Warum ist es für Messies so schwer, dauerhaften Erfolg bei der Bewältigung ihrer häuslichen Probleme zu haben?

Es gibt allgemeine Ratgeber zur Haushaltsführung, aber auch spezielle für Messies. Ich will einmal versuchen, deutlich zu machen, welche Mechanismen es ihnen so schwer machen, die dort empfohlenen Methoden dauerhaft anzuwenden.

Beispiel:

Verhaltensweisen

Einer Hausfrau fiel es allmählich selbst auf, dass ihr die täglich anfallende Arbeit im Haus über den Kopf wuchs. Schon mehrfach hatte es deswegen schwere Auseinandersetzungen zwischen ihr und ihrem Partner gegeben.

1. ein bestimmtes Verhalten führt zu starken Konflikten mit der Umgebung/dem Partner

Sie sah ein, dass es so nicht weitergehen konnte und beschloss, ihr altes Verhalten aufzugeben. Sie nahm sich fest vor, alle anfallenden Arbeiten sofort und zügig zu erledigen, also z. B. gleich morgens die Betten zu machen oder sofort nach dem Essen zu spülen.

2. der gute Vorsatz, ein eigenes Verhalten zu ändern oder abzustellen, (wobei diese Änderung im Sinne riesiger illusionärer Erwartungen vollzogen werden soll, was sowohl die benötigte Zeit als auch das Ausmaß der Änderung betrifft)

Tatsächlich gelang es ihr drei Tage lang, ihrem Vorsatz treu zu bleiben. Doch am vierten Tage merkte sie, dass sie wieder nicht den Tisch abgeräumt und gespült hatte. Sie war erschrocken darüber, dass sie hatte rückfällig werden können.

3. die erste Nichterfüllung des Vorsatzes

Das solle in Zukunft anders werden. Sie meinte, sie habe es sich noch nicht genug vorgenommen, sich zu bessern und ihrem Vorsatz habe es an Entschiedenheit gemangelt. Sie beschloss, nach einem festen Ordnungssystem vorzugehen und sich strikt daran zu halten.

4. die daraus resultierende Enttäuschung führt zu einer Verfestigung des Vorsatzes und zur weiteren Erhöhung der an sich selbst gestellten Ansprüche

Diesmal stellte sie bereits am zweiten Tag nach dem erneuten und verstärkten Vorsatz fest, dass sie Arbeiten verschob und es sie große Oberwindung kostete, überhaupt etwas zu tun.

5. ein erneutes Scheitern

 

Die Frau erschrak noch heftiger und beschimpfte sich, indem sie sich willensschwach und inkonsequent nannte. Sie kam zu dem Schluss, dass sie eben nichts tauge und dass es für sie gar keinen Zweck habe, sich Änderungen und Besserung ihres Verhaltens vorzunehmen: "Ich schaffe es ja doch nicht."

6. heftiger Selbsthass im Sinne von Selbstanklagen, Selbstherabsetzung und Selbstverkleinerung

Am nächsten Tag sah sie die Dinge wieder etwas rosiger: "lm Wohnzimmer stört am meisten der Stapel mit den Zeitschriften. Sobald ich sie gelesen habe, gebe ich sie zum Altpapier. Dann sieht es wieder etwas wohnlicher aus."

7.als Selbstschutz die Verharmlosung des Zustandes des Haushaltes sich selbst gegenüber.

Sie lud ihre Freundinnen nicht mehr zum Kaffeekränzchen ein, ihr Partner traf sich mit seinen Freunden lieber in einer Kneipe und fing an, zu joggen.

8.Vermeidung sozialer Kontakte, um diese Vorstellung aufrecht erhalten zu können

Der erste oder zweite gute Vorsatz kann auch einem entsprechenden Ratgeber entnommen worden sein. Er bezieht sich auf eine rein äußerliche Verhaltensänderung. Völlig unbeachtet bleiben wichtige innere Faktoren, wie z. B. die Vollkommenheitserwartungen an die eigene Person und an andere. Diese stimmen mit dem realen Verhalten in enttäuschender Weise nicht überein. Gerade Messies stellen an sich selbst zu hohe Forderungen und Erwartungen und sind bei ihrer Nichterfüllung verzweifelt, fühlen sich wertlos bis zum Selbsthass.

Sie hat sich vorgenommen, von heute auf morgen einen Charakterzug aufzugeben, mit dem sie schon lange Jahre lebt.

Eine solche tief und fest verankerte Gewohnheit durch bloßen Vorsatz aufzugeben oder sie innerhalb von Tagen abzuändern, ist schlechterdings unmöglich. Man wird Wochen und Monate - das ist das mindeste - dafür ansetzen müssen. Denn es handelt sich ja schließlich um eine Umstellung im Erleben und Verhalten, um eine Änderung des Charakters, um eine Wandlung der Persönlichkeit.

Sie will etwas ändern durch einen bloßen Willensakt, ohne zu wissen, wo und wie der Hebel anzusetzen ist!

Die Hausfrau hatte sich nicht nur in bezug auf die zeitliche Verwirklichung ihres Vorsatzes Undurchführbares vorgenommen und zugemutet. Sie hat nicht eine Minute darüber nachgedacht, woher ihre Verhaltensweisen denn stammen.

Wer Unmögliches, wer Über- menschliches von sich verlangt, bringt überhaupt nichts zustande - auch das Menschenmögliche nicht.

Oft werden solche Vollkommenheitserwartungen ihrem Träger dann bewusst, wenn andere Personen die an sie gerichteten Erwartungen besonders augenfällig nicht erfüllen, wenn man also enttäuscht ist. Zu einer Einsicht in das Illusionäre dieser Erwartungen gelangt man jedoch erst, wenn man den Schritt wagt, sie kritisch in Frage zu stellen.

 

Statt auf die wundersame Wandlung von heute auf morgen zu setzen (Ich muss nur genug wollen), kann sich eine dauerhafte Umstellung und Wandlung nur in kleinen Schritten vollziehen. Zunächst stellen sich folgende Fragen:

  1. Warum schiebe ich Arbeiten immer auf und kann keine Entscheidung treffen?
    Weil ich alles perfekt machen möchte und meinem eigenen Idealbild nicht entsprechen kann.
  2. Warum bin ich so leicht ablenkbar?
    Weil ich möchte, dass alles richtig gemacht wird und nur ich weiß, was "richtig" bedeutet.
  3. Warum weiß nur ich, was "richtig" ist?
    Weil ich mich nur sicher fühle, wenn ich alles unter Kontrolle habe.

Die letzte Aussage erscheint als Widerspruch: Ein Messie hat ja gerade nichts unter Kontrolle! Erstellt er aber eine Liste der angefangenen (und nicht zu Ende geführten) Tätigkeiten, wird er feststellen, dass er, wenn er sie denn ausgeführt hätte, alles in seiner Umgebung geregelt hätte. Woher dieser übermächtige Wunsch nach Kontrolle kommt, liegt in der individuellen Biografie begründet und kann hier nicht näher erläutert werden.

Der Messie muss versuchen, die Form der Selbstkritik (den Selbsthass) allmählich zu verändern. Die Dauerenttäuschung kann entfallen, wenn er lernt, mit seinem Gefühl und seinen Ansprüchen an sich selbst ins Gleichgewicht zu kommen. Kann der Messie sich so annehmen, wie er ist, wird er seine eigenen brachliegenden Möglichkeiten und Kräfte entdecken, die bislang durch die Bemühungen, alles perfekt zu machen, gebunden waren. In dem Maße, wie er zu sich selbst eine "normale" Beziehung entwickelt, wird auch seine Umgebung "normal" werden.

Es gibt nämlich Symptome (das Messie - Verhalten), die nur deshalb existieren, weil ihnen eine übermäßige Aufmerksamkeit geschenkt wird! Der Messie beobachtet sich hinsichtlich irgendeines Verhaltens, das besser unbeobachtet bleibt, um vollkommen natürlich und "automatisch" zu erfolgen. Weil die Verhaltensweisen aber beobachtet werden, geraten sie aus dem Gleichgewicht und ihre Störung bindet wiederum die Aufmerksamkeit des Messies erst recht an sie, womit ein neuerlicher Kreis geschlossen ist.

In einer solchen Messiesituation (sich unentwegt zu beobachten und zu bewerten) gesellt sich schnell etwas hinzu, nämlich ein krampfhaftes Erzwingenwollen dessen, was nicht mehr richtig funktioniert.

Das Erzwingenwollen aber macht den Teufelskreis perfekt!

 

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