass die Not der Angehörigen immer wieder ausschließlich an dem Chaos festgemacht wird. Ich habe dann nachgefragt, warum er unter dem Chaos leidet, wenn doch das Haus und der Garten mittlerweile vom Chaos befreit wurden. Hierauf folgte eine lange Pause und dann brach es aus ihm heraus, quasi wie ein Erkennen: "Ich leide an dieser Atmosphäre!"

Die wirkliche Ursache für das Leiden der Angehörigen von Menschen mit einem Messie-Syndrom befindet sich also im Bereich sublimer Auseinandersetzungen mit Betroffenen - etwa in deren Denkart und in deren innerer Haltung.

Die Erfahrung lehrt jedoch, dass die tagtäglichen Wiederholungen, das "Immer-wieder" der Reaktionen von "Messies" und des Zusammenlebens, das Klima der Beziehungen entscheidend mitbestimmen - im positiven wie im negativen Sinne.

 

Feindselige Reaktionen von Betroffenen

Ich befürchte, dass meine Schwester ein „Chaosproblem" hat.

Sie lebt mit einem jungen Mann zusammen, der offensichtlich bereit ist, dieses Chaos und Versteckspiel mit ihr zu teilen. Als sie vor 4 Jahren in unsere gemeinsame Eigentumswohnung einzog, fand ich nur merkwürdig, dass sie die dort noch befindlichen Sachen nicht entsorgt bzw. aufgeräumt hat. Sie kaufte Möbel dazu, packte Kartons nicht aus und der Kontakt wurde nur noch auf andere Orte verlagert. Nun gut, ihre Sache. Jetzt ist es so, dass mein Mann zufällig eingelassen wurde, da ihr Lebensgefährte dachte, sie käme mit den Hunden vom Spaziergang zurück und einfach die Tür öffnete. Er behauptete, sie würden gerade renovieren... Es war ihm äußerst peinlich! Das ist etwa ein Jahr her und es sah - schlimm - dort aus. Seitdem reißt der Kontakt immer weiter ab und als ich vorige Woche versuchte, bei ihr zu klingeln, hat sie mich vom Balkon aus beschimpft, wie ich die Unverschämtheit haben könnte, ohne vorher anzurufen, zu klingeln und sie könne nicht öffnen, weil sie gerade renoviert (schon wieder oder immer noch?). Danach hat sie mich noch angerufen und nochmals aufs heftigste beschimpft für etwas, das doch das normalste der Welt ist - zu uns kommen sie auch, ohne vorher anzurufen.

Da wir bereits mehrfach in vergangenen Jahren ihre Wohnungen "entmüllt" haben, bin ich mir nun ziemlich sicher, dass sie ein ernstes Problem damit hat - auch wenn sie jedes Mal eine Ausrede fand.

Jetzt weiß ich nicht, wie ich weiter verfahren soll.

Wer versteht, warum Betroffene in bestimmten Situationen dazu neigen, andere Menschen mit Vorwürfen zu überschütten, der wird sich auch besser mit seinem Angehörigen (mit dem Messie-Syndrom) verstehen können. Diese Broschüre möchte dazu verhelfen, die Abhängigkeit an eingenen Gefühlen und Affekten im Zusammenhang mit der Abhängigkeit an Betroffenen zu erkennen. Normalerweise neigen Angehörige dazu, die mit einem Messie zusammenleben, das Verhalten ihres Angehörigen als persönliche Bosheit oder absichtliche Kränkung wahrzunehmen.

Wenn die Schwierigkeit und Behinderung solche Grade erreicht, dass ihr Krankheitsbedeutung zukommt, dann reicht der gute Wille dagengen leider nicht aus. Das verquere Verhalten ist den Betroffen nur schattenhaft bewusst und die fehlende kritischen Distanz dazu, führt bei der Konfrontation zu aggressiven Reaktionen entweder gegen andere oder sich selbst.

Wenden wir uns nun einem aus dem Messie - Forum gegriffenen Beispiel zu. Dabei handelt es sich um einen üblichen Motivationsversuch in diesem Forum, eine beinahe karikaturistische Version vom „Leben wie auf Schienen", das diese Menschen - angeregt durch die Ratgeberbücher von Sandra Felton - führen. Der nachfolgend abgebildete übertriebene Arbeitsplan zeigt uns, wie Menschen vor dem Chaos in die Ordnung flüchten; eine uns sofort ins Auge springende außergewöhnliche Starrheit der Ordnung. Fatalerweise scheinen die Betroffenen nicht zu begreifen, dass das, was sie (oft unbewusst) zu vermeiden trachten, nämlich Freizeit, Kontakt mit Menschen, emotionale Erschütterung sowie äußere und innere unerwartete Eindrücke und Erlebnisse ihnen helfen könnte andere Bewältigungssysteme zu entwickeln. Dieses neue System kann dann die Räumliche-, Zeitliche- und Beziehungsdesorganisation aufheben. Offensichtlich ging es Sandra Felton nur darum, das Gefühl, die Dinge unter Kontrolle zu haben, zu stärken.

Geschrieben von (Name) am 25. Januar 2005 07:56:09:

Guten Morgen Ihr Lieben,

da heute viele kleine Sachen anliegen, brauch ich ne Liste, um möglichst wenig zu vergessen.

Also los geht's:

todoKids für Schule fertig machen done

todoFrühstück machen done

todoWäsche abnehmen, zusammenlegen und wegräumen done

todoandere Wäsche aufhängen done

todoBB überall done

todoLüften

todoBetten machen

todoBügeln

todoBügelsachen wegräumen

todoSPÜMA einräumen

todoKochen

todoSachen fürs Einfrieren vorbereiten

todox Töpfe und Pfannen spülen

todoArbeitsflächen und Herd reinigen

todox Tüten Müll runter bringen

todoKüche wischen

todoüberall saugen

Hoffe ich habe an Hausarbeit nix vergessen. Wenn das erledigt ist, dann folgt

todostrammer Spaziergang

todoSchreibtischarbeit

todoKörper-Verwöhn-Pflegeprogramm

So weit so gut erstmal.

Bin erstmal im Chat. Vielleicht sehen wir uns ja dort.

Freue mich über jede(n) Mitschaffer(in).

LG Mone

 

Dieser Arbeitsplan ist fast wie ein straffes Fitnessprogramm aufgestellt!

Die folgende Interaktion aus diesem Messie-Forum macht die narzisstische Verletzbarkeit der Menschen mit einem Messie-Syndrom deutlich. Zu der Aufgabenliste einer Betroffenen bemerkte eine (nicht betroffen) Forumsleserin ihre Verwunderung:

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ich bin verwundert ...

Geschrieben von Doris am 25. Januar 2005 08:53:15:

hallo,

ich lese seit ein paar Tagen in diesem Forum mit und bin kein Messie!

 

Was ich unter anderem nicht verstehe, wofür brauchen manche hier Aufgabenlisten, was sie machen müssen, z. B. das letzte posting von (Name) .... frühstück machen, alles rund um die Wäsche, kochen usw. .... das ist doch normal in einem Haushalt, oder?

 

Soviel Zeit (um Listen zu machen) habe ich gar nicht. Ich stehe jeden Tag um 6.15h auf, dann wird Frühstück gemacht und nach dem üblichen Pflegeprogramm geht’s um 7.45h außer Haus. ich gehen Vollzeit arbeiten, d. h. 40 Stunden in der Woche und der Haushalt funktioniert nebenbei, der Großteil natürlich am Wochenende und trotzdem ist unsere Wohnung (die mit knappen 100 m2 nicht gerade klein ist) immer in Schuss.

 

Wahrscheinlich ist der Eindruck falsch, aber ich denke, viele hier im Forum gehen nicht oder nur Teilzeit arbeiten (natürlich Mütter/Väter in Karenz ausgenommen) und schaffen es trotzdem nicht, die Wohnung sauber zu halten und einfache Dinge (z. B. Erlagscheine aufzugeben, Rechnungen einzahlen ....) zu erledigen. Außerdem habe ich den Eindruck, dass viele Leute hier mehr im Forum leben als im "wirklichen Leben".

 

Sorry, ich finde das Forum hier ziemlich schräg. Doris

Typische abwehrende Reaktionen von Betroffenen:

Geschrieben von  (Forumverwaltung) am 25. Januar 2005 10:52:19:

Als Antwort auf: ich bin verwundert ... geschrieben von Doris am 25. Januar 2005 08:53:15:

Moin Doris,

wenn du erst ein paar Tage mitliest, bist du definitiv nicht in der Lage, dir ein Urteil darüber zu erlauben, was hier im Forum abläuft.

Bevor du also anfängst, über Dinge zu schreiben, von denen du offenbar nichts verstehst, solltest du dich erst einmal gründlich informieren.

Solche Gutmenschen, wie dich, brauchen wir hier im Forum nicht!

  http://www.redkecla.de/jpg/pal.gif http://www.redkecla.de/jpg/paladin.gif

Geschrieben von XXXXXXXXX am 25. Januar 2005 10:28:47:

Als Antwort auf: Re: ich bin verwundert ... geschrieben von Doris am 25. Januar 2005 10:13:10:

Hi Doris,

wie wäre es mit einem Berufswechsel? Jetzt erzählst Du, dass Du im therapeutischen Bereich tätig bist. Sollte es so sein, dann wäre das, was Du hier machst, glatt KRANK und ein Zeichen von absoluter Überforderung.

Würde ich mich einer Psychologin oder jemandem, der mir helfen soll, anvertrauen, wenn ich wüsste, dass er in Internetforen seine "Patienten" angreift?

Wohl eher nicht! Ich habe ein Helfersyndrom und da hätte ich wieder das Bedürfnis, der Jammergestalt zu helfen.

Wenn Du in diesem Bereich tätig bist, dann dürften Dir Begriffe wie ADS und Depression nicht ganz fremd sein. Es mag noch andere Gründe geben, warum jemand, der durchaus auch im Beruf superorganisiert und fleißig sein kann, für sich selbst die einfachsten Dinge nur unter äußerster Anstrengung erledigen kann. Aber neben ADS denke ich, dass hier auch viele unter Depressionen leiden.

Wenn Du Dich mit den Menschen hier beschäftigen willst, sozusagen als Studienobjekt, wirst Du feststellen, dass hier unheimlich viele Leute sind, die sehr intelligent sind (gerade Lehrer scheinen überdurchschnittlich häufig betroffen), Menschen, die gerade in Büchern, Zeitschriften usw. "ertrinken".

Du kannst uns nicht klein reden. Wechsle den Beruf oder mach was für Dein Selbstbewusstsein. Gesund ist das, was Du hier machst, jedenfalls nicht.

PS: Wähle bitte einen anderen Nick, da es bereits eine Doris im Forum gibt.

Als Antwort auf: ich bin verwundert ... geschrieben von Doris

nochmals hallo,

eure Antworten wundern mich nicht. Ich habe auch nichts anderes erwartet. das ist typisches Verhaltensmuster von Leuten, die ein Problem haben und es (noch) nicht lösen können. Ich finde es nur schade, kein einziger hat hinterfragt warum ich hier schreibe. Aber wahrscheinlich interessiert das auch niemanden. Wer euch „angreift" wird niedergemacht, ohne Gedanken an den Hintergrund.

PS: und ich habe es nicht "notwendig", hier Leute "klein zu machen". Mir wird in meinem Beruf jeden Tag vor Augen geführt, dass es "andersartige" Leute gibt und da sind Messies die harmlosesten!

Geschrieben von xxxxxxxxxxxx am 25. Januar 2005 09:15:15:

Als Antwort auf: ich bin verwundert ... geschrieben von Doris am 25. Januar 2005 08:53:15:

Was hast Du hier überhaupt zu suchen? Dich aufspielen? Gibt es keine Selbsthilfegruppe für Profilneurotiker? DA gehörst Du scheint's hin.

Das, was Du schräg findest, ginge Dir in jeder anderen Selbsthilfegruppe auch so, außer in der, in die Du, siehe oben, reingehörst.

Leute wie Du sind hier schlichtweg unerwünscht.

Wer sich wirklich dafür interessiert, wie es einem Messie geht, wer die ihm fremde Welt begreifen will, findet hier bzw. im Angehörigenforum sicher Leute, die mit ihm reden.

Aber Leute wie Du würden im Realen Leben (Du weißt, was das ist? Menschen, die direkt und unmissverständlich reagieren können) aus jeder Selbsthilfegruppe mit einem ziemlich energischen Fußtritt vor die Tür gesetzt. Das ist der Nachteil eines Forum im Internet, dass man, um denen, für die es gedacht ist, den Zugang zu erleichtern, leider auch so Leute wie Dich nicht fernhalten kann.

Also reite weiter auf Deinem hohen Ross und suche irgendwelche Leute, die Dich für Deine Arroganz bewundern. HIER wird das keiner tun.

Plüschdingens - grußlos, denn solche Leute haben keinen Gruß verdient

Geschrieben von Doris am 25. Januar 2005 10:13:10:

Doris als Antwort auf:

<hast Du hier überhaupt zu suchen? Dich aufspielen? Gibt es keine <Selbsthilfegruppe für Profilneurotiker? DA gehörst Du scheint's hin.

Willst du mich provozieren oder beleidigen? Finde ich schade, außerdem glaube ich nicht, dass du wirklich weißt, wie es in geschlossenen Abteilungen, Therapiegruppen und Selbsthilfegruppen wirklich zugeht. Ich schon.

Als Antwort darauf:

Sorry, ich wusste nicht, dass Du auch alles Wissen dieser Welt für Dich gepachtet hast (nein, ich frage nicht, in welcher Funktion bzw. Rechtsstellung Du in der Geschlossenen warst, habe aber einen bösen Verdacht).

Solltest Du in irgendeiner Form professionell mit Menschen mit Problemen arbeiten, dann hast DU Dich hier jedenfalls in höchstem Maße unprofessionell verhalten. Also liegt der Verdacht nahe, dass DU provozieren willst. Angemessenes Verhalten wäre, siehe oben, gewesen, am Anfang zu erklären, warum Du hier mitliest.

Da ich keine Lust habe, hier weiter als Versuchkaninchen für irgendwelche misslungenen Psychotests zu dienen, erkläre ich Dich hiermit zum Troll.

Zu den Gründen: Ein Troll hält sich in einem Forum mit nur einem Ziel auf - möglichst viel zu stören. Ob er das nun tut, um seinen Lustgewinn direkt aus dem erzielten Aufruhr zu beziehen, oder um mittels irgendwelcher Arbeiten indirekt einen Nutzen aus dem Missbrauch seiner Mitmenschen zu beziehen, ist dabei ziemlich egal.

Von jemandem, der beruflich in dem Bereich Psychologie arbeitet, erwarte ich allerdings, dass ihm Foren wie dies - bzw. die darin getätigten Äußerungen - nicht "schräg" vorkommen. Von mir weiß ich, dass ich - ohne etwa Alkoholikerin zu sein - in einem entsprechenden Forum anders reagieren könnte, weil ich anders erlebe und ggf. mir Verhaltensweisen auch fachlich erklären kann.

Geschrieben von   (Forumverwaltung) am 25. Januar 2005 10:57:34:

Als Antwort auf: Re: ich bin verwundert ... geschrieben von Doris am 25. Januar 2005 10:10:05:

Da gibt es nichts zu hinterfragen. Besserwisser und Klugscheißer hatten wir schon öfter im Forum.

Geschrieben von XXXXXX am 25. Januar 2005 10:30:59:

Als Antwort auf: Re: ich bin verwundert ... geschrieben von Doris am 25. Januar 2005 10:10:05:

kein einziger hat hinterfragt, warum ich hier schreibe.

Das nennt man dann wohl selektive Wahrnehmung. Zum einen bist Du das gefragt worden, zum anderen solltest Du Dir mal die Kausalkette zwischen actio und reactio zu Gemüte führen.

Für mich bist outest Du Dich mit Deinen weiteren Postings hier nur als billige Provokateurin - und auf dergleichen muss man nicht weiter eingehen.

Ein Selbsthilfe-Forum dient der Selbsthilfe, nicht nutzlosen Diskussionen mit Menschen, die sich hier auf Kosten anderer profilieren wollen.

Gruß, XXXXXX

Geschrieben von xxxxxxxxxxxxx am 25. Januar 2005 10:21:17:

Als Antwort auf: Re: ich bin verwundert ... geschrieben von Doris am 25. Januar 2005 10:10:05:

>nochmals hallo, eure antworten wundern mich nicht. ich habe auch nichts anderes erwartet. das ist typisches Verhaltensmuster von Leuten, die ein Problem haben und es (noch) nicht lösen können.

Was meinst Du, warum wir hier sind? Wie wäre es, wenn Du mal Dein Gehirn einschaltetest?

>ich finde es nur schade, kein einziger hat hinterfragt warum ich hier >schreibe. aber wahrscheinlich interessiert das auch niemanden.

Warum sollen wir Dich fragen?

Ein Mensch mit einem Minimum an Manieren hätte evt. vorhandene sachliche Gründe von sich aus angeführt. Ich glaube, es gibt auch ein Forum "Der gute Ton in allen Lebenslagen", schau doch da mal rein.

>wer euch "angreift", wird niedergemacht, ohne Gedanken an den >Hintergrund.

Sag mal, meinst Du wirklich, wir wären hier fragepflichtig? Irgendwas hast Du anscheinend falsch verstanden.

>PS: und ich habe es nicht "notwendig". hier Leute "klein zu machen". mir wird in meinem beruf jeden Tag vor Augen geführt, dass es "andersartige" Leute gibt. und da sind Messies die harmlosesten!

Dann wage ich zu vermute, dass Du Dich dort nicht so aufführen darfst (Kündigungsgefahr?) und von daher dann meinst, Dich hier aufspielen zu müssen.

Übrigens, wenn Du die Zeit für eine solche - im ersten Posting erwähnte - Listenführung nicht hast, dann solltest Du mal lernen, Deine Zeit richtig einzuteilen. Es gibt da sehr hilfreiche Bücher. Und ein Schreibmaschinenkurs, der Dir ein paar mehr Anschläge pro Stunde verschafft, könnte auch nicht schaden.

Also - noch mal, und damit auch DU es begreifst: Wer sich in ein Selbsthilfeforum begibt, hat als erste Anstandspflicht die, sich vorzustellen, und zu erklären, warum er/sie dort ist.

Bei den meisten Leuten ist das nicht in formeller Form erforderlich, da sie durch ihre Fragen schon ihr Interesse daran bekunden.

Voyeure hingegen können es nur mit ihrer kranken Seele begründen - bin also mal gespannt, wie Du Dich darstellen würdest. Aber tröste Dich, parsimony bietet für viele Probleme eine Selbsthilfegruppe, vielleicht findest auch Du noch eine.

Diese Zitate waren nur ein kleiner Ausschnitt der Kommentare auf eine ganz einfache Frage, die man normalerweise ganz kurz beantworten könnte.

Vielen Angehörigen werden diese Reaktionen nicht ganz unbekannt sein. Menschen, die nicht aktiv handeln können, die sich nicht zeigen können, wie sie sind, erwarten dafür von den anderen, dass diese ihren Wünschen unaufgefordert entgegenkommen, ja, dass sie ihre unausgesprochenen Wünsche zu erraten wissen. Wer - in seiner Selbstbehauptung früh behindert - sich nicht aus eigener Kraft das ihm zugehörige Maß an Geltung, an Anerkennung und Würde verschaffen kann, erwartet von anderen, dass sie ihm dieses Maß an Bestätigung darbringen.

Die betroffenen Menschen mit einem Messie-Syndrom blenden häufig eigene Reaktionen aus, denn sie haben keinerlei Probleme damit, sich in das Angehörigen-Forum tüchtig einzumischen.

Aggression beim Menschen wird definiert als körperliches oder verbales Handeln, das mit der Absicht ausgeführt wird, zu verletzen oder zu zerstören. Gewalt ist Aggression in ihrer extremen und sozial nicht akzeptablen Form. Meine Beobachtungen aggressiver Interaktionen, die sich gegen Menschen und Eigentum richten (bei Betroffenen üblicherweise als ein Ausdruck von Feindseligkeit und Wut), können die offen geplante Vernichtung von "Feinden" betreffen, aber auch das versteckte Angreifen, indirekte Verdächtigen und das unauffällige Abwerten von Andersdenkenden.

Wenn Betroffene nicht lernen, sich in ihrer Wut und Feindseligkeit herabzuregulieren (zu beruhigen), dann kann auf Dauer ein Netz des Intrigensystems die Zuneigung und Sympathie zu Beziehungspersonen ersticken. Solche Menschen verfangen sich mit Sicherheit schließlich in der eigenen Haltung, z. B. von anderen Personen verfolgt, bekämpft, abgewertet und vernichtet zu werden. Eine solche Atmosphäre lässt unbefangenes Fühlen und ursprüngliches Empfinden nicht zu und lässt all die Kräfte des Gemüts nicht zur Entfaltung kommen. Es ist kaum möglich, dass die Menschen einer Gefühlshaften Bindung fähig sind. So ein Verhaltensmuster, als eine mehr oder weniger durchgängige Bewältigungsform, ist immer ein Ausdruck einer schwer gestörten Charakterentwicklung, die mit der Störung der Kritikfähigkeit, der Wahrnehmung, der sozialen Interaktionen einhergehen kann. Menschen mit dieser unangepasster Bewältigungsform werden als übertrieben rechthaberisch - und durch ihre Überempfindlichkeit als notorische Nörgler abgestempelt.

Wo Menschen zusammenleben, gibt es auch Kritik aneinander und das ist gänzlich unvermeidbar und notwendig. Die Art und Weise, wie Menschen Kritik äußern oder wie sie sich Kritik zu Herzen nehmen, gibt uns den Ausschnitt frei auf die innere Haltung, und wer dann nicht ansatzweise bereit ist, die geäußerten Vorwürfe auf ihren Inhalt zu überprüfen, wird dann mit der Zeit erfahren, dass sich die Menschen von ihm abwenden.

Hierzu ein Beispiel: Mein Mann hat mir einmal in den ersten Jahren der Ehe gesagt, dass mit meiner Organisation irgend etwas nicht stimme und er hat im Laufe der Jahrzehnte es nie wieder gewagt, dieses Thema anzusprechen. Die Art meiner Reaktion hat ihn sicherlich davon zurückgehalten und die war nicht so, dass ich ihn geschlagen hätte oder mich verbal geäußert hätte, sondern lag in einer spannungsgeladenen unterschwelligen aggressiven Haltung.

Dieses Beispiel macht Reaktionsmuster deutlich, die oft nur von Angehörigen gespürt werden. An dem Beispiel aus dem Forum können Sie die Überreaktionen sehen, ausgelöst von dem Gefühl der Unakzeptanz, was dann bei Betroffenen zu Äußerungen und Angriffen gegen andere führen kann, und dieses ganz unabhängig von einer engen Beziehung. Das ist wichtig, denn nicht unterscheiden zu können, wodurch solche Mechanismen hervorgerufen werden, wird natürlich dazu führen, dass Angehörige und Freunde genau diese Reaktion bewirken.

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Depressionen

Wenn der Angehörige seinen Ärger lange genug schluckt, richtet er ihn schließlich gegen sich selbst. Einige Psychologen vertreten dagegen oft die Meinung, dass Mangel an Selbstachtung der Grund für viele Depressionen ist. Sicherlich gibt es auch hier wieder eine ganze Reihe von Gründe für depressives Erleben. Wenn wir uns wegen unseres Ärgers schuldig fühlen, vermindert das unsere Selbstachtung, bis wir uns schließlich nicht mehr leiden können oder uns nichts mehr zutrauen.

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Ausgebrannt und erschöpft sein

Wenn Sie mit einem „Messie“ zusammenleben, bleibt es nicht aus, dass Sie Hoffnungslosigkeit und Erschöpfung erleben. Woran erkennen Sie, dass Sie sich in einer Situation befinden, in der sich Ihre „innere Batterie“ entleert? Mit Sicherheit daran, dass Sie sich gefühlsmäßig dem chaotischen Niveau nähern und dass Sie nicht mehr den richtigen Abstand zu ihm wahren können. Wenn Sie ohne Ziel einfach von Tag zu Tag dahinleben, sich hilflos und außer Kontrolle fühlen, dann ist es an der Zeit, Ihre „inneren Batterien“ wieder aufzuladen und sich für einige Zeit zurückzuziehen. Aber soweit brauchen Sie es gar nicht erst kommen lassen. Gönnen Sie sich schon vorher Ihre wohlverdiente Ruhe.

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Schuldgefühle

Hier sind unberechtigte und übertriebene Schuldgefühle, die Sie persönlich in Frage stellen und Ihnen das Gefühl geben, Sie seien schlecht. Solche Schuldgefühle hindern Sie daran, sich selbst zu akzeptieren und sich Fehler zu verzeihen und das führt zur Selbstabwertung.

Wenn Sie in Ihrer früheren Kindheit vernachlässigt wurden oder wenn man Ihnen das Gefühl gab, Sie seien wertlos, dann sind solche Gefühle sehr tief in Ihnen verwurzelt. Im Zusammenleben mit einem Menschen, der bei jedem Misserfolg anderen die Verantwortung dafür in die Schuhe schiebt, werden solche Gefühle noch vertieft, weil Sie immer mit Angriffen auf Ihre Person überhäuft werden.

Wann immer Sie solchen Attacken ausgesetzt sind, werden Sie schließlich zu der Überzeugung gelangen, dass Sie völlig wertlos sind. Vielleicht hilft es Ihnen weiter, wenn Sie sich klarmachen, das derjenige, der Sie herabwürdigt, dieses wegen eigener Probleme tut. Erinnern Sie sich daran, dass unfaire Angriffe Symptome eines betroffenen Messies sind.

Möglicherweise meinen Sie auch, Sie müssten alles tun, worum andere Sie bitten, und Sie haben Schuldgefühle, wenn Sie nicht dazu bereit sind? Es ist ziemlich normal, es allen Menschen recht machen zu wollen, aber weil es sowieso nicht möglich ist, kann man damit aufhören, es zu versuchen. Krampfhaftes Suchen nach Anerkennung ist eine weitere Ursache für falsche Schuldgefühle. Vielleicht versuchen Sie in Ihrem Kampf um Anerkennung immer, es allen Menschen recht zu machen, und fühlen sich am Boden zerstört, wenn Sie kritisiert werden. Wenn jemand Sie oder Ihr Verhalten missbilligt, meinen Sie, dass er recht haben muss. Unsinn! Es ist doch klar, dass die Meinungen auseinandergehen. Wenn Sie kritisiert werden, sollten Sie innehalten und sich darüber klar werden, ob das gerechtfertigt war oder nicht. Dann ist es Zeit, Ihr Gefühl, sich zu akzeptieren, wieder bewusst zu machen, und dass Sie kein schlechter Mensch sind.

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Selbstgerechtigkeit

Wer mit einem Messie zusammenlebt, gerät nur zu leicht in diese „Ich weiß alles und habe immer Recht“ -Haltung. Aber so einfach ist es nicht, denn ganz gleich, wie Sie denken, Ihr Angehöriger ist nicht immer und mit allem im Unrecht. Diese Einstellung ist Selbstgerechtigkeit, eine Form des Stolzes. Wenn Sie sich Ihrer eigenen Fehler bewusst bleiben, werden Sie gegenüber den Fehlern anderer Menschen viel nachsichtiger sein.

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Unversöhnlichkeit

Es kann sehr schwer sein, jemandem zu vergeben, der einen zutiefst verletzt hat. Jemandem vergeben heißt nicht, die Verfehlungen als in Ordnung zu akzeptieren, sondern, dass Sie bereit sind, die Sache hinter sich zu lassen und dass Sie akzeptieren, was geschehen ist. Schwer genug ist es, jemandem zu vergeben, der sein Tun bereut. Was aber ist dann erst mit denen, die nicht merken, wie sehr sie uns verletzt haben - oder die das gar nicht kümmert? Hier hilft die Zeit, die jedes Mal, wenn sie vergeht, etwas von dem Schmerz mit sich fortnimmt.

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Nur die Tauben waren am Ende ihre Gesellschaft

Die Tragödie der Lissy A.

© Von M. Schwarzer

Lippische Landes-Zeitung

Hinter den blinden Schaufensterscheiben des Hauses Langer Steinweg 40 rotten alte Ladentische und längst verstaubte Waren vor sich hin. Das Haus ist eine Ruine, die morsche Fassade straft den Schriftzug des Ladeninhaber an der Giebelwand Lügen: Das Geschäft existiert längst nicht mehr. Über die letzte Bewohnerin des Hauses, Martha A., erzählt man sich in Blomberg eine Menge Gerüchte. Fest steht: Hinter diesen Mauern hat sich, einen Steinwurf weit vom alten Stadttor entfernt, eine Tragödie abgespielt. Die LZ ging ihr nach.

Als Martha A. im vergangenen Sommer starb, fand der Nachlasspfleger im Wohnzimmer des Hauses einen Stapel alter Briefe und Fotos. Wer sie durchblättert, taucht ein in die tragische Geschichte einer Frau, die im Berlin der 30er Jahren aufgewachsen ist. Martha A. war ausgesprochen schön.  „Männer umschwirren mich wie Motten das Licht“ - der Satz aus dem Film „Der blaue Engel“ hätte wohl auf sie gepasst, dieser Eindruck drängt sich beim lesen der alten Briefe auf.

„Lissy“, wie sie von ihren Verehrern zärtlich genannt wurde, konnte sich vor Angeboten kaum retten. Ein ganz  besonders Hartnäckiger Bewunderer schrieb ihr jahrelang in unregelmäßigen Abständen immer wieder glühende Liebesbriefe und bat sie inständig, sich sonntags doch noch einmal mit ihm zu treffen. Ein anderer, der offenbar als junger Soldat diente, empfing sie eines Tages in der Kaserne, um sie stolz seinen Stubenkameraden vorzustellen. Doch letzten Endes erhörte Sie niemanden aus der großen Verehrerschar, sonder verliebt sich in Ernst A. Unter welchen Umständen der Klempnersohn aus einer Kleinstadt die Großstädterin kennen gelernt hat, ist aus den Briefen nicht ersichtlich. Doch mitten in den Kriegswirren, 1940, schmieden die beiden Heiratspläne. „Mein lieber Stups“, nennt Ernst sie in einem seiner Briefe. Zu dieser Zeit ist er Soldat, es folgen Dutzende von Feldpostkarten.

Nach dem Krieg folgt die Dirigententochter Lissy ihm in die ostwestfälische Provinz.  Es muss ihr schwer gefallen sein - in der Nachkriegszeit entstand ein umfangreicher Briefwechsel mit ihren Berliner Verwandten, aus dem auch ihre Sehnsucht nach der Großstadt spricht. Die folgenden Jahrzehnte liegen ziemlich im Dunkeln. Verwandte ihres heute längst verstorbenen Mannes berichteten im LZ-Gespräch, sie sei eine recht hochmütige Frau gewesen, die auch der Männerwelt in ostwestfälischem Ort bald den Kopf verdreht - ein bunter Vogel in der Provinz. Möglicherweise war die Ehe vor allem in der letzten Phase nicht besonders glücklich. Das einst so blühende Klempnergeschäft lag danieder, und schließlich starb Ernst A. nach langer Krankheit.

Fortan war Lissy allein in den Fachwerkhaus. Si muss sehr musikalisch gewesen sein - in ihrem Nachlass finden sich neben einem Klavier stapelweise Notenheft und einige Tonbänder, die sie selbst mit Orgelmusik bespielt hat. Die Musikalität war zum Schluss ihr einziger Draht zu Außenwelt: Die alte Dame spielte zu Beerdigungen Orgel. „Das lief so: Der Bestatter schob ihr einen Zettel unter der Haustür her, auf der die Uhrzeit stand. Und dann kam sie, ich besprach mit ihr die Lieder, sie spielte und ging wieder“, erinnerte sich die Pastorin, einer der wenigen Menschen, mit denen Lissy A. noch gesprochen hat.

Sie kapselte sich vollkommen ab, öffnete niemanden mehr die Tür. Postboten, Gratulanten zum Geburtstag, Verwandte oder die Gemeindeschwester - sie alle klingelten vergeblich. Noch vor drei, vier Jahren ging die 80jährige Frau immerhin noch selbst zum Supermarkt. Doch auch damit war es schließlich vorbei - sie bezog ihre Lebensmittel am Ende ausschließlich per Zettelbestellung. Sie muss früher sogar mal damit geliebäugelt haben, ins Altenheim zu gehen. Auf dem Klavier lag ein ausschnitt aus der LZ über das Kreisaltenheim. Doch dazu kam es nie.

Ihre einzige Gesellschaft waren die Tauben, die durch die kaputten Fenster hereinflatterten. Die Vögel nahmen immer mehr Besitz von dem großen, leeren Haus - sie ließ es zu und fütterte sie regelmäßig. Sie nisten im ehemaligen Ehebett, saßen auf Möbel und Türen im Obergeschoss. Das Klavier verstummte, Lissy A. scheint die Obere Etage kaum noch betreten zu haben. Doch die gute Stube im Erdgeschoss, den einzigen taubenfreien Raum im ganzen Haus, sickerte das Regenwasser, und zum Schluss hatte sie nicht einmal eine Kochgelegenheit. Sie haust in einem Hinterzimmer der Küche, wo sie eines Tages zusammenbrach. Niemand hat sie hören können, falls sie um Hilfe gerufen hat. Ihre Leiche wurde erst Wochen später gefunden, weil Nachbarn feststellen, dass sie ihre Mülleimer nicht mehr rausstellte. 

Foto

Niemand kann sich erklären, wie es dazu kam, das Lissy A. in diesem Elend zugrunde ging - aus eigenem Willen.                                          (Foto: Schwarzer)

 

Wie hat es dazu kommen können, dass ein solcher Mensch allein zugrunde geht? Pastorin Ursel R. ist überzeugt, dass es sich um eine selbstgewählte Isolation bei vollem Bewusstsein gehandelt hat: „Sie war ein unglaublich stolzer Mensch und Herrin ihrer Sinne. Sie hat mir von Berlin erzählt und von ihrem Vater. Aber in dem Augenblick, als ich ihr vorschlug, dass sich die Diakonie um sie kümmern könnte, war der Ofen aus. Da hat sie sich auch vor mir zurückgezogen. Hier hätte wirklich niemand etwas machen können.“

Was nun im Kopf der Lissy A. vorgegangen ist, mag heute niemand zu sagen. Zurück bleiben nur Erinnerungen einiger weniger Mitbürgern der ostwestfälischen Kleinstadt und ein paar vergilbte Postkarten. Und das ist nicht viel für ein Menschenleben.

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Was können Sie für sich tun?

Wie schon erwähnt, und wie es im letzten Bericht der LZ deutlich wurde, isolieren sich diese Menschen (auch die Angehörigen, mit denen diese Menschen zusammenleben) fast total von andern Menschen. Lassen Sie das auf keine Fall mit sich machen. Versuchen Sie immer wieder, mit diesen isolierten betroffenen Menschen in Kontakt zu kommen oder mit Ihren Freunden in Kontakt zu bleiben. Sie müssen die Isolierungsversuche zurückweisen, denn sie schaden Ihnen und dem Menschen, der sich Messie nennt. Überwinden Sie Ihre Ängste und moralischen Schranken. Besuchen Sie Ihre „normalen“ Freunde - wenn nötig allein. Wenn Sie meinen, dass Sie Hilfe brauchen, nehmen Sie sie in Anspruch. Vor allem lassen Sie sich nicht weismachen, dass Sie den Betroffenen nur durch völlige Hingabe und Selbstaufgabe helfen könnten.

Es ist ganz normal, wenn Sie auch das Bedürfnis haben, sich bei einem Menschen auszusprechen, bei jemandem, der Ihnen nahe steht und so vertrauenswürdig ist, dass er Ihre Probleme erfahren und alles über Sie wissen kann. Solche Freunde können Ihnen helfen, ihr Selbstmitleid zu überwinden, sich weniger alleingelassen zu fühlen. Auch kann sich die innere Spannung lösen, die entstehen kann, wenn Sie alles in sich hineingefressen haben. Welche Eigenschaften sollten Freunde haben:

·        ...ein guter Zuhörer sein, der nicht ständig unterbricht, Sie nicht so schnell missversteht und Sie nicht mit unerwünschten Ratschlägen bombardiert.

·        ...in der Regel nicht zur Familie gehört. Verwandte haben meist nicht den notwendigen Abstand und ergreifen zu leicht Partei.

·        ...ein Geheimnis für sich behalten können. Achten Sie darauf, ob die Freunde über andere viel reden. Wenn ja, dann werden sie auch über Sie und Ihre Probleme reden.

·        ...Sie nicht mit Mitleid erdrücken, sondern Ihnen helfen, vernünftige Entscheidungen zu treffen.

·        ...nicht so schnell geneigt sein, Sie „retten“ zu wollen - Ihnen also Entscheidungen abzunehmen, Schritte für Sie zu tun oder Ihnen Verantwortung wegzunehmen.

HILFE mein Freund ist Messie

Geschrieben von xxxxx am 02. November 2004 12:39:45:

HILFE!

Ich (w, 30) habe vor 3,5 Monaten über eine Internet-Partnervermittlung einen 39 Jahre alten Mann kennen gelernt. Manfred gab damals an, er sei „selbständiger Jurist“. Er ist der warmherzigste, hilfsbereiteste und liebevollste Mensch, den ich bisher kennen gelernt habe und wir kamen recht schnell nach dem Kennenlernen zusammen.

Leider sieht es jedoch folgendermaßen aus: Er hat das Jurastudium nach 18 Semestern und dem 1. Staatsexamen abgebrochen und danach nur „rumgejobbt“, diese Jobs aber auch jeweils recht schnell wieder „geschmissen“. Seit ca. einem Jahr arbeitet er gar nicht mehr, sondern lebt bei seiner Mutter und von seinem Ersparten.

Er hat 2 Probleme....

Zum Einen... Seine Oldtimer. Durch anscheinend traumatische Erlebnisse in der Kindheit (Verschrottung des Borgward „Isabella“ seines Vaters, als er 7 Jahre alt war; er hing wohl sehr an diesem Auto) hat er begonnen, Oldtimer zu sammeln. Inzwischen hat er um die 20 Oldtimer, für die er monatlich 600,-- €uro Hallenmiete zahlt. Die Autos sind alle nicht fahrbereit und in z.T. erbärmlichem Zustand. Dazu kommen massenhaft Ersatzteile, die er, wie ein Eichhörnchen seine Nüsse, in Form von diversen „Schrottnestern“ in Hallen /Scheunen etc. bei Bekannten deponiert hat. Er sagt mir zwar zu, die Autos verkaufen zu wollen, aber der Verkauf geht SEHR schleppend vor sich. Er hat noch ca. 4000,-- Euro an Erspartem, so dass er sich die Hallenmiete in einem halben Jahr nicht mehr wird leisten können.

Zum Anderen.... Hat er den festen Glauben, durch An- und Verkauf allen möglichen Krams sein Leben finanzieren zu können. Er kauft auf Flohmärkten und von Privat günstig alles mögliche (vor allem Kinderspielzeug) und versucht dann, das Zeug gewinnbringend weiter zu verkaufen. Die Rechnung geht aber leider nicht auf und so muss der ganze Mist ja gelagert werden. Die Tür seines Zimmer in der Wohnung seiner Mutter geht schon nicht mehr auf, so voll ist das Zimmer inzwischen. Ein weiterer Teil der Dinge ist bei Bekannten untergestellt. Auch in meinem Keller ist inzwischen ein Großteil gelandet.

Zwar hat er sich inzwischen (auf mein Drängen hin) arbeitslos gemeldet. Da er jedoch meint, Erfahrung an der Börse zu haben, hat er bei der Bundesfinanzverwaltung einen Antrag auf Genehmigung einer selbständigen Tätigkeit als Vermögensverwalter gestellt. Er glaubt fest daran, dass der Antrag genehmigt wird und er in absehbarer Zeit sehr viel Geld durch Vermögensverwaltung verdienen wird. Ich bin da mehr als skeptisch.

Alle meine Freunde, meine Familie, raten mir, mich von diesem Mann zu trennen. Sie sagen, er sei ein arbeitsscheuer Messie. Mich belastet die Situation sehr. Allein der Anblick der Berge von altem Zeugs, die bei ihm rumliegen, macht mich derzeit fertig.

Wer hat gute Tipps für mich? Was kann ich tun?

Danke schon mal, xxxxx

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Was sollten Sie auf jeden Fall lassen?

 

Auf keinen Fall sollten Sie predigen oder moralisieren.

Unter keinen Umständen sollten Sie z. B. sagen: „Du benimmst Dich wie ein Idiot. Anständige Leute wollen nichts mehr mit Dir zu tun haben.“ Denn das sind keine Fakten, sondern Ihre Meinung und Ihre Schlussfolgerung. Bleiben Sie bei den Tatsachen.

Nicht an den Willen appellieren mit Sätzen wie „Du wolltest doch...” Messie - Sein hat nichts mit Willensschwäche zu tun und auch nichts mit Schlampigsein.

Jetzt keine wichtigen Entscheidungen einfordern, wie z. B. Arbeitsplatzwechsel, Scheidung, Kinder bekommen oder ein Haus kaufen.

Nicht auf das Grübeln über vergangene Ereignisse eingehen; möglichst in der Gegenwart bei aktuellen Empfindungen bleiben.

Die negativen Empfindungen wie: Unlust, Schlaflosigkeit, körperliche Beschwerden nicht bagatellisieren, wegdeuten oder ausreden; keinen platten Trost spenden.

Sie brauchen sich nicht für die Veränderungen, die Sie als Angehöriger für sich durchführen, zu rechtfertigen.

Spielen Sie nicht den Therapeuten. Es ist Zeitverschwendung. Versuchen Sie nicht, für diese Störung tiefenpsychologische Erklärungen zu finden. Damit ermutigen Sie nur zu weiterem Verleugnen der eigenen Verantwortung des Betroffenen.

Werfen Sie keine Dinge ungefragt weg, die dem Betroffenen gehören. Wenn Sie jedoch etwas von Ihren Sachen wegwerfen, bestehen Sie darauf, dass diese Dinge nicht auf anderen Wegen zurück ins Haus finden. Der Betroffene muss auch Ihre Entscheidungen respektieren.

Stellen Sie keine Ultimaten, es sei denn, Sie sind bereit, es wirklich durchzuhalten. Ein Ultimatum ist eine schwere Drohung für den Fall, dass bestimmte Bedingungen nicht eingehalten werden: „Wenn Du nicht in einem Monat alles weggeworfen hast, werde ich ausziehen.“ - „Wenn die Wohnung nicht so aussieht, wie ich es mit vorstelle, werde ich den ganze Kram entsorgen.“ - „Wenn Du nicht pünktlich auf die Minute bist, gehe ich ohne Dich.“

Bringen Sie sich nicht in eine Lage, in der Sie etwas androhen, was Sie doch nicht tun würden.

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Die Falle, in die Sie hineintappen

Wut, Erregung, Frust, auch Traurigkeit, allein oder in Kombination, sind in der Regel das Ergebnis störrischen Festhaltens an Ansichten. Hier sind die Reaktionen der anderen mitbeteiligt, die durch unsere starren Auffassungen ungehalten werden. Negativ geladene Emotionen entstehen aufgrund festgelegter Assoziationen, die man irgendwann einmal hergestellt hat und die sich in uns beliebig oft austoben.

Dazu eine kleine Geschichte:

In Südostasien gibt es eine einfache, aber äußerst erfolgreiche Methode des Affenfangs, die weit verbreitet ist. Der Jäger höhlt eine bauchige, kürbisartige Frucht so aus, dass das Loch in der Schale gerade groß genug ist, um eine Banane hindurch zu stecken.

Nach einer Weile kommt ein Affe vorbeispaziert, interessiert sich für den Kürbis und entdeckt dabei die Banane. Er greift durch das Loch ins Innere, packt die Frucht, wobei er automatisch eine Faust formt, und stellt als nächstes fest, dass Hand samt Banane nicht durch die Öffnung passen. Er sitzt in der Falle, und sein Schicksal ist damit schon so gut wie besiegelt.

Der arme Affe kann nämlich den Gedanken an die verlockende Frucht nicht loslassen. Sein ganzes Sinnen und Trachten ist auf diese Banane im Kürbis gerichtet. Er ist im wahrsten Sinn des Wortes sein eigenen Gefangener geworden.

Menschen haben im Gegensatz zu Affen die Möglichkeit, sich die Situation, in der sie stecken, bewusst zu machen. Doch nur allzu oft erinnert uns dieses Beispiel an den betroffenen Angehörigen oder Freund, der weit davon entfernt ist, bewusst wahrzunehmen, in welch ein Gefängnis er sich selbst bringt. Es gibt zwei Schlüssel, die den Messie aus diesem Gefängnis des Verstandes befreien:

1.      sich die Situation bewusst machen

2.      und dann eine bewusste Wahl zu treffen.

Der Affe erkennt sein Problem nicht, das darin besteht, dass er krampfhaft die Banane festhält. Ohne diese Erkenntnis kann er nicht beschließen, sie loszulassen.

Doch trotz unserer Erkenntnisfähigkeit handeln wir oft wie unser Primatenbrüder. Auch wir sind manchmal förmlich wie mit Blindheit geschlagen, wenn es darum geht zu erkennen, dass in einer Situation loszulassen ist, um somit andere Lebenswahrheiten zu schaffen. Stattdessen schieben wir die Schuld an unser misslichen Lage dem „Kürbis“ zu oder jedem beliebigen Umstand, der sich mit unserem Leid irgendwie in Verbindung bringen lässt.

Sicherlich kommt Ihnen das sehr bekannt vor. Wenn Sie jetzt denken, dass Sie immer genau das zu Ihrem Angehörigen gesagt haben, dann habe Sie sicherlich damit recht. Aber erkennen Sie, dass es wieder einmal um das liebe Rechthaben geht...

Es ist nicht so einfach, festgefahrene Verhaltensweisen abzuschütteln...

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Aussichten und Chancen

 

Achtsamkeit zu üben ist der erste Schritt auf den Weg zu einem gesünderen Leben.

Leider sind wir davon weit entfernt, wenn wir davon überzeugt sind, dass wir nur dann glücklich und zufrieden sein können, wenn wir alles, was wir uns wünschen, auch bekommen. Die meisten Menschen denken so. Weil sie aber die Welt in düsteren Farben sehen, voller Gefahren und möglicher Verluste, verdunkelt das sogar die wenigen Augenblicke flüchtigen Glücks noch mit der Angst, dass irgend etwas passieren könnte, was unser kurzes Glück zerstört. Dieser Irrtum, dem wir anheimfallen, verschafft uns immer wieder leidvolle Erfahrungen, die wir aus einer Ignoranz heraus nicht loslassen können.

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Wie Sie helfen können

Das Streben nach Veränderung bewirkt Fortschritt. Sich Ziele setzen und darauf hinzuarbeiten, fördert Kreativität und Einfallsreichtum. Etwas zu wollen ist also nicht das eigentliche Problem, sondern nur die verdrehte Vorstellung, nicht glücklich sein zu können, bevor ein bestimmtes Bedürfnis befriedigt wurde. Wie oft erleiden Ehepartner Schiffbruch, weil sie nicht mit dem Menschen an ihrer Seite leben, sondern erwarten, dass er sich zu einem Wunschpartner umformen lässt. Leider sehen wir nicht immer alles klar und sind unfähig, die guten Seiten aneinander zu schätzen. Wir verzehren uns vor Sehnsucht, weil wir nicht das bekommen können, was wir unserer Meinung nach gerne hätten. Ein Gefühl der Unzufriedenheit breitet sich aus und fesselt uns immer enger an unsere Wünsche. Weil wir nicht loslassen können, wird es uns ziemlich unmöglich, das, was wir haben, und den Augenblick zu genießen. Wenn Ihre Seligkeit an der Erfüllung der Wünsche hängt, haben Sie sich zum Gefangenen Ihrer selbst gemacht.

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Ebenen des Verstehens

Solange wir davon überzeugt sind, die Gründe für unser Leid bereits zu kennen, sind wir nicht offenen für Veränderungen. Es tut Not, unsere alten, überkommenen Betrachtungsweisen einmal loszulassen, an denen wir oft unbewusst festhalten, um sich Raum für andere Betrachtungsweisen zu erschließen. Wer es wagt, Fehler zuzugeben, kann feststellen, dass der enorme Druck, unbedingt Recht haben zu müssen, verschwindet. Der Mensch ist befreit von negativen Gefühlen, die in der Regel beim Streiten mitschwingen.

Sie können offenkundige Zusammenhänge bei den Interaktionen mit betroffenen Angehörigen erst dann erkennen, wenn Sie bereit sind, sie zu sehen. Ein so gewaltige Veränderung ist nur möglich, wenn man seine liebgewonnenen Zufluchtsorte einmal im Licht der Objektivität betrachtet und radikal entrümpelt. Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen hat nichts mit „sich selbst die Schuld in die Schuhe schieben“ zu tun. Vielmehr erfasst es Ihre Fähigkeit, etwas ändern zu können.

Plötzlich geht es nicht mehr um Schuld oder Nicht-Schuld, sondern um bestimmte Handlungsweisen. Automatisch sinkt der emotionale Pegel der Auseinandersetzungen auf ein Mindestmaß. So können Sie mit Ihrem Angehörigen oder Freund über ihre Beobachtungen sprechen und gemeinsam mit ihm die gewonnenen Einsichten beleuchten. Sie sind somit in die Rolle des wachsamen Beobachter geschlüpft. Die alten, überholten Mechanismen, die Ihre Beziehung belasten, sind nicht die Endstation. Sie können sich verändern.

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Heilung der Gefühle

Niemand kann die Gewohnheiten eines Lebens überwinden, ohne nicht immer wieder mit ihnen zu kämpfen. An erster Stelle wird deutlich:

·              wie wichtig es ist, sich selbst und anderen offen zu begegnen, d. h. mit der Bereitschaft und Neugier, neue Erfahrungen zu machen.

·              Danach werden wir immer mit der Notwendigkeit konfrontiert, für uns selbst Verantwortung zu übernehmen.

·              Letztendlich erlangen wir die Besonnenheit und das Wissen um Beziehungen, die frei von Schuld und Unzulänglichkeiten sind.

Eine Betroffene erzählt:

„Ich habe festgestellt, dass Klaus immer dann wütend wird, wenn ich anfange, ihn für meine Schwierigkeiten verantwortlich zu machen. Ich hatte verschlafen und wusste eigentlich, dass die Zeit für Anziehen, Schminken, Frühstück machen und noch rechtzeitig aus dem Haus gehen nie reichen würde. Ich bildete mir ein, Klaus müsse Feuerwehr spielen und mir das Frühstückmachen abnehmen, ohne dass ich ihn extra darum bitte. Als er das nicht tat, habe ich die alte Leier von wegen „Nie unterstützt Du mich“ vom Stapel gelassen und dass niemand sich darum kümmert, wie ich zurechtkomme. Ich warf ihm schließlich vor, wie viel ich für Klaus immer tue; ich wollte, dass er sich schuldig fühlt. Ich tue das oft, fast schon aus Gewohnheit. Es fällt mir schwer, ihn um Hilfe zu bitten, dann, wenn ich sie brauche. Irgendwie erwarte ich stillschweigend, dass Klaus meine Bedrängnis von selbst sehen muss.“

Achten Sie auf Ihren inneren Dialog und auf die tatsächlichen Beweggründe, die hinter Ihrem Verhalten stecken, denn sie stellen die eigentliche Ursache für das Leiden dar. Es gibt kein allgemeingültiges Mittel gegen Ihr Leiden, denn alte, oft geübte Denk- und Handlungsmuster besitzen eine enorme Kraft und es fällt schwer, überkommenen Ansichten Lebewohl zu sagen.

Es gibt nur Schritte auf einem Weg, der zu mehr Achtsamkeit und umfassenderem Verstehen führt.

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Erwachsene Kinder- oder die Eltern, die horten müssen

Ich bin irgendwie ratlos. Die Wohnung meiner Mutter
versinkt im Chaos, wie sich das keiner vorstellen kann.
Meine Brüder leiden sehr. Wenn wir Hilfe anbieten,
wendet sich meine Mutter erbost ab.
Die ganze Familie leidet, aber keiner traut sich, das
Thema anzusprechen.
wie könnte ich meiner Mutter helfen, ohne dass sie sich
bevormundet fühlt ???

Hallo zusammen,

meine Eltern scheinen Messie zu sein, sie horten alles, schmeißen nichts weg, es gibt in ihrem Haus Zimmer, die unbetretbar sind, vor lauter Gerümpel! Tschuldigung, ich möchte Euch allen nicht zu Nahe treten, aber könnt Ihr mir beschreiben wir Ihr Euch fühlt. Ich meine, stört es Euch so zu leben, merkt man das nicht? Ich kann es nicht verstehen, ich putze sehr gern und schmeiße lieber ein Trum zuviel weg, als es Jahre lang im Schrank zu verstauen und weil die Teile im Schrank keinen Platz mehr haben, einfach noch einen Schrank anzufangen.
Bei meiner Mutter ist es so, sie kauft trotzdem alles neu, sie kann von den Dingen die sie kauft x daheim haben, sie kauft es einfach nochmal, weil das Suchen viel zu aufwendig wäre. Sie weiß nicht das ich denke sie wäre ein Messie, aber ich würde ihr trotzdem gerne helfen. Bitte sagt mir, wie kann ich sie drauf ansprechen und ihr helfen, ohne das ich sie verletze. Ich möchte mit meinen Kindern eigentlich nicht mehr auf Besuch kommen, denn es liegt überall was rum und es ist absolut schmutzig. Das Schlimme ist, ICH SCHÄME MICH FÜR SIE!

Das war jetzt alles ziemlich wirr, aber ich hoffe so auf Eure Hilfe!

HERZLICHEN DANK!                                                    Aus dem Messie-Forum

Unerträgliche Einsamkeit.

Als besonders schlimm empfinden viele Messies die zunehmende Isolation, die mit ihrer Krankheit einhergeht. Sie vereinsamen, weil sie verzweifelt versuchen, ihre Krankheit geheim zu halten. Niemand darf mehr in die Wohnung - aus Angst entlarvt zu werden, aus Scham, das heillose Chaos preisgeben zu müssen. Für Messies ist es daher wichtig, die Fassade aufrechtzuerhalten. Und in vielen Fällen gelingt das auch: So wusste selbst Andreas beste Freundin, die im gleichen Haus wohnte, lange nichts von dem Sammelwahn, der nur einige Treppen über deren Wohnung, wütete. "Lügen, betrügen, da ist man erfinderisch", erzählt Andrea. Nach außen hin habe sie immer den Schein gewahrt: adrett, gepflegt, immer akkurat geschminkt. Heute, mit Mitte 30, hat Andrea ihre Sammelwut einigermaßen im Griff.

Aus den www.

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Heraus aus der Sprachlosigkeit und Isolation

Besonders Eltern von erwachsenen Kindern, die Messie sind, beklagen häufig, dass sie sich in ihrer Situation als Angehörige verlassen fühlen. Das gilt besonders dann, wenn das betroffene Kind im gleichen Haus wohnt. Das Wissen, nicht allein mit den Problemen dazustehen, hilft oftmals, aus dieser Isolation herauszukommen. Überwinden Sie ihre Ängste und Tabus. Gehen sie zu Ihrem Gesangverein oder mit einer Freundin/Freund ins Kino.

 Wenn Sie Hilfe brauchen, nehmen Sie sie in Anspruch.

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Ich kenne da einen Messie, Wie kann ich ihm helfen ...

Geschrieben von / xxxxx am 26. Juni 2002 01:45:25:

als Eltern, Ehepartner, Freund, Kind ?

Ich, als Messie, muss sagen, dass „Angehörige" in der Regel einerseits auf ihre Art mitbetroffen sind und darunter leiden, andererseits aber auch unbewusst die Verhaltensweisen des Messies verstärken. Dieses liegt am unterschiedlichen Erleben derselben Situation. Was also kann man machen?

Gar nichts!? Es muss der Messie von sich aus aktiv werden!

Diesen Moment gilt es abzupassen! Dann muss der Außenstehende bereit sein, sich in die Problematik des Messie einzudenken, um für dessen tatsächliche Nöte und Leiden (nicht das, was man selbst dafür hält!) Verständnis entwickeln zu können und sich über die Messie - Thematik informieren.

Der Messie wird seine Aktivitäten wahrscheinlich zuerst auf Nebenschauplätzen entwickeln und die Hauptprobleme, mit denen er ja schon länger erfolglos kämpft, erst nach vielen kleinen Erfolgserlebnissen in Angriff nehmen.

Man kann Rat und Hilfe nur bieten, wenn man es schafft, dabei keine Vorschriften zu machen, auch keine „Vorschläge“, die als Bevormundung aufgefasst werden. Was dem Messie in seinem Chaos hilft, ist ein ruhender Pol, um sich auf sich selbst zu besinnen statt auf andere, den Rest der Gesellschaft und deren Wünsche, wie er sein soll.

Es ist sinnvoll, auf Selbsthilfegruppen hinzuweisen, um dem Problem das Gefühl der Einzigartigkeit zu nehmen, zu erleben, dass andere genauso betroffen sind, und von ihnen direktes menschliches Verständnis für die Probleme und tatsächlich funktionierende Anregungen für Lösungen zu bekommen, was keine nichtbetroffene Person oder ein trockener Lesetext, und sei er auch von uns Messies, leisten kann.

Rückschläge sind ein normales Anzeichen für zu schnelles Vorgehen!!

Es gibt keine Patentrezepte!                                     Aus den Messie-Angehörigen-Forum

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Die Angehörigenselbsthilfegruppen

Die Ziele dieser Zusammentreffen sind:

Die Angehörigen

-         informieren sich über alle möglichen Verhaltensweisen und deren Auswirkungen auf die Familie;

-         können durch Gespräche ihre Schuldgefühle abbauen;

-         werden ermutigt, Grenzen zu setzen;

-         erleben, dass andere Menschen dieselben Probleme haben wie sie;

-         lernen, ihre Beziehungsmuster zu erkennen: einer hilflos - einer Helfer, und dann auch zu verändern.

Wie komme ich zu einer Angehörigen-Gruppe?

Erkundigen Sie sich, ob in Ihrer Umgebung bereits eine Selbsthilfegruppe besteht. In einigen Städten gibt es Selbsthilfegruppen-Kontaktstellen, bei denen Sie sich informieren können. Die Kontaktstelle kann auch initiativ eine Gruppengründung anregen oder erleichtern.

Wie gründe ich selbst eine Gruppe?

Eine Anfrage bei der Lokalzeitung, ob ein Journalist(in) Interesse hat, über die Gruppengründung zu berichten und dabei gleichzeitig Ort und Zeit des Gründungstreffens bekannt zu geben. Keine Angst, die meisten Journalisten helfen gern.

Wo soll sich die Gruppe treffen?

Möglichst in einem neutralen Raum. Die SHG - Kontaktstelle kann auch hier behilflich sein.

Wie oft und wie lange sollte sich die Gruppe treffen?

Wichtig ist vor allem die regelmäßige Teilnahme über einen längeren Zeitraum. Es erfordert Zeit, Vertrauen zu entwickeln und Probleme zu bewältigen. Die meisten Gruppen treffen sich mindestens ein Jahr lang einmal oder zweimal pro Monat für 2 Stunden. Es empfiehlt sich, die Anfangs- und Endzeiten möglichst genau festzulegen und einzuhalten. Man muss sich aufeinander verlassen können.

Wie groß sollte die Gruppe sein?

Eine gute Gruppengröße für Gesprächsgruppen ist 4-6 Personen. Anfangen sollte man jedoch mit einer größeren Anzahl (etwa 8), da gerade in der Anfangsphase einige Interessierte abspringen. Eine länger bestehende, stabile Gruppe wird beim Ausscheiden von Mitgliedern selbst entscheiden, ob neue Interessenten aufgenommen werden sollen.

Braucht die Gruppe eine Leitung?

Eine Selbsthilfegruppe hat keinen Leiter. Sie benutzt die Fähigkeit der Mitglieder, sich selbst und anderen zu helfen. Diese Fähigkeiten sind die gleichen, mit denen wir unsere Alltagsprobleme bewältigen. Manche Gruppen gestalten ihre ersten Treffen mit Hilfe von Anleitungen - dies mindert die anfängliche Unsicherheit. Jede Gruppe wird ihren eigenen Stil finden.

Den größten Erfolg haben erfahrungsgemäß Gruppen, die im freien Gespräch so offen wie möglich ihre Probleme austauschen und zu bewältigen versuchen.

Was tun bei Gruppenschwierigkeiten?

Es ist hilfreich und wichtig, sich mit anderen Selbsthilfegruppen auszutauschen. Diese haben oder hatten möglicherweise vergleichbare Probleme und können von ihren Lösungsversuchen berichten, oder sie können dazu beitragen, die Bedeutung eines Problems angemessen einzuschätzen.

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Wo können Sie Informationen und Unterstützung erhalten?

Rasche, kompetente Hilfestellung, Unterstützung und Beratung erhalten Angehörigen von Messies beim Förderverein zur Erforschung des Messie-Syndroms (FEM) e.V. und beim Landesverband der Messies im norddeutschen Raum; selbstverständlich kostenlos und ohne ein dahinterliegendes wirtschaftliches Interesse.

Der FEM verfügt über eine umfangreiche Dokumentation von aktuellen Forschungen zum Thema Messie-Syndrom und von Fachtagungen, auf die Betroffene und Angehörige zurückgreifen können. Auch die Auskunft, wo sich an Ihrem Wohnort die nächstliegende Angehörigen Selbsthilfegruppe befindet, erhalten Sie bei uns. Zur Zeit wird eine Adressdatei von Therapeuten aufgebaut.

Bei der Bewältigung von sozialen Problemen und bei Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden, Vermietern und anderen Institutionen helfen und vermitteln wir im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Darüber hinaus bietet der FEM e.V. zahlreiche Broschüren an, in denen das Messie-Syndrom erläutert wird. Im Internet können Sie die Hefte unter der Adresse „www.femmessies.de“ aufrufen und lesen.

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Adressen zur Hilfe

 

Beratungstelefon für Betroffene und Angehörige beim FEM e.V.

Tel.:05236-888795

Z. Zt. Mo, Di und Do von 10-17 Uhr

Gesprächspartner ist Marianne Bönigk-Schulz

 

Adressen im Internet

H -TEAM e.V. http://www.h-team-ev.de/

Die Arbeit des gemeinnützigen Vereins ist in unserer zweiten Dokumentation ausführlich beschrieben.

Telefon Seelsorge http://www.telefonseelsorge.de

Die Telefonseelsorge bietet neben Gespräche am Telefon auch Beratung und Seelsorge per Mail und Chat an. Hier finden Sie Rat, Hilfe, Beratung und Begleitung für Ihre Seele.

Medizinrechts-Beratung http://www.medizinrechts-beratungsnetz.de

Eine kostenlose Erstberatung in Sachen Medizinrecht bei einem Vertrauensanwalt - diese Leistung kann jedermann über das Medizinrechts-Beratungsnetz der Stiftung Gesundheit in Anspruch nehmen.

Mieter helfen Mieter  http://www.mhmhamburg.de

Information in Sachen Mietrecht

Wer Hilft Wem http://www.werhilftwem.de

Ein bundesweiter sozialer Wegweiser.

beta institut http://betainfodienst.de

Gemeinnützige Gesellschaft mit einer umfangreichen Adressdatei im sozialen Bereich.

Selbsthilfenetz http://www.selbsthilfenetz.de

Im Mittelpunkt steht dabei der Hinweis auf örtliche Selbsthilfegruppen.

psychologischer-Beratungsdienst http://psychologischer-beratungsdienst.de

Bietet auch Online-Beratung an u.v.m.

Psychotherapeuten-Liste http:www.psychotherapeuten-liste.de

des Deutschen Psychotherapeutenverband (DPTV) e.V.

Neuer bundesweiter Selbsthilfe-Service http://www.gesundheitshilfe.de

Medizinische Aufklärungsbögen für Patienten und Angehörige

Infodienst für Patienten der AOK http://www.aok.de

ExpertInnenpool für freiwilliges Engagement Älterer" http://www.erfahrungswissen.de

Impressum

Bundesgeschäftsstelle der Messie-Selbsthilfegruppen Deutschland und der Angehörigen-Selbsthilfe von Messies beim Förderverein zur Erforschung des Messie-Syndroms (FEM) e. V.

Tegerstraße 15

32825 Blomberg

Tel.: 05236-888795

Fax: 05236-888796

E-Mail: femmessies@t-online.de

Internet: http://www.messie-selbsthilfe.de/

   http://www.femmessies.de/

 http://www.messie-forum.de

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Informationen zum Messie-Syndrom

 Tagungsdokumentationen der Messie-Fachtagung  (ISSN 1860-8302)

 Nr. 1               Betroffene im Gespräch mit Fachleuten ( I )

                        Tagungsdokumentationen der 1. Messie-Fachtagung in Berlin, 27. Mai 2000

Nr. 2                           Betroffene im Gespräch mit Fachleuten ( II ) Tagungsdokumentationen der 2. Messie-Fachtagung in Göppingen, 15. Juni 2002

Nr. 3                           Betroffene im Gespräch mit Fachleuten ( III ) Tagungsdokumentationen der 3. Messie-Fachtagung in Hamburg, 7. Februar 2004

Schriftenreihe des Fördervereins zur Erforschung des Messie-Syndroms  (ISSN 1860-8302)

 Nr. 1               Warum fühlen wir uns wie gelähmt und blockiert?

Nr. 2               Das Messie-Syndrom - Plädoyer für eine Blickwendung.

Nr. 3               Das Messie-Syndrom Primäre Symptome - Was kann helfen?

                        Ein Versuch der Bewältigung ...

Nr. 4               Rat und Hilfe für Angehörige und Freunde der Menschen mit einem Messie-Syndrom.

Zeitschrift: LEBENSWENDE  (ISSN 1860-8299)

Nr.1                Jahrgang 1 - Ausgabe 0

Nr.2                Jahrgang 1 - Ausgabe 1

Nr.3                Jahrgang 2 - Ausgabe 2

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